Der Waf­fen­händ­ler des Amok­läu­fers

tz - - MÜNCHEN + REGION - ANDRE­AS THIE­ME

Plan­te auch er den Mas­sen­mord – oder lie­fer­te er nur die Waf­fen? Die Rol­le von Phil­ipp K. (32) beim Amok­lauf ist noch nicht ge­klärt. Aber: Am zwei­ten Pro­zess­tag wur­den sei­ne ge­hei­men Waf­fen­ge­schäf­te ent­hüllt.

Als „Ri­co“trat K. im Dar­knet auf. Elf Kun­den ver­kauf­te er Pis­to­len, Ge­weh­re und Mu­ni­ti­on. Doch die wur­den vom Zoll über­wacht – so stie­ßen Er­mitt­ler auf den Waf­fen­händ­ler. Mit sei­nen Kun­den schrieb er erst in ver­schlüs­sel­ten Chats, spä­ter traf er sie in ei­ner Köl­ner Tief­ga­ra­ge oder in der Schweiz. Nur Amok­läu­fer Da­vid Son­bo­ly kam nach Mar­burg, um die Glock 17 samt Mu­ni­ti­on zu kau­fen: am 20. Mai und am 18. Ju­li 2016.

In ei­ner Bun­des­wehr­kis­te ver­grub K. die Kriegs­waf­fen spä­ter an der Au­to­bahn in Köln. Im Ver­hör gab ei­ner sei­nerF­reun­de­da­sVer­steck preis. Dar­in la­ger­ten auch Ma­schi­nen-Ge­weh­re. Zwei der Waf­fen­käu­fer wur­den be­reits ver­ur­teilt – über­führt durch die Chat-Pro­to­kol­le mit Phil­ipp K., die Fahn­der aus­wer­ten konn­ten. Auch im Dar­knet bleibt al­so nichts ge­heim!

„Was du mit den Waf­fen machst, ist dei­ne Sa­che“, hat­te K. et­wa ge­schrie­ben. „Even­tu­ell kann ich sie dir güns­ti­ger ver­kau­fen.“In­den Chats hat­te K. nach dem Amok­lauf auch sei­ne Ängs­te ge­äu­ßert. „Ich bin der­je­ni­ge, der dem Amok­läu­fer die Glock 17 ver­kauft hat. Muss jetzt für ei­ne Wei­le ab­tau­chen.“

Wie ge­fähr­lich der Waf­fen­han­del ist, er­klär­te ges­tern ein Zeu­ge: „Ich wer­de dich tö­ten. Oder Leu­te tun es, die ich aus dem Dar­knet ken­ne“– so sei er vor der Aus­sa­ge be­droht wor­den. Das Ge­richt be­rät nun, ob er ins Zeu­gen­schutz­pro­gramm muss.

Und will sei­ne Aus­sa­ge hören! Denn Uwe F. (34) be­haup­tet, es ge­be noch Mit­wis­ser für den Amok­lauf – und Er­mitt­ler hät­ten be­wusst schlam­pig ge­ar­bei­tet. Des­halb stell­te er zwei Straf­an­zei­gen: we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung – und Bei­hil­fe zum Mord.

So sei auch Phil­ipp K. zu be­stra­fen, dem Er­mitt­ler rechts­ra­di­ka­le Ge­sin­nung nach­wei­sen konn­ten: Mit Kum­pels dreh­te er Hetz-Vi­de­os ge­gen Aus­län­der, zeig­te den Hit­ler­gruß und schrieb „Sieg Heil“in Chats – laut K. „nor­ma­le Ver­ab­schie­dun­gen“.

Da­ge­gen spricht: Auf sei­nem Han­dy wur­den Fo­tos des Amok­läu­fers von Niz­za ge­fun­den – ihn hat er wohl ver­ehrt. Und: In K.’s Woh­nung hing ein skur­ri­les Bild von sei­nem Ge­sicht – mon­tiert auf den Kopf von Hit­ler.

Er­neut dräng­ten die Ne­ben­klä­ger des­halb dar­auf, Phil­ipp K. we­gen Bei­hil­fe zum Mord an­zu­kla­gen – und den Pro­zess zum Schwur­ge­richt zu ver­le­gen, wo ei­ne le­bens­lan­ge Stra­fe droht. Über­denBe­fan­gen­heits­an­trag ge­gen Rich­ter Frank Zim­mer ist aber noch nicht ent­schie­den. Wird der Vor­sit­zen­de ab­ge­lehnt, könn­te K. so­fort frei­kom­men, weil er schon län­ger als ein Jahr in U-Haft sitzt.

Fo­tos: dpa, ts

Mit die­ser Glock 17 hat­te Da­vid Son­bo­ly neun Men­schen er­schos­sen. Phil­ipp K. hat­te ihm die Pis­to­le ver­kauft

Fo­to: AFP

Vor Ge­richt ver­barg Phil­ipp K. (32) sein Ge­sicht

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.