Neue TV-Do­ku: Ar­beits­los mit 50

tz - - ERSTE SEITE - AS­TRID KIST­NER

Die deut­sche Wirt­schaft flo­riert, Fach­kräf­te und Ex­per­ten wer­den hän­de­rin­gend ge­sucht, aber wird lang­jäh­ri­ge Er­fah­rung auch be­zahlt? „Ich glau­be, das ist der Knack­punkt“, sagt Co­rin­na Har­tung. Mit 52 Jah­ren gibt die hoch qua­li­fi­zier­te Ver­lags­an­ge­stell­te ih­ren Job in Mün­chen auf und bil­det sich zur Bu­si­ness Ma­na­ge­rin wei­ter. Sie sucht die Her­aus­for­de­rung und fin­det Frust. Wer als Aka­de­mi­ker mit über 50 ar­beits­los ist, hat es auf dem Stel­len­markt nicht leicht. Zu alt, zu an­spruchs­voll, zu un­fle­xi­bel. An Vor­ur­tei­len man­gelt es nicht, wie die­neue 37-Gra­dRe­por­ta­ge Was ich kann, will

kei­ner wis­sen heu­te zeigt. Für die ZDF-Do­ku hat Fil­me­ma­cher Ma­nu­el Fenn Co­rin­na Har­tung und den ar­beits­lo­sen IT-Fach­mann Hans-Chris­toph Bin­der ein Jahr lang bei der Job­su­che be­glei­tet.

Fenns Be­ob­ach­tun­gen ge­hen un­ter die Haut, denn der Film er­zählt von dem zu­neh­mend ver­zwei­fel­ten Kampf, in der mo­der­nen Leis­tungs­ge­sell­schaft nicht nur sei­nen Platz, son­dern auch die ei­ge­ne Wür­de zu be­haup­ten. Das Selbst­wert­ge­fühl lei­det, je län­ger die Su­che nach ei­ner neu­en Her­aus­for­de­rung dau­ert. Das weiß auch Co­rin­na Har­tung, die im tz- In­ter­view er­zählt, wie sie nach ein­ein­halb Jah­ren den Weg zu­rück ins Be­rufs­le­ben ge­fun­den hat.

Frau Har­tung, Sie ha­ben im Lau­fe der Dreh­ar­bei­ten ei­nen neu­en Job ge­fun­den. Wie geht es Ih­nen heu­te?

Co­rin­na Har­tung: „Rich­tig gut. Ich bin jetzt seit acht Mo­na­ten in ei­ner Fir­ma, die ELe­arning für Un­ter­neh­men an­bie­tet. Das sind Mit­ar­bei­ter­schu­lun­gen, die di­gi­tal un­ter­stützt sind. Ich füh­le mich wohl und bin froh, wie­der zu ar­bei­ten und mein ei­ge­nes Geld zu ver­die­nen.“

Wie be­wer­ten Sie rück­bli­ckend die ein­ein­halb Jah­re, in de­nen Sie ar­beits­los wa­ren?

Har­tung: Ich ha­be mei­nen al­ten Job ja aus ei­ge­nen Stü­cken ver­las­sen, weil ich mich un­ter­for­dert ge­fühlt ha­be. Des­halb war das ers­te hal­be Jahr von ei­ner star­ken Eu­pho­rie und Auf­bruch­stim­mung ge­prägt. Im zwei­ten hal­ben Jahr ha­be ich mich an­spruchs­voll wei­ter­ge­bil­det, mit dem Wunsch, künf­tig mehr stra­te­gisch zu ar­bei­ten. Ich dach­te da an ei­ne As­sis­tenz der Ge­schäft­füh­rung. Aber ich ha­be dann in der Be­wer­bungs­pha­se ziem­lich schnell ge­merkt, dass ich da auf Gra­nit sto­ße.

War­um? An Er­fah­rung und Kom­pe­tenz hat es Ih­nen doch nicht ge­man­gelt …

Har­tung: Be­vor ich in die Si­tua­ti­on kam, dach­te ich im­mer: 50 plus und ar­beits­los – das hat mit mir nichts zu tun. Ich war der fes­ten Über­zeu­gung, dass es nur auf ei­ne po­si­ti­ve Ein­stel­lung an­kommt. Aber das Al­ter spielt schon ei­ne enorm gro­ße Rol­le.

Gab es den Punkt, an dem es Ih­nen leid tat, den al­ten Job ge­kün­digt zu ha­ben?

Har­tung: Ich ha­be nie dar­an ge­zwei­felt, dass es die rich­ti­ge Ent­schei­dung war. Die per­ma­nen­te Un­ter­for­de­rung hat mich mü­de und un­zu­frie­den ge­macht. Mir war klar, dass ich et­was ver­än­dern muss.

Wie ha­ben die Dreh­ar­bei­ten die­sen Pro­zess be­ein­flusst?

Har­tung: Ge­ra­de in Pha­sen, in de­nen mir der An­trieb und die Struk­tur fehl­te, hat mir das Wis­sen, dass da ein Film­team kommt, ge­hol­fen, am Ball zu blei­ben. „37° – Was ich kann, …“heu­te, 22.15 Uhr, ZDF

Co­rin­na Har­tung (Fo­to oben) wagt mit 52 Jah­ren den Neu­an­fang

Der ar­beits­lo­se Han­sChris­toph B. (58, re.) will sich selbst­stän­dig ma­chen und lässt sich be­ra­ten

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