Maut

Wer was zah­len muss

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Das Lieb­lings­kind der CSU kommt doch noch – aber ob sich die deut­schen Au­to­fah­rer nun wirk­lich dar­über freu­en wer­den, bleibt ab­zu­war­ten. Denn die Ker­n­idee, dass nur aus­län­di­sche Pkw-Fah­rer zah­len müs­sen, ist ge­schei­tert – weil ei­ne Eins-zu-eins-Ent­las­tung über die Kfz-Steu­er ge­gen die EU-Re­gu­la­ri­en ver­stößt. Die tz er­klärt, wie der Kom­pro­miss zwi­schen Ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CDU) und EU-Ver­kehrs­kom­mis­sa­rin Vio­le­ta Bulc nun aus­sieht.

Wer muss wie viel zah­len? Der Kom­pro­miss, der am Abend von Do­brindt und Bulc in Brüs­sel ver­kün­det wur­de, sieht vor, dass es fünf statt wie bis­her ge­plant drei Preis­stu­fen, ge­staf­felt nach Mo­tor­grö­ße und Schad­stoff­aus­stoß, ge­ben soll. Ei­ne Zehn-Tages-Maut soll dem­nach je nach Fahr­zeug­ei­gen­schaf­ten künf­tig 2,50 Eu­ro, 4 Eu­ro, 8 Eu­ro, 14 Eu­ro oder 20 Eu­ro kos­ten. Im gel­ten­den Maut­ge­setz, das von der EU ge­stoppt wor­den war, wa­ren es noch 5, 10 und 15 Eu­ro. Ei­ne Zwei-Mo­nats-Maut soll jetzt 7, 11, 18, 30 oder 40 Eu­ro kos­ten. Bis­her wa­ren 16, 22 und 30 Eu­ro ge­plant. ■ Wie sieht es mit der ver­spro­che­nen Ent­las­tung der deut­schen Au­to­fah­rer aus?

Schlecht… Die von Do­brindt lan­ge pro­pa­gier­te Eins-zu-eins-Ent­las­tung für deut­sche Au­to­fah­rer bei der Kfz-Steu­er ist vom Tisch, weil die EU-Kom­mis­si­on dies als Dis­kri­mi­nie­rung von EU-Aus­län­dern wer­te­te. Be­sit­zer sehr sau­be­rer Eu­ro-6-Au­tos sol­len des­we­gen nun so­gar et­was mehr Steu­er-Ent­las­tung be­kom­men als sie Maut zah­len („Öko-Bo­nus“). Ins­ge­samt geht es um 100 Mil­lio­nen Eu­ro mehr im Jahr. Do­brindt ver­spricht wei­ter­hin, dass es auch kei­ne Mehr­be­las­tung für um­welt­schäd­li­che­re Au­tos ge­ben wer­de. Aber hier sind die De­tails noch of­fen. ■ Wie geht es jetzt wei­ter?

Die EU-Kom­mis­si­on wird ihr Ver­fah­ren we­gen Ver­let­zung von EU-Recht ein­frie­ren. Prak­ti­scher­wei­se wur­de die En­de Sep­tem­ber an­ge­kün­dig­te Kla­ge beim Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) noch nicht ein­ge­reicht. Bis das Ver­fah­ren kom­plett ein­ge­stellt wird, dürf­te es noch län­ger dau­ern. Denn erst müss­ten die schon im deut­schen Ge­setz­blatt ste­hen­den Maut-Re­ge­lun­gen recht­lich bin­dend ge­än­dert wer­den. Und da­für sind neue Ver­hand­lun­gen in der gro­ßen Ko­ali­ti­on in Ber­lin nö­tig. Ist der Weg für die Maut al­so frei? Wann, wie und ob die Maut kommt, bleibt trotz des Kom­pro­mis­ses mit der EU in der Schwe­be. Die SPD will an der Vor­ga­be des Ko­ali­ti­ons­ver­trags, dass kein deut­scher Au­to­be­sit­zer drauf­zahlt, nicht rüt­teln las­sen. SPD-Ver­kehrs­ex­per­te Mar­tin Bur­kert er­klär­te, „den Nach­weis für die Ent­las­tung muss der Mi­nis­ter im Par­la­ment erst noch er­brin­gen“. Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) warnt, ei­ne zu­sätz­li­che Ab­ga­be dür­fe im Sal­do im Etat nicht we­ni­ger Ein­nah­men pro­du­zie­ren. Der­weil hat die nie­der­län­di­sche Ver­kehrs­mi­nis­te­rin Me­la­nie Schultz van Ha­e­gen an­ge­kün­digt, ge­gen die Ein­füh­rung der Maut zu kla­gen. Ös­ter­reich, Bel­gi­en und Dä­ne­mark wol­len sich mög­li­cher­wei­se eben­so ei­ner Kla­ge an­schlie­ßen. Au­to­fah­rer wer­den die Maut oh­ne­hin nicht so bald spü­ren: Do­brindt hat schon klar­ge­macht, dass ein Start we­gen der nö­ti­gen Vor­be­rei­tun­gen nicht mehr vor der Bun­des­tags­wahl im Herbst 2017 rea­lis­tisch ist. ■ Und was bringt die Maut dem Staat?

Do­brindt geht da­von aus, dass es trotz der Än­de­run­gen bei den ur­sprüng­lich pro­gnos­ti­zier­ten Ein­nah­men von 500 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr bleibt. SPD-Ver­kehrs­ex­per­te Bur­kert er­klär­te, der Bun­des­tag wer­de sehr ge­nau prü­fen, ob sich der enor­me Ver­wal­tungs­auf­wand an­ge­sichts der zu er­war­ten­den Ein­nah­men über­haupt lohnt. Auch die Deut­sche Zol­lund Fi­nanz­ge­werk­schaft hat da Zwei­fel: Be­trof­fen sei­en gleich meh­re­re Ver­wal­tun­gen, sag­te der Ge­werk­schafts­chef Die­ter De­wes. „Das ist ein bü­ro­kra­ti­sches Mons­ter.“

Dpa

Alex­an­der Do­brindt und Vio­le­ta Bulc

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