See­ho­fers Sau­ber-Plan

tz - - MÜNCHEN+REGION - MI­KE SCHIER

An­ge­bo­te statt Ver­bo­te – so will die Staats­re­gie­rung ge­gen Die­sel in der Stadt vor­ge­hen. Und da­zu den öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr ra­di­kal stär­ken. Heu­te will das Ka­bi­nett ein Maß­nah­men­pa­ket be­schlie­ßen.

Dar­in: Deut­lich mehr neue Trams und U-Bah­nen. Und: MVV-Pend­ler mit Jah­res­kar­ten sol­len statt bis­her zehn nur noch neun Mo­na­te zah­len.

Da­mit reagiert die Re­gie­rung auf alar­mie­ren­de Er­geb­nis­se ei­nes Gut­ach­tens über Luft­qua­li­tät, das sie bis­lang un­ter Ver­schluss hält und das heu­te ver­öf­fent­licht wer­den soll. Spä­tes­tens nach sei­ner Ver­öf­fent­li­chung wer­de „je­der mer­ken, was wir in­ner­halb Mün­chens zu lö­sen ha­ben“, sag­te Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer ges­tern. Laut dpa wür­den die Grenz­wer­te in Mün­chen teils um 25 Pro­zent über­schrit­ten!

In Mün­chen soll der Takt meh­re­re U-Bahn-Li­ni­en ver­dich­tet wer­den, zwei Tram­bah­nen wer­den ver­län­gert (Sei­te 4). Der Frei­staat will sich an Fahr­zeug-Neu­an­schaf­fun­gen deut­lich stär­ker be­tei­li­gen als bis­lang. Zu­dem sol­len sechs bis sie­ben Bus­li­ni­en die Au­ße­näs­te der S-Bah­nen bes­ser ver­bin­den.

Of­fen ist die Fi­nan­zie­rung. Das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um gab in­tern zu be­den­ken, nach den vie­len Ver­spre­chen der letz­ten Zeit sei die haus­halts­po­li­ti­sche Ziel­set­zung ge­fähr­det, den Aus­ga­ben­zu­wachs auf drei Pro­zent im Jahr zu be­gren­zen. Die Ta­bel­le zeigt die Stick­stoff­di­oxid-Wer­te, die in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren an den fünf Mess­sta­tio­nen in Mün­chen er­mit­telt wur­den. Die Stadt will für ei­ne brei­te­re Da­ten­ba­sis 20 zu­sätz­li­che Mess­sta­tio­nen im ge­sam­ten Stadt­ge­biet in­stal­lie­ren. Kos­ten­punkt: 200 000 Eu­ro pro Jahr.

Al­so ein Spa­gat: Ei­ner­seits will die Staats­re­gie­rung Ver­bo­te von Die­sel-Fahr­zeu­gen mit al­len Mit­teln ver­hin­dern, an­de­rer­seits klar­ma­chen, dass sie die Bot­schaft ver­stan­den hat.

Seit Mit­te März bas­tel­te ei­ne Ar­beits­grup­pe aus meh­re­ren Mi­nis­tern am „Luf­t­rein­hal­te­plan“. Im­mer wur­de See­ho­fer in­for­miert. Er dräng­te auch dar­auf, meh­re­re Spit­zen­ge­sprä­che mit der baye­ri­schen Au­to­in­dus­trie, mit den Ober­bür­ger­meis­tern der Groß­städ­te und den Wirt­schafts­ver­bän­den zu füh­ren.

