Stern­stun­de un­term Ster­nen­him­mel

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Der Ode­ons­platz ist bei so ei­ner zau­ber­haf­ten Som­mer­nacht Mün­chens schöns­ter Frei­luft-Kon­zert­saal – 8000 Zu­hö­rer konn­ten das auch am Sonn­tag be­stä­ti­gen. Wei­te­re Zu­ta­ten: die glän­zend auf­ge­leg­ten Münch­ner Phil­har­mo­ni­ker un­ter ih­rem Chef­di­ri­gen­ten Va­le­ry Ger­giev, ein für Open-Air-Ver­hält­nis­se fa­bel­haf­ter Sound und ei­ne sen­sa­tio­nel­le So­lis­tin: Yu­ja Wang, die fin­ger­f­lin­ke, fu­rio­se Pia­noHe­xen­meis­te­rin.

Im Ge­päck: schwe­re Kost – Brahms’ 1. Kla­vier­kon­zert. Doch ihr ge­lingt ei­ne bra­vou­rö­se In­ter­pre­ta­ti­on: mit ge­ra-de­zu­schlaf wand­le­ri­scher Sou­ve­rä­ni­tät, blitz­sau­be­rem An­schlag, dra­ma­tur­gi­schem Ge­spür, in­ni­ger Emp­fin­dung und elek­tri­sie­ren­der rhyth­mi­scher Per­fek­ti­on. Erup­ti­ve Ent­la­dun­gen ge­stal­tet die zier­li­che Chi­ne­sin mit ver­blüf­fend mäch­ti­ger Lö­wen­pran­ke. In ly­ri­schen Pas­sa­gen bringt sie den St­ein­way auf be­tö­ren­de Wei­se zum Sin­gen. Die Phil­har­mo­ni­ker er­wei­sen sich als eben­bür­tig: So­lis­tin und Orches­ter zei­gen Ent­de­cker­freu­de und an­ste­cken­de Lust am ge­mein­sa­men Mu­si­zie­ren.

Wangs Kraft­re­ser­ven rei­chen lo­cker aus, um noch zwei bril­lan­te Zu­ga­ben aufs Po­di­um zu wuch­ten: das mör­de­ri­sche Fi­na­le aus Pro­kof­je­ws sieb­ter So­na­te und ei­ne ei­ge­ne, völ­lig aber­wit­zi­ge, von den Be­ar­bei­tun­gen durch Fa­zil Say und Ar­ca­di Vo­lo­dos in­spi­rier­te Ver­si­on von Mo­zarts Al­la Tur­ca. Ova­tio­nen schon vor der Pau­se.

Da­nach Mus­sorgs­kis Bil­der ei­ner Aus­stel­lung in Ra­vels be­rühm­ter Be­ar­bei­tung für Orches­ter. Hier sor­gen die Phi­lis mit fa­cet­ten­rei­chem, span­nen­dem Spiel für ei­ne klei­ne Stern­stun­de in der Ster­nen­nacht. Zwar glückt nicht al­les (hier ein Pat­zer in der drit­ten Pro­me­na­de, da ei­ne Tem­poUn­si­cher­heit im Bydlo), da­für aber ge­lingt vie­les au­ßer­or­dent­lich. Sym­pto­ma­tisch: Auch die rus­si­schen Raus­schmei­ßer-Zu­ga­ben (Tschai­kow­sky, Glin­ka) wer­den nicht rou­ti­niert hin­ge­schlu­dert, son­dern fein ge­stal­tet.

Fo­tos: Mar­cus Schlaf (3)

… und dann gibt’s Blu­men von Chef­di­ri­gent Ger­giev Am Sonn­tag spiel­ten die Münch­ner Phil­har­mo­ni­ker bei Klas­sik am Ode­ons­platz

China­feu­er: Pia­nis­tin Yu­ja Wang erst bei der Ar­beit…

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