Tie­ri­sche Wer­ke von As­trid Köh­ler

tz - - ERSTE SEITE - MAT­THI­AS BIEBER

Man darf mit Fug und Recht be­haup­ten, dass die­se Bil­der Pfiff ha­ben. Ge­malt­hat­sie­dieMünch­ner Künst­le­rin As­trid Köh­ler (45), und bis zum 24. No­vem­ber kann man sie noch in der Kunst­be­hand­lung (Mül­ler­stra­ße 40) an­schau­en. Wir stel­len As­trid Köh­ler, Ehe­frau des Graf­fi­ti-Stars Loo­mit (sie­he Kas­ten un­ten), hier vor.

Über 20 Por­träts, die ei­nen Vo­gel ha­ben, sind ver­sam­melt. „Ich lie­be die­se Tie­re ein­fach, und ich fand es reiz­voll, sie mit den Por­träts vor­wie­gend aus dem 19. Jahr­hun­dert zu kom­bi­nie­ren. Und weil das In­sek­ten­und Vo­gel­ster­ben der­zeit ein bren­nen­des The­ma ist, will ich auch dar­auf hin­wei­sen – al­ler­dings oh­ne mo­ra­li­schen Zei­ge­fin­ger“, er­klärt die ge­bür­ti­ge Har­la­chin­ge­rin.

Ur­sprüng­lich woll­te sie die Por­träts an­ders ver­frem­den als jetzt: „Die Ge­sich­ter soll­ten aus dem Hin­ter­grund er­wach­sen und der Hin­ter­grund in die Por­träts ein­flie­ßen – aber das Er­geb­nis hat mich to­tal ge­lang­weilt. Vor Wut ver­wisch­te ich mei­ne Ar­bei­ten mit dem Pin­sel. Und sie­he da: Der Pro­to­typ sah sehr gut aus“, lacht Köh­ler.

Doch der letz­te Pfiff fehl­te, und so wur­den die Vö­gel („Sie sind put­zig und klug und wer­den so un­ter­schätzt“) ins rech­te Bild ge­rückt. Die Por­träts sind un­scharf, die Vö­gel ge­sto­chen scharf. Sie wur­den über die Por­träts ge­malt, um den räum­li­chen Ef­fekt zu er­rei­chen. Die drit­te Ebe­ne sind dann die Rah­men-Li­ni­en als wei­te­rer reiz­vol­ler Kon­trast.

Apro­pos reiz­vol­ler Kon­trast: Ih­ren Ehe­mann Loo­mit lern­te sie 1994 auf ei­ner Tat­too-Ver­an­stal­tung ken­nen. „Er hat Bo­dy­pain­ting ge­macht, und ich war die ein­zi­ge Per­son, die kein Tat­too hat­te“, er­in­nert sie sich schmun­zelnd. „Aber ich fand Loo­mit in­ter­es­sant, und ich sprach ihn an.“Ein Jahr lang wa­ren sie ein Paar, dann trenn­ten sie sich und ka­men spä­ter wie­der zu­sam­men. Auch schon wie­der ein paar Pin­sel­stri­che her, die­se Re­nais­sance des Künst­ler­paa­res: Die Toch­ter ist 19, der Sohn 15.

In­spi­rie­ren sich As­trid und Loo­mit? „Je­der macht sein Ding. Vi­el­leicht ha­be ich ei­nen bes­se­ren Rie­cher für klei­ne­re Sa­chen, wenn mein Mann mal auf Lein­wand malt. Da ge­beich­schonTipp­so­der schreie ihn an“, lacht sie. Die Graf­fi­ti-Gi­gaBil­der ih­res Gat­ten wä­ren für Köh­ler al­ler­dings nichts. Zu groß.

Bleibt noch ein Blick auf ih­re Se­rie Schlech­te Pfer­de­bil­der, auf dem gro­ßen Fo­to oben ganz links gibt’s ei­nes. „Ich kam zu­erst auf den Ti­tel, den ich sehr wit­zig fand, und über­leg­te dann die Um­set­zung. Da­bei half mir der sie­ben­jäh­ri­ge Nach­bars­bub. Ich mal­te die ,schö­ne‘ Sei­te vor, er er­gänz­te. Wir hat­ten ei­nen Rie­sen­spaß, und er wur­de auch fürst­lich ent­lohnt. Mit ei­nem Ori­gi­nal von mir und Le­go-Shop­ping.“

Üb­ri­gens: Am 30.11. star­tet ei­ne in­ter­na­tio­na­le Grup­pen­aus­stel­lung in der Kunst­be­hand­lung, mit Wer­ken u. a. von Köh­ler und Loo­mit. Zu se­hen sind Ma­le­rei, Aqua­rell, Zeich­nung, Gra­fik, Fo­to­gra­fie, Ke­ra­mik, Skulp­tur und Tex­til. Zum Zwi­schern.

As­trid Köh­ler (45) vor ih­ren ÖlPor­träts mit Vö­geln – der­zeit in der Kunst­be­hand­lung zu se­hen

Die Kunst­be­hand­lung in der Mül­ler­stra­ße 40 bie­tet wech­seln­de Aus­stel­lun­gen – die ak­tu­el­le läuft noch bis 24. No­vem­ber

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