Fest in Frau­en­hand

tz - - KULTUR + TV - AN­TO­NIO SEIDEMANN

Man hat­te sich an sei­nen Wu­schel­kopf ge­wöhnt, die ha­ge­re Fi­gur, die wie ein Fels in der Bran­dung zwi­schen Pop und Klas­sik den Takt­stock schwang. Aber Ro­bert Groslot (65) ist in den Ru­he­stand ge­gan­gen. An sei­ne Stel­le tritt Alex­an­dra Ar­rie­che, ei­ne tem­pe­ra­ment­vol­le Bra­si­lia­ne­rin, un­ter der das Orches­ter fest in Frau­en­hand ist. Na­tür­lich auch die Stars: Sim­ple Minds, Ro­n­an Kea­ting, Na­ta­sha Be­ding­field, Ste­fa­nie Heinz­mann und das Strei­cher­trio Ti­me For Th­ree.

Ma­e­s­tra Ar­rie­che kennt al­le Pop-Hits, ver­riet uns John Mi­les, der auch wie­der mit im Boot ist: „Wäh­rend sie di­ri­giert, singt sie die Tex­te mit.“

Ma­e­s­tra Ar­rie­che ist nicht die ein­zi­ge Ve­rän­de­rung bei der Proms 2016. Denn so vie­le Ko­ope­ra­tio­nen wie heu­er gab es noch nie. So konn­te man bei der Deutsch­land­pre­mie­re in Mann­heim John Mi­les und Ro­n­an Kea­ting im Ca­tS­te­vens-Du­ett Fa­ther And Son er­le­ben. Ti­me For Th­ree er­in­ner­ten mit Ste­fa­nie Heinz­mann an die Jack­son Fi­ve und ver­hal­fen den Sim­ple Minds zu ei­ner höchst emo­tio­na­len Ver­si­on von Bel­fast Child. Die stah­len Alt­meis­ter Mi­les mit sei­nem Mu­sic was my first Lo­ve fast die Show.

Emo­tio­nen wur­den groß­ge­schrie­ben. Ti­me For Th­ree wid­me­ten ei­ne herz­zer­rei­ßen­de Kom­po­si­ti­on den Op­fern des An­schlags auf den Pa­ri­ser Club Bat­a­clan. An Prin­ce wur­de mit Pur­p­le Rain er­in­nert, und am Schluss san­gen al­le zu­sam­men Da­vid Bo­wies He­roes.

Wäh­rend alt­ge­dien­te Stars wie Sim­ple Minds, John Mi­les und Ro­n­an Kea­ting vom Pu­bli­kum so­fort mit of­fe­nen Ar­men emp­fan­gen wur­den, muss­te Ste­fa­nie Heinz­mann erst be­wei­sen, was sie kann. Wer die Schwei­ze­rin bis­her nicht kann­te, dem klapp­te die Kinn­la­de run­ter – als die Sän­ge­rin, die aus­sieht wie das leicht ner­di­ge Mäd­chen, das wir al­le in der Schu­le ge­kannt ha­ben, ih­re ex­plo­si­ve Stim­me aus­pack­te …

Wenn es aber dar­um geht, was die Proms-Cr­ew am nächs­ten Mor­gen beim Früh­stück vor sich hin­träl­ler­te, dann stahl wohl doch ei­ne al­len an­de­ren die Show: Na­ta­sha Be­ding­field mit ih­rem Hit Words und ih­ren frei­zü­gi­gen Büh­nen­Out­fits, die erst­mals so et­was wie Ero­tik bei der Night of the Proms er­lau­ben. So ist die gro­ße Cross­over-Show in die­sem Jahr fest in Frau­en­hand.

Tie­fe Ein­bli­cke: Na­ta­sha Be­ding­field ist mit da­bei Alex­an­dra Ar­rie­che be­herrscht das Orches­ter, kennt sich aber auch in der Pop­mu­sik aus

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.