Ver­fas­sungs­schutz ent­tarnt is­la­mis­ti­schen Maul­wurf in ei­ge­nen Rei­hen – er war Por­no­dar­stel­ler!

tz - - POLITIK - BAR­BA­RA WIM­MER

Seit wann war der Ver­däch­ti­ge „Ver­fas­sungs­schüt­zer“?

Er wur­de heu­er im April ein­ge­stellt. Er ist Quer­ein­stei­ger, war frü­her in ei­ner Bank tä­tig. Der In­lands­nach­rich­ten­dienst sucht der­zeit hän­de­rin­gend nach per­so­nel­ler Ver­stär­kung. Bis­her sind an den Stand­or­ten Köln und Ber­lin 2800 Per­so­nen tä­tig. Auch in den Lan­des­äm­tern wird flei­ßig um Mit­ar­bei­ter ge­wor­ben.

Was weiß man bis­her über die Per­son?

Der CSU-Bundestags ab­ge­ord­ne­te Hans- P et erUhl­hats ich in­for­miert: „Der Ver­däch­ti­ge war ur­sprüng­lich Ka­tho­lik. Er stammt aus ei­nem bür­ger­li­chen Haus, sei­ne Frau ist Ärz­tin. Man weiß nicht, wie­so er sich ra­di­ka­li­siert hat und zum Is­lam über­ge­tre­ten ist. Ver­wun­der­lich ist es, dass er als Kon­ver­tit, die ja meist be­son­ders eif­rig sind, nicht auf­ge­fal­len ist und bei ihm kein Koran ge­fun­den wur­de. Es ist auch denk­bar, dass es sich um ei­nen Geis­tes­ge­stör­ten han­delt. Aber: Sei­ne Ak­ti­vi­tä­ten im Netz wa­ren ein­deu­tig is­la­mis­tisch-ter­ro­ris­ti­scher Na­tur.“Fakt ist in­zwi­schen auch: Der Fa­mi­li­en­va­ter führ­te ein biz­za­res Pri­vat­le­ben. Bei der Durch­su­chung sei­ner Woh­nung im nie­derr he ini­schenTö­nis vor st sol­len die Er­mitt­ler Schwu­len­Por­nos ge­fun­den ha­ben, auf de­nen Ro­que M. als Darstel­ler zu se­hen ist. Das be­rich­tet die Wa­shing­ton Post.

Was wird dem Fest­ge­nom­me­nen vor­ge­wor­fen?

„Er hat mit ei­nem ver­deck­ten Na­men im Netz mit ei­nem Ge­sprächs­part­ner ge­chat­tet und sich ge­brüs­tet, er kön­ne als Mit­ar­bei­ter ei­nen An­schlag auf das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz or­ga­ni­sie­ren“, be­rich­tet Hans-Pe­ter Uhl. „Und er wä­re auch be­reit zu ei­nem Selbst­mord­at­ten­tat!“Laut Staats­an­walt­schaft Düs­sel­dorf, die die Er­mitt­lun­gen lei­tet, ver­riet er of­fen­bar „sen­sib - le De­tails über Ein­satz­an­läs­se und - or­te“.

Wie wird der Mann und der Fall ein­ge­schätzt?

Für Uhl ist „das ein kru­der Fall – man weiß nicht, wie groß die Ge­fahr ist, die von dem Mann aus­geht. Ist er ver­rückt, ist er Is­la­mist, oder ist er bei­des?“Der Jour­na­list Ge­org Heil sprach im ARD- Mor­gen-

ma­ga­zin von ei­ner „schwie­ri­gen Per­sön­lich­keit“des Fest­ge­nom­me­nen. Zeu­gen hät­ten be­rich­tet, der vier­fa­che Fa­mi­li­en­va­ter ha­be ei­nen ge­wis­sen Gel­tungs­drang.

War­um fiel er bei der Ein­stel­lungs-Über­prü­fung nicht auf?

Das ist die gro­ße Fra­ge. Wer zum Ver­fas­sungs­schutz will, wird to­tal durch­leuch­tet. Nach der höchs­ten Über­prü­fungs­stu­fe wer­den nicht nur die An­ga­ben des Be­wer­bers ge­checkt, son­dern auch sein gan­zes Um­feld. Na­he­ste­hen­de Per­so­nen wer­den über­prüft, eben­so Ver­ei­ne, Nach­barn und Ex­ter­ne, wie ein frü­he­rer Ar­beit­ge­ber oder auch Ver­mie­ter. Das zieht sich min­des­tens ein hal­bes Jahr hin. Der heim­li­che Is­la­mist hat of­fen­bar al­les oh­ne Ta­del ab­sol­viert und sich laut Maa­ßen auch wäh­rend der Ei­n­ar­bei­tungs­zeit und in sei­nem Ein­satz­be­reich – ei­ner Ob­ser­va­ti­ons­grup­pe für die is­la­mis­ti­sche Sze­ne! – „un­auf­fäl­lig ver­hal­ten“.

Wie flog er letzt­lich auf?

Bei ei­nem sei­ner In­ter­net­ge­sprä­che un­ter fal­schem Na­men mit ver­meint­li­chen Ge­sin­nungs­ge­nos­sen ge­riet er an ei­nen „ech­ten“Ver­fas­sungs­schüt­zer, der eben­falls un­ter ei­nem Ali­as-Na­men un­ter­wegs war. Dem bot er für den Fall ei­nes An­schlags auf die Zen­tra­le des Bun­des­amts in KölnChor­wei­ler an, dort „Gleich­ge­sinn­ten Zu­gang ... für ei­ne Ge­walt­tat“zu er­mög­li­chen. Er sei „zu al­lem be­reit, um den Brü­dern zu hel­fen“, da dies „si­cher im Sin­ne Al­lahs“sei.

Gibt es An­ga­ben über Leu­te, die vom BfV ab­ge­lehnt wer­den?

Sta­tis­ti­ken wer­den nicht ge­führt. Es gibt aber im­mer wie­der Ab­leh­nun­gen. Im Fe­bru­ar war z. B. be­kannt ge­wor­den, dass sich auf Stel­len­aus­schrei­bun­gen zwei Rechts­ex­tre­mis­ten, ein Links­ex­tre­mist, ein Mit­ar­bei­ter des rus­si­schen Ge­heim­diens­tes und ein an­de­rer Is­la­mist be­wor­ben hat­ten. Die Na­men die­ser Kan­di­da­ten wa­ren beim deut­schen In­lands­ge­heim­dienst (NA­DIS) re­gis­triert.

Fo­to: dpa

Ver­fas­sungs­schutz-Prä­si­dent Hans-Ge­org Maa­ßen (M.), un­ter­hält sich mit Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU, r.) und dem Prä­si­den­ten des Bun­des­kri­mi­nal­amts, Holger Münch

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