„Wird oft et­was über­schätzt“

tz - - POLITIK - INT.: B. WIM­MER

Hilft der Wahl-O-Mat wirk­lich bei der Ent­schei­dung?

Prof. Jür­gen Fal­ter, Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler, Uni­ver­si­tät Mainz: Er ist ein sinn­vol­les In­stru­ment, das po­li­ti­sches In­ter­es­se we­cken kann. Und es ist ei­ne Mög­lich­keit für die­je­ni­gen, die po­li­tisch in­ter­es­siert sind, sich noch ein­mal zu ver­ge­wis­sern, ob die Par­tei, die sie wäh­len wol­len, auch die ist, die ih­nen in­halt­lich am nächs­ten steht. In sei­ner Wir­kung wird der Wahl-O-Mat wahr­schein­lich oft et­was über­schätzt.

Ha­ben Sie sich schon mal über sei­ne Emp­feh­lung ge­wun­dert?

Fal­ter: Es pas­siert mir vor je­der Wahl, dass mir ei­ne an­de­re Par­tei vor­ge­schla­gen wird als die, die ich dann wäh­le. Ein Nach­teil des Wahl-O-Ma­ten be­steht ja dar­in, dass nur nach Sach­po­si­tio­nen ge­fragt wird und nicht nach Per­so­nen. Per­so­nen sind mit aus­schlag­ge­bend für die Wah­l­ent­schei­dung: So sind et­wa vie­le CDU-Wäh­ler mit derFlücht­lings­po­li­tik vonAn­ge­la Mer­kel sehr un­zu­frie­den – aber sie wäh­len sie trotz­dem, weil sie sa­gen: Mer­kel ist ver­läss­lich, be­re­chen­bar, nicht so hys­te­risch wie an­de­re. Sol­che Über­le­gun­gen wer­den im Wahl-OMa­ten nicht be­rück­sich­tigt.

Soll­te der Wahl-O-Mat die Kan­di­da­ten mit ein­be­zie­hen?

Fal­ter: Das wä­re ge­gen das Kon­zept, das ganz ein­deu­tig auf Sach­fra­gen aus­ge­rich­tet ist. Man könn­te na­tür­lich am En­de fra­gen: Wel­cher Po­li­ti­ker ver­tritt die Mei­nung am stärks­ten, die ich ge­ra­de als mei­ne Mei­nung her­aus­ge­fun­den ha­be?

Wie könn­te man den Wahl-O-Ma­ten au­ßer­dem treff­si­che­rer ma­chen?

Fal­ter: Das Sys­tem hat ja ei­nen zwei­ten Man­gel: Es sagt nichts aus über die Po­li­tik, die dann wirk­lich statt­fin­det. Die sieht oft ganz an­ders aus als das, was in den Wahl pro­gram­men steht. In ei­ner Ko­ali­ti­on müs­sen sich die Part­ner aber vie­le ei­ge­ne Ide­en ab­schmin­ken und Schwer­punk­te der an­de­ren ak­zep­tie­ren. Auf dem Kon­kur­renz­mo­dell deinwal.de wird auf das Ab­stim­mungsv er­hal­ten­der Ab­ge­ord­ne­ten in­der letz­ten Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ein­ge­gan­gen. Ei­ne Misch­form zwi­schen bei­den Kon­zep­ten wä­re wohl das Idea­le – dann wä­ren auch Er­fah­rungs­wer­te in­te­griert.

Ex­per­te, Uni Mainz

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