Die Welt weint mit Cha­pe­co­en­se

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Die Al­li­anz Are­na leuch­te­te grün in den Münch­ner Nacht­him­mel. Der Eif­fel­turm in Pa­ris, die Chris­tus­sta­tue in Rio de Janei­ro, zahl­rei­che Sta­di­en und Mo­nu­men­te welt­weit: Al­le be­zeug­ten Kon­do­lenz in der Ver­eins­far­be der As­so­ci­a­ção Cha­pe­co­en­se de Fu­te­bol, ei­nem erst vor 43 Jah­ren ge­grün­de­ten Fuß­ball­klub, des­sen Na­me nun ewig mit ei­ner der größ­ten Tra­gö­di­en im Sport ver­bun­den ist.

Am Mon­tag­abend um ex­akt 21.55 Uhr brach der Funk­ver- kehr ab, gut 17 St­un­den spä­ter er­klär­ten die Be­hör­den die Ber­gung der Op­fer des Flugs La­mia CP 2933 in der schwer zu­gäng­li­chen Berg­re­gi­on Cer­ro Gordo für be­en­det. Mit 71 To­ten und nur sechs Über­le­ben­den als schreck­li­che Bi­lanz. Der Vi­ze-Prä­si­dent des Ver­eins, Ivan Toz­zo, sag­te, der Schmerz sei „furcht­bar“.

Die Trau­er und die An­teil­nah­me ist groß, die Hilfs­be­reit­schaft und die So­li­da­ri­tät aber auch. Auch Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel kon­do­lier­te dem bra­si­lia­ni­schen Prä­si­den­ten Mi­chel Te­mer. Gleich 13 bra­si­lia­ni­sche Ver­ei­ne, dar­un­ter zehn Erst­li­ga-Ri­va­len der kom­men­den Sai­son, er­klär­ten sich in ei­ner ge­mein­sam ver­öf­fent­lich­ten Stel­lung­nah­me be­reit, kos­ten­los Spie­ler ab­zu­stel­len. Zu­dem will die Grup­pe for­mell beim na­tio­na­len Ver­band CBF be­an­tra­gen, dass Cha­pe­co­en­se, das beim Un­glück gleich 19 Spie­ler ver­lo­ren hat, in den kom­men­den drei Spiel­zei­ten nicht in die 2. Li­ga ab­stei­gen darf. Bei­leids­be­kun­dun­gen ka­men von den Fuß­ball-Le­gen­den Pelé, Ma­ra­do­na und Lio­nel Mes­si, Cris­tia­no Ro­nal­do kün­dig­te so­gar be­reits ei­ne Spen­de für die Hin­ter­blie­be­nen der Op­fer über drei Mil­lio­nen Eu­ro an. So­li­da­ri­tät auch vom Geg­ner der er­träum­ten größ­ten St­un­de in der Ver­eins­ge­schich­te, die nach dem Durch­marsch von Li­ga drei (2012) in die Se­rie A (2014) am Mitt­woch ein neu­es Ka­pi­tel er­hal­ten soll­te. At­lé­ti­co Na­cio­nal hat dem süd­ame­ri­ka­ni­schen Ver­band CON­ME­BOL na­he­ge­legt, den Ti­tel des zweit­wich­tigs­ten kon­ti­nen­ta­len Klub-Wett­be­werbs Cha­pe­co­en­se zu über­rei­chen. Zu­dem rief der ko­lum­bia­ni­sche Spit­zen­klub sei­ne Fans auf, am Mitt­woch in wei­ßer Klei­dung und mit ei­ner Ker­ze zur vor­ge­se­he­nen An­stoß­zeit im Es­tá­dio Ata­na­sio Gi­rar­dot zu er­schei­nen.

Das in Trau­er ver­sun­ke­ne Cha­pecó im Sü­den Bra­si­li­ens mit sei­nen rund 210 000 Ein­woh­nern war­tet der­weil auf sei­ne to­ten Hel­den. Bür­ger­meis­ter Lu­cia­no Bu­li­gon ver­goss vor den Ka­me­ras Trä­nen. „Aus ei­nem Traum ist ein wah­rer Alb­traum ge­wor­den“, sag­te der Bür­ger­meis­ter über das Schick­sal des bis vor Kur­zem völ­lig un­be­kann­ten Klubs. Die Stadt plant ei­ne ge­mein­sa­me Be­gräb­nis­fei­er im Sta­di­on des Klubs. Ei­ner der sechs Über­le­ben­den des Un­glücks ist Cha­pe­co­en­ses Er­satz-Tor­hü­ter Jack­son Foll­man, dem we­gen der er­lit­te­nen Ver­let­zun­gen das rech­te Bein am­pu­tiert wer­den muss­te. Das Fuß­ball­team war auf dem Flug nach Ko­lum­bi­en, als die Ma­schi­ne in rund 3300 Me­tern Hö­he in ein Berg­ge­biet in der Nä­he von Me­del­lín stürz­te. In­zwi­schen wur­den die Flug­schrei­ber ge­fun­den. Die bei­den Kom­po­nen­ten der Black Box wer­den auf­hel­len, was zum Ab­sturz der bo­li­via­ni­schen Char­ter­Ma­schi­ne führ­te. Elek­tro­ni­sche Pro­ble­me wur­den zu­nächst als Ur­sa­che aus dem auf­ge­fan­ge­nen Funk­ver­kehr ge­nannt. Spä­ter ver­här­te­te sich der Ver­dacht auf Treib­stoff­man­gel. Weil ein grö­ße­rer Air­bus der Ge­sell­schaft Vi­va Co­lom­bia we­ni­ge Mi­nu­ten zu­vor um ei­ne Not­lan­dung bat, muss­te die Un­glücks­ma­schi­ne Ex­trarun­den dre­hen. „Es ist sehr ver­däch­tig, dass es trotz des Auf­pralls kei­ne Ex­plo­si­on gab“, er­klär­te ein ko­lum­bia­ni­scher Mi­li­tär.

Fo­tos: Ima­go, dpa, fkn

An­ge­hö­ri­ge dan­ken den Fans im hei­mi­schen Sta­di­on für die An­teil­nah­me

Welt­wei­te Trau­er. Wahr­zei­chen leuch­ten grün, Men­schen zün­den Ker­zen an

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