RO­LEX OYS­TER PER­PE­TU­AL SEA- DWEL­LER

Uhren-Magazin - - Wissen -

Die Sea-Dwel­ler wur­de in den 1960er-jah­ren als pro­fes­sio­nel­les Ar­beits­ge­rät für Be­rufs­tau­cher ent­wi­ckelt. Ih­re All­tags­taug­lich­keit für Nich­tSchwim­mer be­weist sie mit ei­nem zeit­los- funk­tio­na­len De­sign.

Dwel­ler ver­trug 610 Me­ter Tauch­tie­fe, oh­ne die Fas­sung zu ver­lie­ren. Da­zu wur­de das Ge­häu­se über­ar­bei­tet und vor al­lem mit ei­nem di­cke­ren Kunst­stoff­glas so­wie ei­ner hö­he­ren Lü­net­te ver­se­hen. Die­se Re­fe­renz 1665 zählt heu­te zu den ge­such­ten Ju­we­len aus dem rei­chen An­ge­bot von Ro­lex und er­zielt re­gel­mä­ßig Re­kord­prei­se auf Auk­tio­nen. Auf dem Zif­fer­blatt ist die Uhr mit dem Dop­pel­na­men »Sea-dwel­ler Sub­ma­ri­ner 2000« ver­se­hen – wo­bei die Zahl für die ma­xi­ma­le Tauch­tie­fe in Fuß steht. Ein sel­te­nes Zwi­schen­mo­dell, das heu­te kaum zu fin­den ist, ist die Sea-dwel- ler Sub­ma­ri­ner 500 M, bei der der Schrift­zug »Sea-dwel­ler« in Rot ge­druckt ist. Mit 500 Me­tern ma­xi­ma­ler Tauch­tie­fe wur­den nur we­ni­ge Ex­em­pla­re ge­baut, die als wei­te­res Merk­mal kein He­li­um­ven­til be­sit­zen.

Die be­gehr­te Dou­ble Red er­zielt Re­kord­prei­se bei Auk­tio­nen

Bei der Re­fe­renz 1665 sind die Schrift­zü­ge »Sea-dwel­ler« und »Sub­ma­ri­ner 2000« in Rot auf das Zif­fer­blatt ge­druckt, was der Uhr bei Samm­lern den Bei­na­men »Dou­ble Red« ein­ge­bracht hat. Es gibt je­doch auch Zif­fer­blatt­va­ria­tio­nen, die un- ter­schied­li­che Schrift­grö­ßen und -ty­pen auf­wei­sen, und Leucht­mas­se, die di­rekt auf das Zif­fer­blatt ap­pli­ziert wur­de, eben­so wie die bis heu­te ge­nutz­ten Weiß­gold­fas­sun­gen, die mit dem Leucht­stoff ge­füllt wer­den. Sel­ten ist ei­ne sol­che Uhr un­ter 25000 Eu­ro zu ha­ben. Be­son­de­re Re­kor­de er­zie­len die Uh­ren, die auf dem Zif­fer­blatt den Auf­druck des Comex-lo­gos und auf dem Stahl­bo­den eben­so den Comex-schrift­zug so­wie ei­ne in Über­grö­ße gra­vier­te Se­ri­en­num­mer tra­gen. Kauf­sum­men bis 100000 Eu­ro oder auch dar­über sind kei­ne Sel­ten­heit. Al­ler­dings gilt es, be­son­de­re Vor­sicht wal­ten zu las­sen: Nicht je­de Comex ist auch wirk­lich echt. Es gibt sehr gu­te Fäl­schun­gen der so mar­kier­ten Zif­fer­blät­ter, eben­so wie nach­träg­lich gra­vier­te Bö­den.

So­fern die Uhr au­then­tisch und in gu­tem Zu­stand ist, kann na­he­zu je­der Preis auf­ge­ru­fen wer­den. Die

höchs­ten Prei­se er­zie­len voll­stän­dig er­hal­te­ne Mo­del­le, die nie wäh­rend ei­nes Ser­vices im Gen­fer Ro­lex-mut­ter­haus mit ei­nem neu­en Zif­fer­blatt oder Zei­ger­satz ver­se­hen wur­den. Im har­ten Tauch­ein­satz ha­ben al­ler­dings nur we­ni­ge der Comex-dien­stuh­ren in gu­tem oder sehr gu­tem Zu­stand über­lebt. Mit­te der 1970er-jah­re ver­schwand der Bei­na­me Sub­ma­ri­ner 2000, die Sea-dwel­ler wur­de end­gül­tig zu ei­nem ei­gen­stän­di­gen Mo­dell.