Ei­ni­ges wur­de be­reits vor­ab be­kannt – et­wa die Ver­pflich­tung von BMW und Au­di, 50 Pro­zent Eu­ro-5-Die­sel-Pkw mit ei­ner neu­en Soft­ware aus­zu­stat­ten. Da­mit wür­de die Stick­stoff­oxid-Emis­sio­nen­star­kre­du­ziert. Die Ver­ein­ba­rung soll als Vor­bild für an­de­re Her­stel­ler die­nen. Als wich­tigs­ter Ter­min gilt der 2. Au­gust, wenn sich auf Bun­des­ebe­ne Ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt und Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks beim „Au­to­gip­fel“mit den Grö­ßen der Bran­che zu­sam­men­set­zen. Doch dar­auf will die Staats­re­gie­rung nicht war­ten. Die Maß­nah­men im Über­blick: ■ För­de­rung von Tram und U-Bah­nen: Bis 2006 hat­te der Frei­staat Neu­an­schaf­fun­gen hier mit 50 Pro­zent be­zu­schusst, dann fuhr man die Un­ter­stüt­zung auf durch­schnitt­lich zwölf Pro­zent zu­rück. Künf­tig soll der Förd­er­satz wie­der bei 50 Pro­zent lie­gen. Bil­lig wird das nicht: Mit­tel­fris­tig sind in den be­son­ders Stick­stoff­oxid be­las­te­ten Groß­städ­ten In­ves­ti­tio­nen von 160 Mil­lio­nen Eu­ro ge­plant – heißt 80 Mil­lio­nen für den Frei­staat. Kon­kret soll in den nächs­ten Jah­ren in Mün­chen der Takt der Li­ni­en U1, U2, U3 und U6 ver­kürzt wer­den, die U4 ver­kehrt mit län­ge­ren Zü­gen. Die Tram­bahn-Li­ni­en 12 und 28 wer­den ver­län­gert (sie­he lin­ke Sei­te). ■ Bus­se: Für den Nach­trags­haus­halt 2018 mel­det das In­nen­mi­nis­te­ri­um 20 Mil­lio­nen Eu­ro an, um die Um­stel­lung der äl­te­ren Bus­se auf Eu­ro-6 zu för­dern. Mün­chen er­hält seit Jah­ren kei­ne Bus­för­de­rung mehr – jetzt wä­ren für die kom­plet­te Fuhr­par­kum­stel­lung über 120 Mil­lio­nen Eu­ro nö­tig.

Ge­plant ist zu­dem, Tan­gen­ti­alund Ex­press­bus­ver­bin­dun­gen ein­zu­rich­ten, die das stark aufs Stadt­zen­trum aus­ge­rich­te­te SBahn-Netz er­gän­zen. Von sechs bis sie­ben Li­ni­en ist in der Staats­re­gie­rung die Re­de. Auch hier will der Frei­staat 50 Pro­zent der Kos­ten über­neh­men – das macht vier Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr. ■ Pend­ler: Freu­en kann sich, wer re­gel­mä­ßig mit dem MVV un­ter­wegs ist. Die Staats­re­gie­rung will die Zahl der Abon­nen­ten der Is­ar­Card er­hö­hen. Da­zu will sie beim Neu­kauf des Jah­res­a­bos ei­nen zu­sätz­li­chen Gra­tis­mo­nat fi­nan­zie­ren. Bis­lang zah­len Kun­den für zwölf Mo­na­te den Preis von zehn, künf­tig wä­ren es nur noch neun. Kos­ten: ei­ne Mil­li­on Eu­ro. ■ BOB: Der Frei­staat dringt auch dar­auf, die Stre­cke süd­lich von Holz­kir­chen zu elek­tri­fi­zie­ren, da­mit Die­sel- statt Elek­tro­zü­ge ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Kos­ten: 75 Mil­lio­nen. Ver­ant­wort­lich ist der Bund. Der Frei­staat bie­tet als Ges­te des gu­ten Wil­lens an, Pla­nungs­kos­ten zu über­neh­men.

Das Pa­ket soll auch die Schlag­zei­len über alar­mie­ren­de Stick­stoff­oxid-Mes­s­er­geb­nis­se min­dern. Die Staats­re­gie­rung hat­te die Er­geb­nis­se zu­rück­ge­hal­ten – und da­für so­gar Buß­gel­der zah­len müs­sen. Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Lud­wig Hart­mann spricht von ei­ner von der CSU „ganz be­wusst ver­heim­lich­ten Ge­fahr für die Men­schen in un­se­ren Städ­ten“und sagt: „So ein Vor­ge­hen kennt man aus to­ta­li­tä­ren Staa­ten.“

Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Lud­wig Hart­mann See­ho­fer über die enor­men Ab­gas-

Fs: dpa

An­ge­bo­te statt Ver­bo­te:; Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer (CSU) wol­len den MVV stär­ken, um die Die­sel aus den Städ­ten zu krie­gen Bor sum vo­len­di­gna fa­cip­sus­cin eu­gi­am zz­rit iri­us­tie ta­tBo­nem que pra, sent. Vi­va­t­as­tro ego es in­ve, cont?

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.