Na­dal: Gal­gen­hu­mor

Der Welt­rang­lis­ten­ers­te gibt ver­letzt auf – auch im 13. Ver­such kein Ti­tel

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Nach dem bit­te­ren En­de ei­ner mär­chen­haf­ten Sai­son blieb Ra­fa­el Na­dal nur Gal­gen­hu­mor. „Fro­he Weih­nach­ten – an al­le“, lä­chel­te der Welt­rang­lis­ten­ers­te ge­quält. Dann zog er sich die wei­ße Kap­pe noch ein we­nig tie­fer ins trau­ri­ge Ge­sicht und ver­ließ zum letz­ten Mal in die­sem Jahr die Büh­ne ei­nes gro­ßen Tur­niers. Mit un­run­dem Gang. Adi­os, Ra­fa!

Na­dal­hat­tein­denTa­gen­von Lon­don schon ge­ahnt, dass auch der 13. An­griff auf sei­nen ers­ten Ti­tel beim ATP-Fi­na­le un­ter kei­nem gu­ten Stern ste­hen wür­de. Was we­ni­ger am Aber­glau­ben des Spa­ni­ers lag als viel­mehr an sei­nem wie­der ein­mal schmer­zen­den Knie. Nach dem 6:7 (5:7), 7:6 (7:4), 4:6 in sei­nem ers­ten Grup­pen­match ge­gen den Bel­gi­er Da­vid Goff­in zog Na­dal des­halb die Not­brem­se. „Das Ten­nis­jahr ist für mich zu En­de. Es ist kei­ne Ent­schei­dung im ei­gent­li­chen Sin­ne. Die Schmer­zen las­sen­mir­k­ei­ne­an­de­re Wahl“, mein­te der French-Open-Re­kord­cham­pi­on und schob hin­ter­her: „Ich glau­be wirk­lich nicht, dass ich es nach die­ser groß­ar­ti­gen Sai­son ver­dient ha­be, noch zwei wei­te­re Mat­ches mit die­sen schreck­li­chen Ge­füh­len zu spie­len.“

Der Bran­chen­pri­mus ge­stand, dass er so­gar im Fall ei­nes Auf­takt­sie­ges zu­rück­ge­zo­gen hät­te. Sein ers­ter Auf­tritt in der rie­si­gen Are­na un­weit der Them­se wur­de des­halb gleich zur Ab­schieds­vor­stel­lung. Und bei die­ser be­wies der Stier aus Ma­na­cor, welch ein gro­ßer Kämp­fer und un­ta­de­li­ger Sports­mann er ist.

Im­mer wie­der stemm­te sich Na­dal ge­gen die dro­hen­de Nie­der­la­ge, wehr­te im zwei­ten Satz so­gar vier Match­bäl­le ab und brach­te die Hal­le mit ih­ren 17 400 Zu­schau­ern zum Bro­deln.

Knie, Hand­ge­lenk, Bauch­mus­kel – die Lis­te der Lei­den ist lang. „Es ist wahr, dass ich wahr­schein­lich der Top­spie­ler bin, der mehr Ver­let­zun­gen und schwie­ri­ge Pha­sen in sei­ner Kar­rie­re hat­te als die an­de­ren“, sag­te Na­dal. Wei­ner­lich klang es nicht, es war eher ei­ne rea­lis­ti­sche Ein­schät­zung nach ei­ner Sai­son, in der ihm zu­sam­men mit Ro­ger Fe­de­rer (36) ei­ne ech­te Ten­nis-Re­nais­sance ge­glückt war. Erst­mals seit sie­ben Jah­ren teil­ten sich Na­dal und sein Schwei­zer Dau­er­ri­va­le wie­der sämt­li­che vier Grand-Slam-Ti­tel un­ter­ein­an­der auf.

Trä­nen flos­sen am Mon­tag­abend nicht bei Na­dal, der si­cher als Num­mer eins ins neue Jahr ge­hen wird. „Ich ha­be mich an die­se Si­tua­tio­nen ja fast schon ge­wöhnt. Das Gu­te dar­an ist: Ich weiß, was zu tun ist, wie lan­ge ich pau­sie­ren muss- un­d­wie­be­han­deltwird“, sag­te er.

In den kom­men­den Wo­chen will Na­dal in der Hei­mat ab­schal­ten und mit sei­ner Jacht „Beet­ho­ven“in See ste­chen. „Und dann wer­de ich ver­su­chen, am An­fang der nächs­ten Sai­son wie­der be­reit zu sein“, kün­dig­te Na­dal an. Dann ver­ab­schie­de­te er sich in die Lon­do­ner Nacht: „Mer­ry Christ­mas – ever­yo­ne!“

Fo­to: dpa

Schmer­zen: Der Spa­nier lei­det un­ter ei­ner Knie­ver­let­zung

Fo­to: afp

Frust: Ra­fa­el Na­dal zog sich nach der Nie­der­la­ge vom Tur­nier zu­rück

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