Auf­rüs­tung im Cy­ber-Krieg

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Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re kün­dig­te an, dass nach dem Ha­cker­an­griff auf die Te­le­kom mehr für den Schutz ge­gen Atta­cken aus dem In­ter­net ge­tan wer­den müs­se. Die er­klärt, was die Po­li­tik plant – und wer hin­ter dem An­griff ste­cken könn­te, durch den fast ei­ne Mil­li­on Te­le­kom-Kun­den stun­den­lang vom In­ter­net und vom Te­le­fon ab­ge­schnit­ten wa­ren.

Was sind die kon­kre­ten Plä­ne der Bun­des­re­gie­rung?

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re will Gü­te­sie­gel und Zer­ti­fi­ka­te für IT-Si­cher­heit aus­bau­en, um Min­dest­stan­dards im In­ter­net zu ga­ran­tie­ren. So sol­len nach Vor­schlag des Bun­des­amts für Si­cher­heit in der In­for­ma­ti­ons­tech­nik (BSI) die (meist asia­ti­schen) Her­stel­ler der Rou­ter zu re­gel­mä­ßi­gen Si­cher­heits­up­dates ver­pflich­tet wer­den, die au­to­ma­tisch den Kun­den auf­ge­spielt wer­den. NRW-In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) for­der­te „mehr Tech­nik und mehr Per­so­nal“im Be­reich Cy­ber­kri­mi­na­li­tät: „Wir müs­sen uns da in Deutsch­land bes­ser auf­stel­len, wir brau­chen ei­ne bes­se­re Zu­sam­men­ar­beit von Bund und Län­dern.“

Wer steckt hin­ter dem Cy­ber­an­griff auf die Te­le­kom-Rou­ter?

Kon­kre­te Schuld­zu­wei­sun­gen ver­mied de Mai­ziè­re. An­ge­la Mer­kel ver­wies je­doch auf die Dok­trin Russ­lands, wo der­ar­ti­ge „hy­bri­de Aus­ein­an­der­set­zun­gen heu­te zum All­tag“ge­hör­ten. ■ War­um be­schul­digt Mer­kel kon­kret Russ­land?

Weil der Bun­des­nach­rich­ten­dienst (BND) vor aus Russ­land ge­steu­er­ten Ha­cker­at­ta­cken auf Deutsch­land warnt. Es ge­be „Er­kennt­nis­se, dass Cy­ber-An­grif­fe statt­fin­den, die kei­nen an­de­ren Sinn ha­ben, als po­li­ti- sche Ve­r­un­si­che­rung her­vor­zu­ru­fen“, so der neue BND-Prä­si­dent Bru­no Kahl in der SZ. Deutsch­land ste­he im Fo­kus der rus­si­schen Stör­ver­su­che, so Kahl wei­ter. Gibt es Bei­spie­le für staat­li­che Cy­ber- Atta­cken? Im De­zem­ber 2015 fiel für mehr als 80 000 Men­schen in der Ukrai­ne der Strom aus. Ukrai­ni­sche Be­hör­den und in­ter­na­tio­na­le Si­cher­heits­ex­per­ten ver­mu­te­ten ei­ne Atta­cke aus Russ­land. 2013 gab es ei­nen flä­chen­de­cken­den Strom­aus­fall in der 15-Mil­lio­nen-Me­tro­po­le Shang­hai, für den chi­ne­si­sche Ex­per­ten den US-Ge­heim­dienst ver­ant­wort­lich mach­ten. ■ Wie schlimm war der Ha­cker­an­griff auf die Te­le­kom? Of­fen­bar hat­ten die Te­le­kom und ih­re Kun­den­noch Glück im Un­glück: „Der An­griff hat nicht rich­tig funk­tio­niert“, so BSI- Chef Ar­ne Schön­bohm. Die An­grei­fer hät­ten nach ei­ner ers­ten Ex­per­ten­ana­ly­se schlam­pig ge­ar­bei­tet: Die Speed­port-Rou­ter der Kun­den sei­en durch den An­griff zwar ab­ge­stürzt. Das ei­gent­li­che Ziel der Ha­cker, ei­ne Schad­soft­ware zu in­stal­lie­ren, sei aber of­fen­bar nicht er­reicht wor­den. De Mai­ziè­re mein­te: „Sie kön­nen ja sa­gen, dass es schlimm war, dass 900 000 Rou­ter aus­ge­fal­len sind. Sie kön­nen aber auch sa­gen: Es ist gut, dass nicht noch Schlim­me­res pas­siert ist.“■ Wie funk­tio­nier­te der An­griff?

Die An­grei­fer nutz­ten ei­ne Si­cher­heits­lü­cke bei der Im­ple­men­tie­rung von zwei Fern­war­tungs­pro­to­kol­len der Rou­ter. Über den Port 7547 konn­ten die Ha­cker ein- drin­gen. Ei­gent­lich sol­len der Port und die Fern­war­tungs­pro­to­kol­le Te­le­kom-Tech­ni­kern den Fern­zu­griff auf den Rou­ter er­mög­li­chen. Al­ler­dings wä­re es si­che­rer, wenn die­ser Port nicht stän­dig ge­öff­net wä­re, son­dern der Rou­ter nur bei Be­darf selbst ei­ne Ver­bin­dung zum Ser­vice auf­bau­en wür­de. So aber wa­ren für die Ha­cker Tür und Tor ge­öff­net.

Sind an­de­re Rou­ter si­che­rer ■ als der von der Te­le­kom?

Nein. In den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren wa­ren be­reits mehr­fach Rou­ter welt­weit von Ha­ckern an­ge­grif­fen wor­den. 2012 bei­spiels­wei­se wa­ren dar­un­ter Rou­ter-Mo­del­le■ der Kun­den von O2 Te­le­fo­ni­ca.

F.: Sci­ence Pho­to

Die An­grif­fe aus der An­ony­mi­tät des In­ter­nets wer­den im­mer be­droh­li­cher

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