Kö­nig Fe­de­rer!

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Gar­bi­ñe Mu­guru­za hat­te sich so sehr auf den Tanz ge­freut, doch der ge­hört längst schon nicht mehr zum Pro­to­koll des Cham­pi­ons Din­ner von Wim­ble­don. Im Ge­gen­satz zur Sie­ge­rin bei den Da­men dürf­te Ro­ger Fe­de­rer nicht all­zu trau­rig ge­we­sen sein, dass es in der Lon­do­ner Guild­hall bei ei­nem ge­müt­li­chen Abend­es­sen mit ge­le­gent­li­chen Lob­hu­de­lei­en im Krei­se sei­ner Liebs­ten blieb. Mit bald 36 Jah­ren muss sich der Schwei­zer sei­ne Kraft gut ein­tei­len, denn er trägt mehr als nur die Ver­ant­wor­tung für sei­ne ei­ge­ne Kar­rie­re auf den Schul­tern.

„Das ach­te Welt­wun­der“( Ti­mes) ist das glo­ba­le Aus­hän­ge­schild der Ten­nis­tour. Welt­weit wird Fe­de­rer ver­ehrt, und nach sei­nem Re­kord­sieg am Sonn­tag­geht­dieAngst­vorsei­ne­mAb­schied um. Als er hoff­nungs­voll ge­fragt wur­de, ob er es sich vor­stel­len kön­ne, auch mit 40 Jah­ren noch in Wim­ble­don zu spie­len, ant­wor­te­te Fe­de­rer: „Das glau­be ich schon, wenn die Ge­sund­heit mit­macht. Und ich vor Wim­ble­don 300 Ta­ge Pau­se ma­che, mich in ei­ne Ge­frier­tru­he pa­cke, raus­kom­me und ein biss­chen trai­nie­re.“

Mit an­de­ren Wor­ten: Ewig wird Fe­de­rer nicht mehr spie­len, und den meis­ten Fans und vie­len Kol­le­gen graut es vor dem Tag, wenn er un­wi­der­ruf­lich auf­hört. Nach der 131. Auf­la­ge der Cham­pi­ons­hips, die Fe­de­rer wie noch nie zu­vor do­mi­niert hat­te, wur­de er mit Lie­be über­schüt­tet. Von Her­zo­gin Ka­te be­kam er drei Küss­chen, von sei­nen An­hän­gern un­zäh­li­ge Glück­wün­sche. Stets ver­bun­den mit der Hoff­nung, Fe­de­rer mö­ge noch lan­ge wei­ter­spie­len.

Ver­spre­chen woll­te der 19-ma­li­ge Grand-Slam-Sie­ger al­ler­dings nichts, wie soll­te er auch nach dem ver­gan­ge­nen Jahr, in dem er sich sechs Mo­na­te von sei­nen Knie- und Rü­cken­pro­ble­men er­ho­len muss­te. „Das Ziel“, sag­te er, „sei de­fi­ni­tiv, im nächs­ten Jahr zu­rück­zu­kom­men und zu ver­su­chen, den Ti­tel zu ver­tei­di­gen“. Zwölf Mo­na­te, wei­ter nach vor­ne will der äl­tes­te Wim­ble­don­sie­ger in der Ge­schich­te des Pro­fi­ten­nis nicht mehr bli­cken, am liebs­ten wür­de er so­gar nur von Tag zu Tag pla­nen.

In die­ser Sai­son hat Fe­de­rer al­ler­dings ge­ra­de erst Schwung auf­ge­nom­men, diePau­se­wäh­rend­derSand­platz­sai­son wirk­te wie ein Jung­brun­nen. Die nächs­ten Zie­le lie­gen in Nord­ame­ri­ka, viel­leicht in Mon­tre­al, auf je­den Fall aber in Cin­cin­na­ti und bei den US Open in New York. Auch dort wird Fe­de­rer der Mann sein, den es zu schla­gen gilt, sei­ne Auf­trit­te in die­sem Jahr mit den Ti­teln in Mel­bourne, In­dian Wells, Mia­mi, Hal­le/West­fa­len und Wim­ble­don ha­ben der Kon­kur­renz wie­der das Fürch­ten ge­lehrt.

„Ro­gers Ge­heim­nis ist sein Fa­mi­li­en­le­ben“, ana­ly­sier­te Bo­ris Be­cker für die BBC, und der vier­fa­che Va­ter Fe­de­rer be­stä­tig­te: „Mei­ne Frau ist kom­plett ein­ver­stan­den da­mit, dass ich­no­chim­mer­spie­le. Si­eist­mein größ­ter Fan. Sie ist un­glaub­lich.“Fe­de­rer hat die Ba­lan­ce ge­fun­den zwi­schen Wohn­zim­mer und Ten­nis­platz und be­sitzt die Ga­be, mit we­ni­ger Auf­wand ma­xi­ma­len Er­folg zu er­zie­len. „Ich ha­be den Ein­druck, ge­ra­de fast halb­tags zu ar­bei­ten“, sag­te Fe­de­rer: „Und das ist ein tol­les Ge­fühl.“Das je­doch selbst bei ihm nicht mehr ewig an­hal­ten wird.

Fo­tos: dpa, afp

Acht Sie­ge in Wim­ble­don – Ro­ger Fe­de­rer im Wan­del der Zeit

Die Wim­ble­don-Champs: Ro­ger Fe­de­rer und Gar­bi­ñe Mu­guru­za

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