Mer­kels heik­les Ver­spre­chen

tz - - POLITIK -

Das Fell des Bä­ren soll­te man nicht ver­tei­len, ehe er er­legt ist, schon wahr. Aber die po­li­ti­schen Bä­ren-Jä­ger ti­cken an­ders. Längst tu­schelt die Ber­li­ner Re­pu­blik in den Hin­ter­zim­mern: Was kommt nach „Mut­ti“? Ei­ne Fra­ge, die für Mer­kels Wahl­kampf durch­aus ge­fähr­lich ist: Vie­le Wäh­ler der „Flücht­lings­Kanz­le­rin“wür­den ei­nen erz­kon­ser­va­ti­ven Jens Spahn nie im Le­ben als Kanz­ler se­hen wol­len. Aber wer kann schon ga­ran­tie­ren, ob die Mer­kel-mü­den Kon­ser­va­ti­ven in der CDU nicht doch ir­gend­wann in der nächs­ten Le­gis­la­tur­pe­ri­ode put­schen? Die Bun­des­tags­wahl ist eben ei­ne Par­tei-, kei­ne Per­so­nen­wahl … Die CDU-Che­fin mit ih­rem Ge­spür für Ge­fah­ren weiß des­halb ge­nau, war­um sie ei­ne Wo­che vor der Wahl das Ver­spre­chen gibt: Ich blei­be die vol­len vier Jah­re – auch als Par­tei­che­fin. Ein in­so­fern heik­les Ver­spre­chen, da Mer­kel sich so die Mög­lich­keit nimmt, ei­ne(n) Nach­fol­ger(in) auf­zu­bau­en, in­dem sie 2018 den Par­tei­vor­sitz über­gibt. Tut sie das nicht, geht der nächs­te Uni­ons-Kanz­ler­kan­di­dat schwach in die Bun­des­tags­wahl 2021. Oder aber Mer­kel macht’s noch mal selbst – und läuft Ge­fahr, wie einst Hel­mut Kohl das „Ablauf­da­tum“zu ver­pas­sen. „Mer­kel-Über­druss“gab es ja durch­aus schon – An­fang die­ses Jah­res, als Mar­tin Schulz noch der SPD-Mes­si­as war. Es mag ein schwa­cher Trost für die Ge­nos­sen sein: Aber die Nach-Mer­kelCDU wird vor den­sel­ben Schwie­rig­kei­ten wie die Nach-Schrö­der-SPD ste­hen: in­ner­par­tei­li­che Rich­tungs-Kämp­fe, ei­ne ra­di­ka­le­re Kon­kur­renz-Par­tei. Und ein Per­so­nal-Pro­blem!

Klaus Rimpel

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