Welt­cup­start mit teu­rem Spiel­zeug!

tz - - SPORT - MA­THI­AS MÜLLER

Al­les ist nicht neu beim Deut­schen Bob­ver­band (BSD), aber es gibt wich­ti­ge Ve­rän­de­run­gen vor dem ers­ten Welt­cup am Wo­che­n­en­de in Whist­ler. Chris­toph Lan­gen (54) ist nicht mehr Bun­des­trai­ner, er wech­sel­te in die Schweiz und über­gab den Stab an sei­nen bis­he­ri­gen Co-Trai­ner und ExPi­lo­ten Re­ne Spies (43). Sein Schaf­fen wirkt aber nach und sorgt für die zwei­te gro­ße Ve­rän­de­rung, die ei­nem Erd­rutsch gleich­kommt. Der BSD hat sich für die­se Sai­son und vor al­lem mit Blick auf die Olym­pi­schen Spie­le 2018, aus ei­ge­ner Ta­sche vier Zwei­er­bobs aus dem Hau­se Wall­ner an­ge­schafft. Preis pro Bob: Et­wa 40 000 Eu­ro. Um die­ses kos­ten­in­ten­si­ve, zu­sätz­li­che Spiel­zeug zu de­cken, ver­zich­tet man so­gar auf den zwei­ten Welt­cup in La­ke Pla­cid.

Ku­ri­os ist das des­halb, weil man im durch Steu­ern ge­för­der­ten In­sti­tut für For­schung und Ent­wick­lung von Sport­ge­rä­ten (FES) ei­nen jah­re­lan­gen Part­ner hat, der die Bobs und das Ma­te­ri­al kos­ten­frei zur Ver­fü­gung stellt. Die ers­ten Ge­sprä­che, die zu die­ser Ent­wick­lung führ­ten, lan­cier­te Lan­gen, der oft mit dem FESMa­te­ri­al ha­der­te nach dem me­dail­len­lo­sen Olym­pia­de­ba­kel in Sot­schi. Mög­li­cher Pro­fi­teur ist Spies. „Wir wol­len 2018 er­folg­reich sein, in den letz­ten zwei, drei Jah­ren hat­ten wir auf ein paar Bah­nen Pro­ble­me mit dem FES-Zwei­er-Schlit­ten, mit dem Vie­rer nicht, da sind wir Welt­klas­se. Wir ent­wi­ckeln bei­de Sys­te­me wei­ter, am En­de ob­liegt die Ent­schei­dung, mit wel­chem Bob er fährt, dem Pi­lo­ten“, sagt der neue Bun­des­trai­ner.

Kon­kur­renz be­lebt das Ge­schäft, man könn­te es aber auch als schmerz­haf­te FESOhr­fei­ge an­se­hen. „Klar gab es Dis­kus­sio­nen“, sagt der FES-Di­rek­tor Ha­rald Schaa­le der „Wir ha­ben un­se­re Ar­beit über 20 Jah­re or­dent­lich ge­macht und wol­len das auch wei­ter­hin.“Aus BSDSicht ist die Ent­schei­dung ge­winn­brin­gend. In der Vor­be­rei­tung reis­te ein FES-In­ge­nieur mit der Mann­schaft, in Winterberg ist er nicht da­bei, Han­nes Wall­ner hin­ge­gen schon. „Die Kom­mu­ni­ka­ti­on ist gut. Ha- rald Schaa­le fin­det das na­tür­lich im­mer noch nicht su­per, aber er ist den Weg mit­ge­gan­gen, den wir ein­ge­schla­gen ha­ben“, sagt Spies und lob­te die neu­en Pro­to­ty­pen.

Pi­lot Jo­han­nes Loch­ner ging noch ei­nen Schritt wei­ter und kauf­te sich selbst auch ei­nen Vie­rer­bob der Mar- ke Wall­ner, fi­nan­ziert durch sei­nen Ver­ein BC Stutt­gart So­li­tu­de und pri­va­te Spon­so­ren. Kos­ten­punkt: Cir­ca 70 000 Eu­ro. „Der FES-Bob hat ei­ne ei­ge­ne Lenk­phi­lo­so­phie, die Über­set­zung ist di­rekt, das Feed­back vom Eis ge­ring, man muss selbst we­nig ma­chen. Wall­ner hat ei­ne an­de­re Über­set­zung und an­de­re Win­kel, man muss mehr am Seil zie­hen, und man spürt, was der Bob macht, das liegt mir mehr“, sagt Loch­ner, der trotz WM-Sil­ber 2015 und 2016, die­sen Win­ter sei­ne ers­te kom­plet­te Welt­cup­sai­son be­strei­tet.

Dass sei­ne Pi­lo­ten we­gen des La­ke-Pla­cid-Ver­zichts schlech­te­re Aus­sich­ten im Ge­samt­welt­cup ha­ben, war für nie­mand ein Pro­blem, da die Al­ter­na­ti­ve der Ver­zicht auf die Wall­ner-Schlit­ten ge­we­sen wä­re. „Das Vo­tum war ein­stim­mig“, so Spies. Mit wel­chen Bobs 2018 in Pyeong­chang ge­fah­ren wird? Bei der FES sei­en sie voll im Plan, so Schaa­le. Der Bun­des­trai­ner ur­teilt sa­lo­mo­nisch: „Es kann sein, dass wir mit null FES-Ge­rä­ten an den Start ge­hen, es kann auch sein, dass wir mit sechs FES-Ge­rä­ten star­ten.“Ers­te­res wä­re ein Erd­be­ben und kein Erd­rutsch mehr.

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