Noch mehr Ap­plaus für den Gaf­fer­sprit­zer

tz - - BAYERN - MAR­KUS CHRISTANDL

Lang­sam legt sich zwar die Auf­re­gung um den Was­ser­ein­satz ge­gen Gaf­fer an der A3, doch das The­ma be­schäf­tigt wei­ter die Men­schen in ganz Deutsch­land. Ei­nen ganz be­son­ders: Dr. Alex­an­der Hatz aus Neu­burg an der Do­nau, der un­frei­wil­lig Bay­erns be­kann­tes­ter Not­arzt wur­de. Vor drei Jah­ren soll­te er den Füh­rer­schein für sechs Mo­na­te ver­lie­ren und ein ho­hes Buß­geld zah­len, weil er auf ei­ner Ein­satz­fahrt zu ei­nem Kind an­geb­lich zwei Au­to­fah­rer ge­fähr­det ha­ben soll. Hatz hat den Fall von der Au­to­bahn – bei dem Un­fall wa­ren am Don­ners­tag drei Men­schen ums Le­ben ge­kom­men – ge­nau be­ob­ach­tet. Er sagt über fo­to­gra­fie­ren­de Gaf­fer: „Es gibt nichts Wi­der­li­che­res, als wenn sol­che Bil­der die Run­de ma­chen.“Wenn ein Un­be­tei­lig­ter ei­nen to­ten Men­schen fo­to­gra­fie­re, dann kön­ne er das nicht mehr nach­voll­zie­hen – „und dann muss man et­was da­ge­gen un­ter­neh­men“.

Un­ter­nom­men wur­de ja et­was an je­nem Un­glücks­tag. Die Au­to­bahn bei Wei­bers­brunn (Kreis Aschaf­fen­burg) war in bei­de Rich­tun­gen voll ge­sperrt und ein ein­zi­ges Trüm­mer­feld. Al­ler­dings ließ die Po­li­zei auf der Ge­gen­fahr­bahn block­wei­se Fahr­zeu­ge pas­sie­ren. Zum Teil auch, wäh­rend die Lei­chen ge­bor­gen wur­den. Da­bei zück­ten Lk­wFah­rer ihr Han­dy, bis ein er­fah­re­ner Feu­er­wehr­mann aus Wal­da­schaff den Was­ser­schlauch ge­gen die Gaf­fer ein­setz­te. In ei­ner ers­ten Re­ak­ti­on spra­chen so­wohl die Feu­er­wehr vor Ort wie auch ein Po­li­zei­spre­cher von ei­ner ab­ge­spro­che­nen Ak­ti­on, dies wur­de spä­ter aber re­vi­diert. „Für die Un­ter­bin­dung und Ahn­dung bei Ver­kehrs­be­hin­de­run­gen sind aus­schließ­lich wir zu­stän­dig“, be­ton­te nun ein Po­li­zei­spre­cher.

Doch Alex­an­der Hatz, des­sen Straf­be­fehl in Be­glei­tung ei­nes öf­fent­li­chen Auf­schreis von der Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft ein­kas­siert wur­de – ein in der deut­schen Rechts­ge­schich­te wohl ein­ma­li­ger Fall – sagt über die Spritz­ak­ti­on: „Wenn ein Un­be­tei­lig­ter ei­nen to­ten Men­schen fo­to­gra­fiert, dann kann ich das nicht mehr nach­voll­zie­hen. Dann muss man et­was da­ge­gen un­ter­neh­men. Das war Hil­fe zur Selbst­hil­fe. Ich hät­te mich ge­nau­so ver­hal­ten.“Es hel­fe ja nichts, wenn die Po­li­zei die Gaf­fer spä­ter be­stra­fe, ein Bild sei ge­macht und „ging mit Knopf­druck auf die Rei­se“. Als so­gar noch ei­ne et­wai­ge Be­stra­fung des cou­ra­gier­ten Feu­er­wehr­manns im Raum stand, rief Hatz via Face­book so­gar zum Wi- der­stand auf und schrieb: „Zei­gen wir der Jus­tiz, wie stark wir sind, und or­ga­ni­sie­ren uns. Al­len frei­wil­li­gen Feu­er­wehr­leu­ten ra­te ich, schrift­lich bei ih­ren Land­rä­ten mit der Nie­der­le­gung der Tä­tig­keit zu dro­hen, falls nichts für den mu­ti­gen Kol­le­gen un­ter­nom­men wird.“

Mit der Mit­tei­lung der Staats­an­walt­schaft Aschaf­fen­burg, dass die Be­hör­de kei­nen An­lass zu­rEin­lei­tung­ei­nesS­traf­ver­fah­rens we­gen ge­fähr­li­chen Ein­griffs in den Stra­ßen­ver­kehr se­he, ver­rauch­te auch der Är­ger des Me­di­zi­ners.

Dass bis­lang kei­ne An­zei­ge er­stat­tet wur­de, freut die Ka­me­ra­den des Gaf­fer-Sprit­zers: „Es ist ein gro­ße Er­leich­te­rung spür­bar“, so Ot­to Hof­mann, der den Ein­satz an der A3 ge­lei­tet hat. Ru­di H. al­ler­dings, der mit der Ak­ti­on die Dis­kus­si­on aus­ge­löst hat, will sich zu dem Ge­sche­hen nicht mehr äu­ßern. Aus sei­nem Um­feld heißt es, er sei ent­täuscht, wie das Gan­ze nun dar­ge­stellt wer­de.

F: news5

Dr. Alex­an­der Hatz am Steu­er ei­nes Ret­tungs­wa­gens. Als er vor 3 Jah­ren die klei­ne Mag­da­le­na ret­ten woll­te, hät­te ihn das fast den Füh­rer­schein ge­kos­tet Über die­se Sze­ne dis­ku­tiert Deutsch­land – Was­ser ge­gen gaf­fen­de Fah­rer

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