Weg mit dem Glit­zer-Chi­chi

tz - - MENSCHEN - INTERVIEW: TERESA WINTER

Ein Dirndlfan war sie schon im­mer, Dirndlde­si­gne­rin wur­de sie erst 2011. Durch Zu­fall, in ih­rer Ba­by­pau­se, weil sie für sich kein schö­nes Dirndl fand. Da­vor leb­te San­dra Abt (41) zwölf Jah­re lang in Mün­chen, ar­bei­te­te bei BMW im Zen­tra­len Mar­ke­ting. „Dann ha­be ich in mei­ne Hei­mat Kemp­ten zu­rück­ge­hei­ra­tet und ei­ne Toch­ter be­kom­men“, er­zählt sie. Als Quer­ein­stei­ger grün­de­te die Frau von Ex-Renn­fah­rer Chris­ti­an Abt (50) mit ih­rer Freun­din Ve­re­na Krist schließ­lich die Trach­ten­ma­nu­fak­tur Al­pen­herz. Mit gro­ßem Er­folg. Bei der Wiesn warm up Par­ty in der Wein­wirt­schaft des Ho­tels Ar­co­na Li­ving Mün­chen hat San­dra Abt tz- Ko­lum­nis­tin Teresa Winter von Wies­ntrends, No-Gos und ih­rem Renn­fah­rer­t­raum er­zählt. Hast du dein ers­tes Dirndl noch? San­dra Abt: Ja, aber das zie­he ich nicht mehr an. Es war ein Sa­ri-Dirndl, das ist der­zeit nicht mehr an­ge­sagt. Wie seid ihr so schnell so be­kannt ge­wor­den? Abt: Nur durch Mund­pro­pa­gan­da. Mein Mann hat na­tür­lich auch ein paar Tü­ren über sei­nen Na­men ge­öff­net. Da Abt sehr vie­le pro­mi­nen­te Kun­den hat, hat­te ich auch re­la­tiv schnell vie­le pro­mi­nen­te Trä­ger. Im No­vem­ber kommt zum Bei­spiel auch die Schwes­ter des frü­he­ren ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten (56) zu uns und lässt sich ein Dirndl maß­an­fer­ti­gen.

Abt: Ich glau­be, dass wir ei­nen schö­nen Mit­tel­weg fin­den, zwi­schen be­son­de­ren De­signs, hoch­wer­ti­ger Qua­li­tät und nichts Über­la­de­nem. Un­se­re Kol­lek­tio­nen sind im­mer so auf­ge­baut, dass sich die ver­schie­dens­ten Frau­en­ty­pen dort wie­der­fin­den. Au­ßer­dem ha­ben wir die Phi­lo­so­phie, je­dem An­lass sein Dirndl.

Auf was muss man beim Dirndlkauf auch­ten?

Abt: Auf die Farb­kom­po­si­ti­on. Wir wis­sen aus der Far­ben­leh­re her­aus, was wel­cher Kun­din steht. So kön­nen blon­de Frau­en mit blau­en Au­gen zum Bei­spiel im­mer sehr gut Blau tra­gen, dunk­le Ty­pen mit dunk­len Au­gen eher kräf­ti­ge Far­ben oder Nu­de-Tö­ne.

Was sind die dies­jäh­ri­gen Wies­ntrends?

Abt: Wäh­rend in an­de­ren Städ­ten oft ein schö­nes Kleid ge­sucht wird, ist es rund um Mün­chen eher der tra­di­tio­nel­le Aspekt, der beim Trach­ten­kauf ei­ne Rol­le spielt. In die­sem Jahr geht es in die hoch­ge­schlos­se­ne Rich­tung, es wird wie­der de­zen­ter, tra­di­tio­nel­ler. Wir ma­chen heu­er zum Bei­spiel sehr viel aus Lei­nen, aus Baum­wol­le, aus Samt. Der Trend geht weg vom Glit­zer-Chi­chi und hin zu tra­di­tio­nel­le­ren Schnit­ten und Ma­te­ria­li­en. Und bei den Ac­ces­soires? Abt: Hü­te, Blu­men­krän­ze und Zöp­fe sind out, Na­tür­lich­keit ist in.

Wie suchst du dir sel­ber dei­ne Dirndl aus?

Abt: Ich las­se mich da von vie­len Sa­chen in­spi­rie­ren. Und Tracht ist in­zwi­schen auch Fa­shion, das heißt, wir ge­hen auch auf Stoff­mes­sen und schau­en uns da die Neu­hei­ten an.

Dein Mann war ja Renn­fah­rer, du auch?

Abt: Nein, ich wä­re es ger­ne ge­wor­den, aber mein Mann hat ein Ve­to ein­ge­legt. Ich glau­be, ich hät­te da ein Ta­lent da­für ge­habt, denn zu Hau­se, pri­vat, fah­re ich im­mer und er sitzt da­ne­ben und schläft.

Wollt ihr dau­er­haft in Kemp­ten blei­ben?

Abt: Ich bin fast je­de Wo­che ein­mal in Mün­chen, im Winter sind wir viel in Kitz­bü­hel, im Som­mer auf Mallor­ca. Ei­gent­lich ist Kemp­ten ei­ne schö­ne Home­ba­se, um zwi­schen dem gan­zen Wahn­sinn Ab­stand zu ha­ben und ein­fach auch mal run­ter­zu­kom­men.

Fo­tos: Si­gi Jantz (2)

Dirndl-De­si­gne­rin San­dra Abt hat auch vie­le pro­mi­nen­te Kun­den wie Si­mo­ne Tho­mal­la, Ca­ro­lin Beil und Hu­go Egon Bal­der

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