„Ein la­chen­des und ein wei­nen­des Au­ge“

tz - - SPORT - IN­TER­VIEW: S. OJO

Fast 14 Jah­re warAndre­asBirn­ba­cher im Welt­cup – im März hör­te er auf. Im tz- In­ter­view spricht der 34-Jäh­ri­ge über sein neu­es Le­ben. Herr Birn­ba­cher, beim Er­din­ger Herbst­fest stan­den Sie an der Schieß­bu­de. Wie oft sieht man Sie im All­tag mit Waf­fe? Birn­ba­cher: Das Luft­ge­wehr ha­be ich ab und zu mal in der Hand, weil ich bei mir da­heim im Kel­ler ei­nen klei­nen Stand ha­be. Aber mein Klein­ka­li­ber ha­be ich seit dem letz­ten Ren­nen nicht mehr be­nutzt. Und an­sons­ten frö­nen Sie dem Le­ben als Rent­ner mit Ke­gel­aben­den und Schaf­kopf­run­den? Birn­ba­cher (lacht): Nein. Ren­te ist über­haupt nichts für mich. Da­für bin ich noch viel zu jung. Wenn man Pro­fi­sport­ler war, kann man auch nicht von ein­hun­dert run­ter auf null fah­ren, son­dern muss sich neue Zie­le set­zen. Sonst fällt man in ein Loch. Was ha­ben Sie da für sich ge­fun­den?

Birn­ba­cher: Mo­men­tan küm­me­re ich mich ne­ben­bei am Stütz­punkt um die Pro­fis. Wenn der An­di (Stitzl, Bi­ath­lon-Dis­zi­plin­trai­ner, d. Red.) auf ei­nem Lehr­gang ist, be­treue ich die Her­ren-Trai­nings­grup­pe. Was pla­nen Sie lang­fris­tig? Birn­ba­cher: Im Ok­to­ber wer­de ich an die Sport­hoch­schu­le in Köln ge­hen und spä­ter als Trai­ner ar­bei­ten.

Über Ih­re ver­mehr­te Frei­zeit freu­en sich si­cher auch Ih­re Frau An­na und die Kin­der Lou­is und Mo­ritz…

Birn­ba­cher: Ja, na­tür­lich. Wir ha­ben zwei Rad­an­hän­ger, wo wir die Kin­der rein­set­zen kön­nen oder wir ge­hen auf Spiel­plät­ze, in Mär­chen­parks. Da ist im­mer vol­les Pro­gramm. Ich muss der Fa­mi­lie die Jah­re zu­rück­zah­len, in de­nen ich so oft weg war.

Und Sie müs­sen im Mär­chen­park nicht mehr über­le­gen, ob Sie die Pom­mes es­sen dür­fen…

Birn­ba­cher (lacht): …oder ob ich das ei­ne oder an­de­re Bier mit Al­ko­hol trin­ke, das man als Sport­ler mei­det. Auf die Er­näh­rung muss ich Sieg ge­glaubt hat­te: „Ich fühl­te mich nicht be­son­ders schnell. Es war ein schwie­ri­ges Ren­nen. Da­mit ha­be ich nie ge­rech­net. Ich dach­te, das wird hier eher so ein mit­tel­mä­ßi­ger Ein­stieg.“Weit ge­fehlt! Trotz ih­rer bei­den Schieß­feh­ler ver­dräng­te Dahl­mei­er, ges­tern mit knall­ro­ter Bril­le, die Fran­zö­sin Anä­is Bes­cond (ei­ne Straf­mi­nu­te/+15,8 Se­kun­den) und die feh­ler­freie Dar­ja Jur­ke­witsch (+1:17,3 Mi­nu­ten) aus Weiß­russ­land auf die Plät­ze. „Schau­en wir mal, wo das so hin­führt und was die­se Sai­son noch so geht“, sag­te Dahl­mei­er und grins­te. Die Baye­rin

nicht mehr so ach­ten…

Ist Weh­mut da­bei?

Birn­ba­cher: Ja. Ich ha­be mit 34 auf­ge­hört und manch­mal den­ke ich, dass es noch ein, zwei Jah­re ge­gan­gen wä­re. Ich war auf ei­nem gu­ten Le­vel mit Top-10- und Top-15Plät­zen. Es ist ein la­chen­des und ein wei­nen­des Au­ge da­bei.

Und wie wer­den Sie den Welt­cup-Auf­takt heu­er ver­fol­gen?

Birn­ba­cher: Mit Span­nung. Aber vor dem Fern­se­her.

Das Po­dest: Anais Bes­cond (Frankreich), Laura Dahl­mei­er und Da­rya Yur­ke­vich (Weiß­russ­land)

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.