End­lich Schu­le oh­ne Peit­sche

tz - - REPORT -

VSeit 1977 ist es in Hai­ti of­fi­zi­ell ver­bo­ten, Kin­der zu schla­gen. Doch noch im­mer ge­hört Ge­walt zum all­täg­li­chen Le­ben im Ka­ri­bik­staat. In den Fa­mi­li­en und in vie­len Schu­len. Unicef kämpft seit Jah­ren da­für, dass Kin­der ge­walt­frei auf­wach­sen kön­nen, dass ihr ge­setz­lich zu­ge­si­cher­tes Recht im All­tag auch wirk­lich um­ge­setzt wird. ie­les läuft imn der na­tio­na­len Schu­le Des Cayes-Jacmel ge­nau­so wie in al­len an­de­ren Schu­len des Lan­des. Die Klas­sen sind groß, teil­wei­se drü­cken sich 40, 50 Kin­der in ei­nem klei­nen Raum an­ein­an­der. Die Luft ist sti­ckig und al­le freu­en sich, wenn es end­lich zur Pau­se läu­tet. Dann ki­cken die Bu­ben mit ei­nem al­ten Ten­nis­ball, die Mäd­chen tum­meln sich un­ter dem gro­ßen Baum in der Mit­te des Schul­hofs, ki­chern und ver­trei­ben sich die Zeit mit Klatsch­spie­len. Im Bü­ro des Di­rek­tors zeigt sich aber, dass in die­ser Schu­le man­ches an­ders läuft. Pla­ka­te wei­ßen über­all auf das An­ti-Ge­walt-Pro­jekt hin. Je­an Au­gus­tin Bi­en­venu er­klärt: „Kin­der sol­len oh­ne Angst in die Schu­le kom­men kön­nen. Sie ha­ben ein Recht auf ge­walt­freie Er­zie­hung. Und die be­kom­men sie bei uns.“

Das Um­den­ken fällt schwer. „Manch­mal kom­men El­tern in die Schu­le und bit­ten uns, dass wir ihr Kind schla­gen“, er­zählt der Schul­lei­ter. „Es dau­ert ein­fach lan­ge, bis Men­schen um­den­ken.“

Des­halb sind an dem Pro­jekt nicht nur Schu­len, son­dern Leu­te aus den Kom­mu­nen, El­tern, Leh­rer na­tür­lich und auch äl­te­re Schü­ler be- tei­ligt. Al­lein in die­ser Schu­le sind es 80 Per­so­nen, die ge­schult wer­den und die Fa­mi­li­en sen­si­bi­li­sie­ren.

Rek­tor Bi­en­venu: „Frü­her hat der Leh­rer Ge­mein­sam mit der Re­gie­rung neh­men des­halb im­mer mehr Schu­len an ei­nem Unicef-Pro­gramm teil, das Kin­der vor grau­sa­men Er­zie­hungs­me­tho­den schützt. .Zwölf Ein­rich­tun­gen in der Re­gi­on Jacmel sind bei­spiels­wei­se Teil ei­nes Pi­lot­pro­jekts von Unicef und des Bil­dungs­mi­nis­te­ri­ums. Wir ha­ben die na­tio­na­le Schu­le in Des Cayes-Jacmel be­sucht, die seit ei­nem Jahr of­fi­zi­ell ei­ne ge­walt­freie Schu­le ist. den Teu­fel oder ein Mons­ter ver­kör­pert, jetzt steht er da­für, dass er Bil­dung ver­mit­telt und ei­nen Weg in ei­ne bes­se­re Zu­kunft er­mög­licht.“Le­veque Mas­ca­ry, In­spek­tor des Bil­dungs­mi­nis­te­ri­ums, kon­trol­liert mit sei- nen Mit­ar­bei­tern, ob sich die Schu­len an die Vor­ga­ben hal­ten. Ers­tes In­diz, ob es noch Ge­walt an ei­ner Schu­le gibt, sind die in Hai­ti ge­bräuch­li­chen Peit­schen. Zwei Ar­ten sind in Ge­brauch: ein fes­ter Le­der­rie­men und ein Holz­stock mit meh­re­ren Stri­cken. Die letz­te­re ist die schlim­me­re. „Frü­her ha­ben die Kin­der ei­nen Feh­ler ge­macht und wur­den schon be­straft. Jetzt ler­nen sie oh­ne Furcht und die Leis­tun­gen zei­gen, dass sich al­le ver­bes­sert ha­ben“, er­zählt Re­ak­tor Je­an Au­gus­tin Bi­en­venu.

Vor al­lem auf dem Land ist es schwie­rig, die Men­schen da­von zu über­zeu­gen, die Hand nicht ge­gen ih­re Kin­der zu er­he­ben. „Die Fa­mi­li­en ken­nen seit Jahr­hun­der­ten kei­ne an­de­re Er­zie­hungs­me­tho­de. Und jetzt kom­men die Kin­der nach Hau­se und sa­gen, sie hät­ten das Recht auf ein ge­walt­frei­es Le­ben. Es kos­tet viel Über­zeu­gungs­ar­beit, um das Ver­hal­ten zu än­dern“, räumt der In­spek­tor ein. „Das heißt aber nicht, dass wir auf­ge­ben. Wir ar­bei­ten hart dar­an, wirk­lich et­was zu ver­bes­sern.“

Die na­tio­na­le Schu­le Des Cayes-Jacmel im Sü­den von Hai­ti ist ei­ne der ge­walt­frei­en Pro­jekt-Ein­rich­tun­gen

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