Macht­los im Spiel der Po­li­tik

Ben­no Für­mann glänzt in ARD-Dra­ma Die vier­te Ge­walt

tz - - TV - TSCH/AKI

Es ist für al­le et­was da­bei: Po­li­ti­ker wer­den sich in dem TV-Dra­ma Die vier­te Ge­walt eben­so wie­der­er­ken­nen wie Jour­na­lis­ten, die sich im Kampf um ei­ne Fest­an­stel­lung weit aus dem Fens­ter leh­nen. Auf dem dies­jäh­ri­gen Münch­ner Film­fest wur­de der ARDFilm mit Ben­no Für­mann in der Haupt­rol­le be­geis­tert ge­fei­ert. Heu­te zeigt das Ers­te die Ge­schich­te um den frei­en On­li­ne-Jour­na­lis­ten Jan Schul­te, dem auf der Stra­ße von ei­ner OP-Schwes­ter ein hei­ßes Do­ku­ment zu­ge­spielt wird. Es soll im­mer­hin be­le­gen, dass sich die am­tie­ren­de Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­rin für ih­ren kran­ken Bru­der ei­ne Herz­trans­plan­ta­ti­on auf krum­men We­gen er­schli­chen hat.

Ei­ne „hei­ße Sto­ry“, wie es im Film so schön kli­schee­mä­ßig heißt. Doch der Skan­dal muss erst noch re­cher­chiert und be­legt wer­den. Kei­ne leich­te Auf­ga­be für Schul­te, der sich mit der Ge­schich­te ei­ne Fest­an­stel­lung ver­die­nen will. Denn mys­te­riö­ser­wei­se sind die Un­ter­la­gen bald ver­schwun­den, und im­mer mehr Ge­rüch­te kom­men auf. Als sich auch noch die Ber­li­ner Po­li­tik ein­mischt, stellt sich die Fra­ge, wer hier wen ma­ni­pu­liert.

Un­ge­wöhn­lich kom­plex in sei­ner Hand­lung, da­zu mit eben­so sub­ti­len wie am­bi­va­len­ten Fi­gu­ren aus­ge­stat­tet, er­zählt Die vier­te Ge­walt von den po­li­ti­schen Rän­ke­spie­len der Ber­li­ner Re­pu­blik und ih­rer Ver­flech­tung mit den Me­di­en, die – un­ter wirt­schaft­li­chen Druck ge­ra­ten – ih­re Auf­ga­be als „vier­te Ge­walt“im Staat nicht mehr aus­üben kön­nen.

„Ein wirk­lich klu­ges Dreh­buch“, lobt Ben­no Für­mann, der den Jour­na­lis­ten Jan Schul­te mit gro­ßer Hin­ga­be spielt. „Es spie­gelt ein­fach un­se­re Zeit wie­der: Al­les ist im Netz ver­füg­bar, die Auf­la­gen sin­ken. Vie­le Leu­te le­sen lie­ber Kom­men­ta­re von Lai­en als fun­dier­ten Jour­na­lis­mus. Und dann darf man die An­zei­gen­kun­den po­li­tisch nicht ver- prel­len – all das führt da­zu, dass die ,vier­te Ge­walt‘ ins Wan­ken ge­rät.“

Wo Macht ist, sei­en die Men­schen der Ge­fahr aus­ge­setzt, kor­rum­pier­bar zu sein, so der Ber­li­ner. Ein Ge­fühl, das der 44-Jäh­ri­ge nicht kennt. Um an gu­te Rol­len zu kom­men, muss­te er die Kon­kur­renz nie aus­trick­sen oder weg­bei­ßen. „Im Prin­zip ste­hen wir Schau­spie­ler ganz un­ten in der Ket­te. Die Zu­schau­er müs­sen dich mö­gen, der Re­gis­seur, die Pro­du­zen­ten, die Re­dak­teu­re. Die größ­te mo­ra­li­sche Ge­fahr ist für ei­nen Schau­spie­ler, sich zu pro­sti­tu­ie­ren“, sagt Für­mann.

Jour­na­lis­ten (und nicht nur die) wer­den an dem Film ih­re Freu­de ha­ben. Die In­si­der-Sar­kas­men sit­zen, frech und frei wird hin­ter die Ku­lis­sen der glä­ser­nen Re­dak­ti­ons­stu­ben ge­blickt. Die Be­set­zung ist oh­ne­hin gro­ße Klas­se, es funkt zwi­schen Ben­no Für­mann, Jör­dis Trie­bel und Fran­zis­ka Weisz. De­vid Strie­sow und Ul­rich Mat­thes glän­zen in die­ser Po­lit­pos­se. Bri­git­te Ma­ria Ber­te­le, man merkt das schon, hat sich als Re­gis­seu­rin am flot­ten Hol­ly­woo­dS­til ori­en­tiert. Scha­de nur, dass der ei­gent­li­che Po­lit­plot nicht wirk­lich zum Tra­gen kommt.

Vor­wurf ,Lü­gen­pres­se‘ – Kann man Jour­na­lis­ten noch trau­en? ist im An­schluss an das ARD-Dra­ma (21.45 Uhr) das The­ma bei San­dra Maisch­ber­ger. Es dis­ku­tie­ren un­ter an­de­rem Ul­rich Wi­ckert (Jour­na­list) und Ve­ra Lengs­feld (ehem. Bür­ger­recht­le­rin und CDUBun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te).

Jour­na­list Jan Schul­te (Ben­no Für­mann) ver­sucht, Licht ins Dun­kel zu brin­gen

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