Bom­ben-Alarm

Ober­men­zing: 2000 Be­trof­fe­ne – Entschärfung am Abend ge­glückt

tz - - ERSTE SEITE - S. WEGELE/M. DÜRR

Schon wie­der! Auf ei­ner Bau­stel­le am Bet­zen­weg na­he der Würm in Ober­men­zing ist am Mon­tag­mit­tag ei­ne Flie­ger­bom­be aus dem Zwei­ten Welt­krieg zum Vor­schein ge­kom­men. Ein Bag­ger­fah­rer stieß ge­gen 13 Uhr auf den 500 Ki­lo­gramm schwe­ren Blind­gän­ger. Ex­per­ten des Kampf mit­tel­rä um diens­tes Tau­ber sa­hen sich am frü­hen Nach­mit­tag den Fund im Bet­zen­weg an. Die Ex­per­ten leg­ten fest, das Zehn-Zent­nerRe­likt noch am sel­ben Abend ent­schär­fen zu wol­len. Weil das Trumm aber über zwei Zün­der ver­füg­te, muss­te zu­nächst da­mit ge­rech­net wer­den, dass die Ak­ti­on bis Mit­ter­nacht dau­ern wür­de. Die Ent­war­nung kam dann aber doch be­reits um 21.40 Uhr: Job er­le­digt, die Bom­be ist ent­schärft.

In ei­nem Ra­di­us von 500 Me­tern muss­ten laut Feu­er­wehr al­le An­woh­ner ih­re Woh­nun­gen ver­las­sen. Um 16 Uhr fin­gen die Ein­satz­kräf­te an, das Ge­biet mit 2000 An­woh­nern zu eva­ku­ie­ren.

Da sich das Re­likt aus dem Zwei­ten Welt­krieg nörd­lich der Zu­fahrt zur Stutt­gar­ter Au­to­bahn be­fand, muss­te ab 20 Uhr auch ein Teil der A 8 ge­sperrt wer­den.

Hei­di Pfeif­fer er­fuhr um 13.30 Uhr, dass sie ih­re Woh­nung ver­las­sen muss. Gra­de mal ih­re Ta­blet­ten durf­te sie noch ho­len, dann hieß es: schnell zur Grund­schu­le in der Grandl­stra­ße, ih­rem Nacht­la­ger. Die 75-Jäh­ri­ge füg­te sich in ihr Schick­sal: „Für ei­ne Nacht bin ich hei­mat­los.“

Eri­ka Ba­n­ek (75), die in ih­rem Schre­ber­gar­ten in Pa­sing Cock­tail­to­ma­ten und Zuc­chi­ni ge­ern­tet hat­te, durf­te erst gar nicht in ih­re Woh­nung im Bet­zen­weg zu­rück. „Ich kam nur bis zur Men­ter­stra­ße“, sag­te sie der tz, dann führ­te auch sie der Weg in das Schul­ge­bäu­de.

Mo­ham­med Da­wud (48), der eben­falls un­ter­wegs ge­we­sen war, traf das glei­che Schick­sal. Oh­neSchlaf­sa­chen, Zahn­bürs­te und sons­ti­ge Hy­gie­ne­ar­ti­kel soll­ten er und sei­ne Frau An­ge­li­ka die Nacht ver­brin­gen. „Was sol­len wir ma­chen?“, zuck­ten sie mit den Schul­tern, „wir wer­den uns wohl ei­ne Pen­si­on su­chen.“Was am En­de gar nicht nö­tig war…

2000 An­woh­ner muss­ten ih­re Woh­nun­gen we­gen die­ser Flie­ger­bom­be (Fo­to rechts) ver­las­sen, dar­un­ter auch Hei­di Pfeif­fer und Mo­ham­med Da­wud. Das Fo­to un­ten zeigt die Si­tua­ti­on am Bet­zen­weg am frü­hen Abend

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