Schon im­mer ein Nacht­mensch

Die eng­li­sche Schau­spie­le­rin Ka­te Be­ck­in­sa­le im

tz - - SPORT - MAR­CO SCHMIDT

Auf der Lein­wand küss­te sie un­ter an­de­rem Ben Af­f­leck, John Cu­sack und Leo­nar­do DiCa­prio. Nun ist Ka­te Be­ck­in­sa­le er­neut in ih­rer er­folg­reichs­ten Rol­le als Vam­pi­rin Se­le­ne im Ki­no zu se­hen. Das Auf­tre­ten der 43-Jäh­ri­gen beim In­ter­view in Ber­lin könn­te man cool und läs­sig oder kühl und lust­los nen­nen. Im­mer­hin tau­te die En­g­län­de­rin ein we­nig auf und er­frisch­te mit un­ver­blüm­ten Ant­wor­ten.

Sind Sie ei­ne ähn­li­che Nacht­eu­le wie die Vam­pi­rin Se­le­ne?

Ka­te Be­ck­in­sa­le: Ja, ich war schon im­mer ein to­ta­ler Nacht­mensch. Als Schü­le­rin kam ich je­den Mor­gen zu spät zum Un­ter­richt. Mei­ne 17-jäh­ri­ge Toch­ter ist hin­ge­gen noch nie zu spät zur Schu­le ge­kom­men. Ich fra­ge mich ernst­haft, ob die­ses Kind über­haupt von mir ist! (Lacht.)

Im Film fühlt sich Se­le­ne wie ei­ne Au­ßen­sei­te­rin. Geht es Ih­nen auch manch­mal so?

Be­ck­in­sa­le: Ich den­ke, je­der ver­nünf­ti­ge Mensch kennt das Ge­fühl. Ich je­den­falls ha­be mich prak­tisch wäh­rend mei­ner ge­sam­ten Te­e­nie-Zeit als Au­ßen­sei­te­rin ge­fühlt.

In­wie­weit ha­ben sich Hor­ror­fil­me durch die Com­pu­ter­tech­no­lo­gie seit dem ers­ten „Un­der­world“-Film ver­än­dert?

Be­ck­in­sa­le: Mit neu­en Tech­no­lo­gi­en ha­be ich über­haupt nichts am Hut. Ich ha­be erst seit Kur­zem ein Smart­pho­ne. Und mich scho­ckiert schon die blo­ße Vor­stel­lung, dass un­ser fünf­ter Un­der­world- Film in 3D ist.

Ist die Ar­beit am Set heu­te nicht an­ders als vor 13 Jah­ren?

Be­ck­in­sa­le: Nein. Das Ethos der Un­der­world- Se­rie war es stets, mög­lichst viel re­al zu dre­hen und Com­pu­ter­ef­fek­te nur als Ge­würz ein­zu­set­zen. Ich ha­be nie vor ei­ner grü­nen Lein­wand agiert, son­dern im­mer mit ech­ten Ty­pen in Wer­wolf­kos­tü­men ge­kämpft. Das Kern­team ist das­sel­be wie 2003 – et­wa St­unt-Ko­or­di­na­tor Brad Mar­tin, der mir mei­ne ers­ten Trai­nings­er­fah­run­gen be­scher­te. Da­mals sag­te er ent­setzt: „Du kannst ja nicht mal rich­tig ren­nen!“Bis heu­te kann ich zum Bei­spiel noch kei­nen Ball fan­gen. Gott­lob gibt es kei­ne Bäl­le in Un­der­world! (Lacht.)

Er­staun­lich, dass aus Ih­nen ei­ne Ac­tion­hel­din wur­de.

Be­ck­in­sa­le: Ja, ei­ne Iro­nie des Schick­sals! Mit dem ers­ten Un­der­world-Film woll­te ich bloß tes­ten, ob ich so et­was kann – es schien mir völ­lig fremd. Irr­sin­nig, dass das so er­folg­reich war und dass man mich im­mer mehr da­mit as­so­zi­iert hat, ob­wohl das ei­gent­lich nicht mein Ding ist.

Ist die Ja­ne-Aus­ten-Ver­fil­mung „Lo­ve & Fri­endship“, mit der Sie am 29.12 . in die Ki­nos kom­men, eher Ihr Ding?

Be­ck­in­sa­le: Ja, da füh­le ich mich woh­ler – das ent­spricht eher dem, was ich un­ter Schau­spie­le­rei ver­ste­he. Lo­ve & Fri­endship war nur in­so­fern hart, als wir we­gen des ge­rin­gen Bud­gets nur 26 Dreh­ta­ge hat­ten, in de­nen wir rie­si­ge Men­gen an Dia­lo­gen be­wäl­ti­gen muss­ten. Es fühl­te sich an, als wür­den wir King Le­ar in Re­kord­ge­schwin­dig­keit spie­len.

Wie sieht es mit Re­gie-Am­bi­tio­nen aus?

Be­ck­in­sa­le: Schlecht. Als Schau­spie­le­rin är­ge­re ich mich zwar oft, weil ich so we­nig Ein­fluss auf den fer­ti­gen Film ha­be. Aber mein Stief­va­ter war Re­gis- seur, und sei­ne Ar­beit sah aus mei­ner kind­li­chen Per­spek­ti­ve wie ein elen­der Alb­traum aus.

Kön­nen Sie sich in der Öf­fent­lich­keit be­we­gen, oh­ne von Möch­te­gern-Pa­pa­raz­zi mit Smart­pho­nes ver­folgt zu wer­den?

Be­ck­in­sa­le: Fans, die auf mich zu­kom­men und ein Fo­to wol­len, sind meis­tens sehr re­spekt­voll und nett. Un­er­träg­lich sind nur die ech­ten Pa­pa­raz­zi, die hin­ter dei­ner Müll­ton­ne lau­ern. In Zei­ten des In­ter­nets ist das of­fen­bar ein lu­kra­ti­ves Ge­schäfts­mo­dell: ein mög­lichst schmut­zi­ges Fo­to, ei­ne rei­ße­ri­sche Über­schrift und dar­un­ter ei­ne er­fun­de­ne Ge­schich­te. Ei­ne Schan­de für un­se­re Kul­tur!

Sie ha­ben die eng­li­sche Re­gen­bo­gen­pres­se mehr­mals er­folg­reich ver­klagt ...

Be­ck­in­sa­le: Ja, vor al­lem, um mei­ne Toch­ter zu schüt­zen. Für ein Kind kann es sehr ver­stö­rend sein, wenn es in der Zei­tung Din­ge liest, die er­stun­ken und er­lo­gen sind. Es fragt sich: „Hat mei­ne Ma­ma wirk­lich Sex mit Ben Af­f­leck?“Da muss man in die Of­fen­si­ve ge­hen und ganz klar sa­gen: „Nein, das ist ei­ne ver­damm­te Lü­ge!“

Ka­te Be­ck­in­sa­le beim In­ter­view­ter­min in Ber­lin

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