Mer­kel! Und dann..?

Kanz­le­rin ver­spricht: Nach Wie­der­wahl blei­be ich vol­le 4 Jah­re

tz - - POLITIK - KLAUS RIMPEL

An­ge­la Mer­kel macht den Kohl: Soll­ten sich die jüngs­ten Um­fra­ge-Zah­len be­stä­ti­gen, wird­dieCDU-Che­fin auch die nächs­te Re­gie­rung füh­ren. Und da die Kanz­le­rin in der ZDFSen­dung Kl­ar­text, Frau Mer­kel ver­sprach, die vol­le Re­gie­rungs­zeit im Amt zu blei­ben, wird sie dann den 16-Jah­reRe­kord von Hel­mut Kohl bre­chen. Mer­kel er­klär­te im ZDF, dass sie auch den CDU-Vor­sitz be­hal­ten wol­le – „so weit es in mei­ner Macht steht“. Da­mit re­agiert sie auf Spe­ku­la­tio­nen, dass sie zu­min­dest den CDU-Vor­sitz nach ih­rer Wie­der­wahl zur Kanz­le­rin ab­ge­ben könn­te, um so ih­re „Thron­fol­ge“ein­zu­lei­ten. Aber wie will Mer­kel ih­re Nach­fol­ge dann re­geln? Wie will sie dem Kohl-Pro­blem ent­ge­hen, so lan­ge am Amt zu kle­ben, bis es ei­nen in­ner­par­tei­li­chen Auf­stand gibt? Die tz schau­te sich die mög­li­chen Mer­kel-Er­ben nä­her an:

■ An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (54): Der Stern schreibt, dass die saar­län­di­sche Mi­nis­ter­prä­si­den­tin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er „Mer­kels Kron­prin­zes­sin für Par­tei­vor­sitz und Kanz­ler­amt“sei. Schon nach der ge­won­ne­nen Saar­land-Wahl am 26. März 2017 ka­men Spe­ku­la­tio­nen auf, dass die 54-Jäh­ri­ge „Mer­kels Num­mer eins“(so das Ma­ga­zin Ci­ce­ro) sei. AKK, wie sie in der CDU ge­nannt wird, ist­wieMer­kel­sach­ori­en­tiert, un­ideo­lo­gisch und drängt sich nicht in den Vor­der­grund. Und wie Mer­kel kann sie mit (fast) je­dem re­gie­ren. So lei­te­te sie die ers­te (an der FDP ge­schei­ter­te) Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on mit FDP und Grü­nen. Ihr Man­ko: Als Re­gie­rungs­che­fin­des­klei­nenSaar­lan­des (seit 2011) ist sie bun­des­po­li­tisch ziem­lich un­be­kannt. ■ Jens Spahn (37): Er ist der Hoff­nungs­trä­ger der Kon­ser­va­ti­ven in der CDU, die vom li­be­ra­len Kurs Mer­kels schon lan­ge die Na­se voll ha­ben. Seit ei­ni­ger Zeit pro­fi­liert sich Spahn mit rech­ten Mei­nun­gen, be­son­ders ge­gen Mer­kels Flücht­lings­po­li­tik. Dem ver­gleichs­wei­se jun­gen Fi­nanz-Staats­se­kre­tärun­dCDUPrä­si­di­ums­mit­glied wird viel zu­ge­traut – aber Mer­kel wird ihn si­cher nicht för­dern. In der Abitur­zei­tung gab der jun­ge Spahn üb­ri­gens „Bun­des­kanz­ler“als Be­rufs­wunsch an… ■ Ju­lia Klöck­ner (44): Die rhein­land-pfäl­zi­sche CDU-Che­fin gilt schon seit Jah­ren als mög­li­che Mer­kel-Er­bin und tin­gelt eif­rig durch die Talk­shows, um ih­ren bun­des­wei­ten Be­kannt­heits­grad zu er­hö­hen. Doch Klöck­ners Ruf hat durch ih­re Nie­der­la­ge bei der Land­tags­wahl am 13. März 2016 ge­gen SPD-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Ma­lu Drey­er ge­lit­ten: Sie fuhr mit 31,8 Pro­zent das schlech­tes­te CDU-Er­geb­nis der Lan­des-Ge­schich­te ein, ob­wohl ih­re Par­tei noch ei­nen Mo­nat vor der Wahl in den Um­fra­gen bis zu zehn Punk­te vor­ne lag. Auch Klöck­ner hat­te sich in der Flücht­lings­fra­ge von Mer­kel dis­tan­ziert, in­dem sie et­wa ei­ne Ta­ges-Ober­gren­ze ge­for­dert hat­te – auch das hat ih­re Chan­cen, von Mer­kel selbst zur Kron­prin­zes­sin er­nannt zu wer­den, nicht ge­ra­de er­höht. ■ Ar­min La­schet (56): Das ist bei­dem­nord­rhein-west­fä­li­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten ganz an­ders: La­schet blieb selbst dann hun­dert­pro­zen­tig loy­al zu Mer­kel, als we­gen schlech­ter Um­fra­ge­wer­te kurz vor der NRW-Wahl am 14. Mai 2017 die Ru­fe aus sei­ner Par­tei nach ei­nem kon­ser­va­ti­ve­ren, här­te­ren Pro­fil im­mer lau­ter wur­den. Doch der NRW-CDU-Chef blieb bei sei­nem li­be­ra­len Flücht­lings­und In­te­gra­ti­ons­kurs – und ge­wann die Wahl über­ra­schend. Loya­li­tät, Li­be­ra­li­tät und trotz­dem ein Sie­ger: das dürf­te ihn aus Mer­kels Sicht zum mög­li­chen Kron­prin­zen adeln. ■ Ur­su­la von der Ley­en (58): Sie galt lan­ge als aus­sichts­reichs­te Kan­di­da­tin für Mer­kels Nach­fol­ge – und dass die Kanz­le­rin sie auf den Schleu­der­sitz des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ters ge­setzt hat, war wohl der Test­bal­lon, ob von der Ley­en auch Kanz­le­rin kann. Zwar über­leb­te sie bis­lang in dem schwie­ri­gen Amt – aber mit ih­ren öf­fent­li­chen Vor­wür­fen, das Of­fi­ziers­korps ha­be ein Na­zi-Pro­blem, hat sie nicht nur bei der Trup­pe, son­dern auch in der CDU dra­ma­tisch an Rück­halt ver­lo­ren. Fa­zit: Chan­cen aufs Mer­kel-Er­be weit­ge­hend ver­spielt! ■ Tho­mas de Mai­ziè­re (63): Auch er galt lan­ge als mög­li­cher Mer­kel-Kron­prinz. Doch mit sei­nem we­nig sym­pa­thi­schen Auf­tre­ten, aber auch mit sei­nem un­glück­li­chen Ge­ba­ren in der Ter­ror- und Flücht­lings­fra­ge („Tei­le mei­ner Ant­wort könn­ten Sie ver­un­si­chern“) ist er eher kei­ner, der ei­ne Kanz­ler-Wahl ge­win­nen kann.

Au­ßen­sei­ter: Tho­mas de Mai­ziè­re

Mer­kel-Mann: Ar­min La­schet

Mög­li­cher Put­schist: Jens Spahn

Im Test ge­schei­tert: von der Ley­en

Nur noch Ex-Fa­vo­ri­tin: Ju­lia Klöck­ner

Fa­vo­ri­tin: An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er

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