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Tau­sen­de Eu­ro pro Ver­trag

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Elek­tro­tech­ni­ker Harald B. (52) be­kam den Tipp von ei­nem Freund: „Lass doch mal dei­ne Le­bens­ver­si­che­run­gen prü­fen. Wenn du von dei­nem Ver­si­che­rern icht aus­rei­chend über dein Wi­der­spruchs recht in­for­miert wor­den bist, dann kann dir das viel Geld ein­brin­gen!“Der Freund lag rich­tig. Harald B. ließ sei­ne bei­den 2003 und 2005 ab­ge­schlos­sen Ries­ter-Ver­trä­ge che­cken, leg­te Wi­der­spruch ein und er­hielt statt der 2432 Eu­ro, die die Ver­si­che­rung als Rück­kaufs­wert er­rech­net hat­te, 5887 Eu­ro! Die Grund­la­ge für die­sen Geld­re­gen bil­det ein Ur­teil des Bun­des­ge­richts­hofs, das­z­war­schon 2014 er­ging (AZ. IV ZR 76/11), aber des­sen Trag­wei­te erst jetzt deut­lich wird. Ver­brau­cher­schüt­zer schät­zen, dass 20 Mil­lio­nen Ver­si­cher­te von dem Ur­teil pro­fi­tie­ren könn­ten. Der Ha­ken an der Sa­che: Lai­en ha­ben kaum ei­ne Chan­ce, ihr Recht durch­zu­set­zen. Aber es gibt kom­pe­ten­te und be­zahl­ba­re Hil­fe. Wie man zu sei­nem Geld kommt – die tz er­klärt die wich­tigs­ten De­tails:

■ Wel­che Ver­trä­ge sind be­trof­fen?

Le­bens-und Ren­ten­ver­si ch erungs ver­trä­ge, die zwi­schen dem 29. Ju­li 1994 und dem 31.12. 2007 nach dem so­ge­nann­ten Po­li­cen­mo­dell ab­ge­schlos­sen wur­den. Denn bei ih­nen wa­ren oft die Be­leh­run­gen falsch, oder es fehl­ten not we­ni­ge Ver­trags un­ter­la­gen. Soll­te dies der Fall sein, gilt für den Ver­trags­ab­schluss nach dem BGH-Ur­teil ein „ewi­ges“Wi­der­rufs­recht. Und zwar egal, ob der Ver­trag noch läuft, be­reits ge­kün­digt wur­de oder schon längst aus­be­zahlt ist. Das gilt üb­ri­gens auch für fonds­ge­bun­de­ne Ver­trä­ge, Ries­ter- und Rü­rup- Ren­ten­ver­si­che­run­gen. ■ Wann ist die Rück­ab- wick­lung sinn­voll?

Wenn der Ver­trag schlecht ist, we­nig Zin­sen bringt oder man drin­gend das Geld braucht.

■ Wie fin­det man das her­aus?

Der Teu­fel steckt oft im De­tail. Des­halb soll­te man Ex­per­ten hin­zu­zie­hen. Es gibt ei­ni­ge Fach an­wäl­te für Ver­si ch erungsr echt so­wie Di­enst­leis­ter, die mit An­wäl­ten zu­sam­men­ar­bei­ten, die ei­ne kos­ten­lo­se Prü­fung an­bie­ten. Sie tun dies, weil sie

dar­auf hof­fen, spä­ter für Sie das Wi­der­spruchs­ver­fah­ren durch­füh­ren und dar­an ver­die­nen zu kön­nen. Noch ein­fa­cher ist es, wenn sie ei­ne Rechts­schutz­ver­si­che­rung ha­ben. Die über­nimmt in der Re­gel die Kos­ten.

Die Ver­brau­cher­zen­tra­le Bay­ern prüft den Ver­trag auch – für 60 Eu­ro. Und­sie­er­rech­net dann ge­ge­be­nen­falls, was Ihr Ver­si­che­rer Ih­nen zah­len muss. Ei­ne gro­be Ein­schät­zung lie­fer­te in On­line-Rech­ner, den die Ver­brau­cher zen­tra­le Ham­burg ( vzhh.de) ein­ge­rich­tet hat. Wich­tig ist, ei­nen per­sön­li­chen Be­ra­tungs­ter­min aus­zu­ma­chen, so Sa­scha St­raub, Fi­nanz ex­per­te der Ver­brau­cher zen­tra­le Bay­ern. Stand­or­te da­für sind Mün­chen, Lands­hut, Nürn­berg und Würz­burg. Ter­mi­nelas­sen sich on­line bu­chen (www. ver­brau­cher zen­tra­leo­der über die Te­le­fon­hot­line mit der Num­mer 08955 27 94-131 (Mo.-Fr. 9–12 Uhr, Mo und Do 14–16 Uhr). Loh­nen kann sich ein nach­träg­li­cher Wi­der­spruch vor al­lem für Ver­brau­cher, die ih­re Po­li­ce sehr schnell wie­der ge­kün­digt und des­halb nur ei­nen ge­rin­gen Teil der ein­ge­zahl­ten Be­trä­ge zu­rück­er­hal­ten ha­ben. ■ Was ist der Vor­teil ei­ner Rück­ab­wick­lung ge­gen­über ei­ner Kün­di­gung?

Bei ei­ner Rück­ab­wick­lung gibt es oft we­sent­lich mehr Geld zu­rück als bei ei­ner Kün­di­gung. Die Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men müs­sen dann al­le ge­zahl­ten Prä­mi­en ein­schließ­lich der ho­hen Ab­schluss- und Ver­wal­tungs­kos­ten kom­plett zu­rück­zah­len – und auch die Zin­sen, die sie zwi­schen­zeit­lich mit den Bei­trä­gen des Kun­den er­wirt­schaf­tet ha­ben. Ab­zie­hen dür­fen sie nur die Bei­trä­ge für den Ver­si­che­rungs­schutz, bei­spiels­wei­se für die Ab­si­che­rung von An­ge­hö­ri­gen im To­des­fall.Lau­tFi­nanz­test sind in meh­re­ren Hun­dert Fäl­len je­weils meh­re­re Tau­send Eu­ro zu­rück­er­stat­tet wor­den. ■ Wie funk­tio­niert die Rück­ab­wick­lung? Man legt Wi­der­spruch ein. Den Mus­ter­brief gibt’s zum Bei­spiel bei der Ver­brau­cher­be­ra­tung. Elek­tro­tech­ni­ker Harald B. hat­te da­für den Di­enst­leis­ter Afin24 be­auf­tragt. Der ver­langt 20 Pro­zent des Mehr­werts, den ein Kun­de er­hält, als Ho­no­rar. Harald B. fand das in Ord­nung: „Für den Vor­teil, dass ich mich um nichts küm­mern muss­te, hab ich gern ge­zahlt.“■ Wie re­agie­ren die Ver­si­che­run­gen? „Uns ist kein Ver­si­che­rer be­kannt, der an­stands­los zahlt“, so Ver­brau­cher­schüt­ze­rin Kers­tin Be­cker-Ei­se­len. Das heißt, die Ver­si­che­rer spie­len auf Zeit, hal­ten ih­re Ver­si­cher­ten hin. Man­che Un­ter­neh­men er­klä­ren An­sprü­che für ver­jährt oder be­han­deln Wi­der­sprü­che wie Kün­di­gun­gen. Hil­fe bie­tet in sol­chen Fäl­len dann auch der Ver­si­che­rungsom­buds­mann.

Fo­to: Ins­ad­co

Ein BGH-Ur­teil be­schert Mil­lio­nen Ver­si­cher­ten jetzt ei­nen Geld­re­gen

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