Jetzt strei­ten sie um un­ser Geld

tz - - MÜNCHEN+REGION - SASCHA KAROWSKI

Der öf­fent­li­che Nach­ver­kehr hat Ver­spä­tung. Dies­mal aber nicht ei­ne ein­zel­ne S-Bahn oder ein Bus, son­dern der Münch­ner Ver­kehrs- und Ta­rif­ver­bund (MVV) als gan­zer. Denn: Am Frei­tag hät­te ei­gent­lich klar sein sol­len, um wie viel teu­rer die Fahr­kar­ten im De­zem­ber wer­den. Aber: Die Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung des MVV hat die Ver­hand­lun­gen ab­ge­bro­chen. Denn: Of­fen­bar will die Deut­sche Bahn – ei­ner der MVV-Ge­sell­schaf­ter – die Ti­ckets im Schnitt um 3,5 Pro­zent teu­rer ma­chen. Da macht die Stadt in Gestalt von OB Die­ter Rei­ter (59, SPD) und Bür­ger­meis­ter Jo­sef Schmid (47, CSU) nicht mit! Denn: Am En­de geht es um das Geld der Bür­ger, und Mün­chen ist eh schon so teu­er.

Was­bei­derF­rei­tags-Sit­zung pas­siert ist: be­mer­kens­wert. Selbst lang­jäh­ri­ge ÖPNV-Ex­per­ten kön­nen sich nicht dar­an er­in­nern, wann Ver­hand­lun­gen über die MVV-Preis­er­hö­hung zu­letzt ver­tagt wur­den. Tra­di­tio­nell wer­den die Er­hö­hun­gen im­mer un­mit­tel­bar vor der Wiesn be­kannt ge­ge­ben. Und noch et­was Be­mer­kens­wer­tes: Dem Ver­neh­men nach ha­ben Rei­ter und Schmid­denSchul­ter­schluss ge­sucht. Seit an Seit foch­ten die Ver­tre­ter der Stadt zu­nächst für ei­ne Null­run­de. Schließ­lich – so ist es über­lie­fert – hät­ten sich bei­de hel­den­haft zu­min­dest für ei­ne mo­de­ra­te Er­hö­hung ein­ge­setzt.

Wie zu­er­fah­ren­war, sind die Ver­hand­lun­gen fest­ge­fah­ren. „Dass nun die Ge­sprä­che ver­tagt wur­den, zeigt, wie groß der Wi­der­stand ist“, sagt ein In­si­der. Of­fen­bar gin­gen Frei­staat und Bahn mit ei­ner For­de­rung von 3,5 Pro­zent Er­hö­hung­in­dieVer­hand­lun­gen. Schmid und Rei­ter woll­ten zu­nächst ei­ne Null­run­de, zu­letzt dann nach tz- In­for­ma­tio­nen im­mer­hin ei­ne Eins vor dem Kom­ma, die Re­de ist von 1,4 Pro­zent. Die For­de­run­gen der Bahn sol­len im­mer noch deut­lich im Zwei­er-Be­reich lie­gen.

2016 wa­ren die MVVP­rei­se im Schnitt um 2,9 Pro­zent ge­stie­gen. Bahn und Münch­ner Ver­kehrs­ge­sell­schaft (MVG) ar­gu­men­tie­ren, dass so deut­li­che Er­hö­hun­gen nö­tig sind – et­wa für neue Fahr­zeu­ge und neue Li­ni­en. Schmids Er­wi­de­rung: MVV-Prei­se sind ei­ne der we­ni­gen Mög­lich­kei­ten der Stadt, auf die Le­bens­hal­tungs­kos­ten Ein­fluss zu neh­men. Zu den wei­te­ren Ge­sell­schaf­tern ge­hö­ren Frei­staat, Bahn und die Land­krei­se rund um Mün­chen.

Im bun­des­wei­ten Ver­gleich fällt auf, dass man in Mün­chen of­fen­bar im­mer deut­lich stär­ker zu­schlägt als an­dern­orts. Der Ham­bur­ger Ver­kehrs­ver­bund hat die Prei­se jüngst um 1,2 Pro­zent an­ge­ho­ben, der Ver­kehrs­ver­bund RheinSieg in Köln um 1,1 Pro­zent, der Ver­kehrs­ver­bund Ber­lin-Bran­den­burg fährt heu­er so­gar ei­ne Null­run­de. War­um ist das nicht auch in Mün­chen mög­lich?

Mat­thi­as Kor­te, Spre­cher der MVG: „Ein Ver­gleich mit an­de­ren Ver­kehrs­ver­bün­den ist mit gro­ßer Vor­sicht zu ge­nie­ßen. Die Aus­gangs­la­ge ist in je­dem Ver­bund an­ders, et­wa was den Aus­bau- und Er­neue­rungs­be­darf be­trifft, aber auch die Fi­nan­zie­rungs­struk­tu­ren.“Die MVG sei nicht auf Ge­winn­ma­xi­mie­rung aus­ge­legt: „Wir ver­lan­gen von un­se­ren Kun­den nur so viel Geld, wie wir zur Fi­nan­zie­rung un­se­res An­ge­bots und den Aus­bau des Nah­ver­kehrs be­nö­ti­gen.“

Jetzt könn­te die Ent­schei­dung über ei­ne Ta­rif­er­hö­hung am 29. Sep­tem­ber fal­len. Dann tref­fen sich die Ver­hand­lungs­part­ner er­neut.

Fo­to: Klaus Haag

Durch­ein­an­der beim öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr: Das gibt’s nicht nur am Bahn­steig, son­dern auch am Ver­hand­lungs­tisch

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