Blut­hoch­druck­mit­tel rich­tig neh­men

tz - - REPORT - ANDRE­AS BEEZ

Im Kampf ge­gen die Volks­krank­heit Blut­hoch­druck spielt Dis­zi­plin ei­ne ent­schei­den­de Rol­le – ge­nau­er ge­sagt die Maß­ga­be, dass die Pa­ti­en­ten die ver­ord­ne­ten Me­di­ka­men­te auch wirk­lich kor­rekt ein­neh­men bzw. die Emp­feh­lun­gen der Ärz­te um­set­zen. Wie dies bes­ser ge­lin­gen kann, er­klärt Pro­fes­sor Dr. He­ri­bert Schun­kert, Chef­kar­dio­lo­ge des Deut­schen Herz­zen­trums Mün­chen, im zwei­ten Teil un­se­res gro­ßen Ge­sund­heits­re­ports zum The­ma Hy­per­to­nie. Zu­sätz­lich gibt es prak­ti­sche Tipps von der Deut­schen Hoch­druck­li­ga, ei­ner gro­ßen me­di­zi­ni­schen Fach­ge­sell­schaft.

Es klingt gro­tesk: Ei­gent­lich ist Blut­hoch­druck sehr gut be­han­del­bar. Vor al­lem des­halb, weil ei­ne Fül­le von hoch­wirk­sa­men und im­mer bes­ser ver­träg­li­chen Me­di­ka­men­ten zur Ver­fü­gung steht. Doch in vie­len Fäl­len kön­nen die Ta­blet­ten ih­re Wir­kung nicht (voll) ent­fal­ten, weil sie nur halb­her­zig ge­nom­men wer­den.

Wie weit ver­brei­tet die­ser Schlen­dri­an ist, hat sich bei ei­ner ak­tu­el­len Stu­die her­aus­kris­tal­li­siert. Da­bei er­hiel­ten 149 neu dia­gnos­ti­zier­te Hy­per­to­nie-Pa­ti­en­ten ei­ne so­ge­nann­te elek­tro­ni­sche Ta­blet­ten­box.Die­se Kas­terl zeich­nen auf, ob die Ta­blet­ten auch wirk­lich re­gel­mä­ßig die Box ver­las­sen ha­ben und da­mit höchst­wahr­schein­lich im Mund des Pa­ti­en­ten ge­lan­det sind. „Die Aus­wer­tung zeig­te, dass 42 Pro­zent der Pa­ti­en­ten nicht ad­här­ent­wa­ren, al­so­we­ni­ge­rals80 Pro­zen­tih­rer­ver­schrie­be­nenAn­ti­hy­per­ten­si­va ein­nah­men“, be­rich­tet die Deut­sche Hoch­druck­li­ga. Oder an­ders aus­ge­drückt: Fast je­der zwei­te Pa­ti­ent, der an der Stu­die teil­nahm, hat sei­ne Me­di­ka­men­te nicht ord­nungs­ge­mäß ge­schluckt.

Die Grün­de für die ver­bes­se­rungs­wür­di­ge The­ra­pie­treue sind viel­fäl­tig. „Vie­le Pa­ti­en­ten hö­ren be­reits nach der ers­ten Ver­schrei­bung wie­der mit der Ein­nah­me auf. Man­che glau­ben, wenn die Me­di­ka­men­ten­pa­ckung leer ist, sei auch ihr Pro­blem ge­löst. An­de­re ver­säu­men es schlicht­weg, sich ein neu­es Re­zept aus­stel­len zu las­sen“, weiß der Herz­spe­zia­list Schun­kert. „Das ist ein gro­ßes Pro­blem, an dem wir Ärz­te ge­mein­sam im Team mit un­se­ren Pa­ti­en­ten ar­bei­ten müs­sen. Wir müs­sen un­se­re Pa­ti­en­ten noch in­ten­si­ver be­ra­ten, auf ih­re Sor­gen und Be­den­ken ein­ge­hen und häu­fi­ger Kon­troll­ter­mi­ne an­bie­ten. Denn bei Blut­hoch­druck ist Dis­zi­pli­n­ent­schei­dendfür­denBe­hand­lungs­er­folg.“

Fo­tos: Your Pho­to, Kli­nik

Vie­le Pa­ti­en­ten neh­men ih­re Blut­druck­mit­tel nicht so ein, wie es der Arzt ver­ord­net hat Prof. He­ri­bert Schun­kert

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