Die Kar­tof­fel­kö­ni­ge vom Vik­tua­li­en­markt

Für ih­ren Traum vom Standl ha­ben zwei Münch­ner ih­ren Be­ruf ge­wech­selt

tz - - MÜNCHEN + REGION - SB

Rund 450 Ki­lo­gramm Kar­tof­feln be­kom­men Do­mi­nik Klier (29) und Theo Lin­din­ger (30) je­den Mon­tag­mor­gen ge­lie­fert. Bam­ber­ger Hörn­chen, Meck­len­bur­ger Schne­cken, Moor­sieg­lin­den. Schwarz­weiß mar­mo­riert, ro­sa­rot ge­spren­kelt, ka­na­ri­en­gelb ge­mus­tert, 20 Sor­ten an der Zahl. „Un­se­re Kar­tof­feln se­hen nicht nur geil aus“, schwärmt Lin­din­ger, „die schme­cken auch geil.“Da­bei hat­ten die bei­den bis vor we­ni­gen Wo­chen noch nichts mit Kar­tof­feln am Hut. Klier hat So­zio­lo­gie stu­diert, Lin­din­ger als Gold­schmied ge­ar­bei­tet. Dass sie mal ei­nen Stand auf dem Vik­tua­li­en­markt be­trei­ben wür­den, hät­te vor Kur­zem noch nie­mand ge­dacht...

Als die Spezln im Som­mer über den Vik­tua­li­en­markt schlen­der­ten, hat Theo Lin­din­ger in der Nä­he der Frau­en­stra­ße ei­nen ab­ge­sperr­ten Stand ent­deckt. Ein paar Mi­nu­ten spä­ter bog des­sen Be­sit­zer ums Eck und frag­te denGold­schmied, ober­nicht ins Ge­schäft mit­ein­stei­gen wol­le. Er selbst müs­se aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den kür­zer­tre­ten. „Kei­ne zehn Se­kun­den spä­ter hat­te ich den Schlüs­sel in der Hand“, er­zählt Lin­din­ger. „So ei­ne Chan­ce be­kommt man schließ­lich nicht wie­der.“

In den fol­gen­den Ta­gen schmie­de­ten Klier und Lin­din­ger Plä­ne, grün­de­ten ei­ne Fir­ma und be­stell­ten De­ko-Ar­ti­kel mit dem Auf­druck Cas­par Plautz. „Plautz war Be­ne­dik­ti­ner­mönch und ei­ner der Ers­ten, der Kar­tof­fel-Re­zep­te auf­ge­schrie­ben hat“, er­zählt Klier. Die­ses Er­be wol­len die bei­den nun wei­ter­füh­ren – und durch ei­ge­ne Ide­en er­gän­zen.

Alt ist bei Do­mi­nik Klier und Theo Lin­din­ger al­len­falls der Ofen: ein vik­to­ria­ni­sches Ge­rät aus Omas Zei­ten, das dich­ten Dampf in den Him­mel bläst. „Die Ar­beit auf dem Markt ist un­er­war­tet kräf­te­zeh­rend“, ver­rät Klier, „vor al­lem am An­fang, wenn man noch nicht ge­nau weiß, wie al­les funk­tio­niert.“Be­reut ha­ben die bei­den ih­ren Ent­schluss bis­her aber nicht. „An der fri­schen Luft zu ar­bei­ten, ist ein Traum“, strahlt Klier, Lin­din­ger nickt.

Die Knol­len­kö­ni­ge Do­mi­nik Klier (l.) und Theo Lin­din­ger sind seit gut ei­ner Wo­che stol­ze Standl-Be­trei­ber

F: Götz­fried (2)

Ge­ba­cke­ne Kar­tof­fel: Je­den Tag wird im Standl frisch ge­kocht

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