Lan­ges War­ten Auf das Er­be

tz - - PENSCHEN - BAR­BA­RA F. (72), RENTNERIN AUS MÜN­CHEN

Ich ha­be ei­ne klei­ne Erb - schaft ge­macht, bin aber gar nicht zu­frie­den, wie die Sa­che ge­lau­fen ist. Wenn mich nicht ei­ne Be­kann­te, die auch ge­erbt hat, in­for­miert hät­te, dass auch ich zu den Er­ben ge­hö­re, hät­te ich es mög­li­cher­wei­se nie er­fah­ren. Au­ßer­dem wur­de ich zur Tes­ta­ments­er­öff­nung nicht ein­ge­la­den. Erst als ich mich mehr­fach te­le­fo­nisch an das Ge­richt ge­wen­det hat­te, be­kam ich ein Schrei­ben, in dem aber die Mi­ter­ben ge­schwärzt wa­ren. Geht das al­les mit rech­ten Din­gen zu?

Auch uns kam das un­ge­wöhn­lich vor. Al­so schal­te­ten wir den An­walt für Fa­mi­li­en­recht Mat­thi­as Zach­mann ein. Er er­klär­te uns den Ablauf. Zu­erst wird das Nach­lass­ge­richt vom Stan­des­amt, das den Tod be­ur­kun­det hat, be­nach­rich­tigt. Dann muss das Nach­lass­ge­richt prü­fen, ob bei Ge­richt über­haupt ein Tes­ta­ment hin­ter­legt ist. Wenn das der Fall ist, wer­den die ge­setz­li­chen Er­ben er­mit­telt. Das kann un­ter Um­stän­den ei­ni­ge Zeit dau­ern, wenn die­se bei­spiels­wei­se im Aus­land le­ben. Erst wenn das al­les er­le­digt ist, wird das Tes­ta­ment er­öff­net.

„Zur Tes­ta­ments­er­öff­nung wer­den die Be­tei­lig­ten in der Re­gel nicht ein­ge­la­den. Das Nach­lass­ge­richt schreibt Brie­fe so­wohl an die Er­ben und Be­güns­tig­ten als auch an die Per­so­nen, die als Ehe­gat­ten oder Ver­wand­te zum Kreis der ge­setz­li­chen Er­ben ge­hö­ren“, er­klär­te uns der Ju­rist. Da beim Nach­lass­ge­richt vie­le sol­cher Fäl­le be­ar­bei­tet wer­den müs­sen, kann das ei­ni­ge Zeit dau­ern. Mat­thi­as Zach­mann meint, dass es nicht un­ge­wöhn­lich sei, wenn die tzLe­se­rin meh­re­re Mo­na­te war­ten muss­te.

Im Fall von ge­schwärz­ten Na­men mahnt Zach­mann zur Vor­sicht: „Wenn Na­men ge­stri­chen wur­den, kann das für das Vor­lie­gen ent­spre­chen­der Aus­schla­gun­gen spre­chen. In sol­chen Fäl­len ist es rat­sam, beim Nach­lass­ge­richt nach­zu­fra­gen, ob man Ein­sicht in die Nach­lassak­te neh­men kann, denn bei ei­ner Er­bein­set­zung soll­te sich der Er­be im Kla­ren dar­über sein, ob er die Erb­schaft mög­li­cher­wei­se nicht bes­ser aus­schla­gen soll. Da­bei war­ne ich aber vor all­zu vor­ei­li­gem Aus­schla­gen we­gen der Angst vor ei­nem über­schul­de­ten Nach­lass. Bei der rich­ti­gen Hand­ha­bung kann die Ge­fahr der Haf­tung für ei­nen über­schul­de­ten Nach­lass auf die­sen be­grenzt wer­den.“Bei ge­schwärz­ten Na­men soll­ten al­so im Kopf ro­te Warn­lam­pen an- ge­hen. Dann kann pro­fes­sio­nel­le Hil­fe not­wen­dig sein.

Er­ben ist eben gar nicht so ein­fach. Und un­ter Um­stän­den braucht man da­zu auch Ge­duld, wie un­ser Fall zeigt. Denn die Müh­len der Jus­tiz mah­len lang­sam.

Bür­ger­an­walt Diet­mar Gai­ser küm­mer­te sich um die Er­b­an­ge­le­gen­heit von Bar­ba­ra F. Fo­to: mw

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