Staub­sau­ger-Jazz

tz - - PENSCHEN - REIN­HOLD UN­GER

Wie er’s bloß macht? Der rus­si­sche Alt­sa­xo­fo­nist Zhe­nya St­ri­ga­lev ist au­ßer­halb sei­ner Wahl­hei­mat Lon­don ein un­be­schrie­be­nes Blatt. Trotz­dem tourt er re­gel­mä­ßig mit ech­ten Top-Cracks. In der Un­ter­fahrt kreuz­te er wie­der mal in hoch­ka­rä­ti­ger Be­set­zung auf.

Jus­tin Faulk­ner, ein tech­nisch hoch­be­gab­ter Kraft­lackl mit viel Ge­fühl, et­wa trom­melt sonst für Br­an­ford Mar­sa­lis. Gleich zwei bril­lan­te Trom­pe­ter, Am­bro­se Akin­mu­si­re und Alex Si­pia­gin, las­sen das Blech fun­keln und strah­len. Und als Bin­de­glied zwi­schen Blä­sern und Drums zeigt Lin­ley Marthe am E-Bass, was ei­ne Groo­ve-Har­ke ist.

Das ga­ran­tiert dy­na­mi­schen, vi­ta­len, mit al­ler­lei raf­fi­nier­ten rhyth­mi­schen Trick­se­rei­en ge­spick­ten Po­wer-Jazz. Wä­re da nicht noch ein zwei­tes Sa­xo­fon. Mit di­ver­sen Ef­fekt­ge­rä­ten ver­frem­det, klingt es wie ein Mit­tel­ding aus Alarm­an­la­ge und de­fek­tem Staub­sau­ger. Wenn St­ri­ga­lev es im­mer mal wie­der un­mo­ti­viert ein­setzt, fei­xen und grin­sen so­gar sei­ne Band­kol­le­gen höh­nisch hin­ter sei­nem Rü­cken. Na ja, so lan­ge der Ru­bel rollt…

Ein mit­un­ter be­geis­tern­des Kon­zert mit di­ckem Punkt­ab­zug für den Stör­fak­tor Zweit­horn.

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