Die­triple Six macht die Sea-dwel­ler zum ei­gen­stän­di­gen Mo­dell

1979 führ­te Ro­lex par­al­lel zur 1665 die neue Re­fe­renz 16660 ein. Die bei Samm­lern »Triple Six« ge­nann­te Uhr ist die ers­te Ro­lex mit ei­nem Sa­phirglas und dem neu­en Oys­ter-arm­band mit mas­si­ven statt ble­cher­nen An­schlüs­sen an das Ge­häu­se. Zu­dem bleibt die Triple Six bis 4 000 Fuß – al­so 1 220 Me­tern – was­ser­dicht.

Die ers­ten Uh­ren er­hiel­ten noch ein Zif­fer­blatt mit ap­pli­zier­ter Leucht­mas­se aus Tri­ti­um und hat­ten ei­ne mat­te Ober­flä­che. Heu­te ist ei­ne sol­che Uhr be­son­ders ge­sucht, denn viel­fach wur­den die ori­gi­na­len Zif­fer­blät­ter wäh­rend ei­nes Ser­vices bei Ro­lex ge­gen die spä­te­ren glän­zen­den mit Weiß­gold-in­di­zes ge­tauscht.

Na­tür­lich war die­se Re­fe­renz auch im Ein­satz, als Comex-tau­cher 1988 bei ei­nem Ein­satz an ei­ner Pi­pe­line im Mit­tel­meer ei­nen Re­kord im Tief­tau­chen auf­stell­ten: 534 Me­ter be­trug die Tie­fe, in der die mu­ti­gen Män­ner Ar­bei­ten vor­nah­men.

Seit 1992 er­hal­ten die Com­exTau­cher die 1988 vor­ge­stell­te Se­aDwel­ler 4000 mit der Re­fe­renz 16600. Ein wei­te­rer Re­kord half, die Uhr be­kann­ter zu ma­chen: Der Comex-tau­cher Theo Mav­rost­o­mos ging 1992 auf ei­ne Tie­fe von 701 Me­tern – oh­ne da­bei nass zu wer­den. Der Ver­such wur-

de un­ter wis­sen­schaft­li­cher Be­glei­tung in ei­ner Hoch­druck­kam­mer in Mar­seil­le vor­ge­nom­men, um ein neu­es Be­at­mungs­ge­misch aus Sau­er­stoff, He­li­um und Was­ser­stoff zu tes­ten. Das bis­her ver­wen­de­te Sau­er­stoff-he­li­um­Ge­misch hat­te bei ei­nem Test in den USA zu Kom­pli­ka­tio­nen wie Zit­tern und Ge­dächt­nis­stö­run­gen ge­führt.

Der Sea-dwel­ler kam be­son­de­re Be­deu­tung zu, denn bei dem 43 Ta­ge dau­ern­den Tauch­gang nahm das Ge­häu­se viel He­li­um auf, das wäh­rend der De­kom­pres­si­ons­zeit über das seit- li­che Ven­til aus­strö­men konn­te. Mit der Re­fe­renz­num­mer 16600 war die Sea-dwel­ler lan­ge die kräf­ti­ge Schwes­ter der Sub­ma­ri­ner 16610 und ver­füg­te ne­ben dem di­cke­ren Sa­phirglas über ei­ne hö­he­re Lü­net­te und ei­nen Bo­den mit mehr Wöl­bung. Die enor­me Druck­fes­tig­keit des Ge­häu­ses bis in ei­ne Tie­fe von 1220 Me­tern mach­te die Uhr et­was kopf­las­ti­ger als die Sub­ma­ri­ner. Als ei­nes der ra­ren Se­ri­en­mo­del­le aus dem Gen­fer Haus durf­te sich die Sea-dwel­ler mit He­li­um­ven­til mit ei­ner Bo­den­gra­vur schmü­cken: »Ro­lex Oys­ter Ori­gi­nal Gas Escape Val­ve«. Tat­säch­lich ist die­se au­to­ma­ti­sche Vor­rich­tung für Ro­lex ge­schützt.

Ein neu­er Tauch­re­kord ge­lingt mit der Sea-dwel­ler Deep­sea

Über 20 Jah­re lang än­der­te sich nichts We­sent­li­ches für die Ro­lex Sea-dwel­ler, 2008 war da­her ein Schick­sals­jahr. Die Re­fe­renz 16600 wur­de au­ßer Di­enst ge­stellt und durch ei­nen Su­per­la­tiv er­setzt: Die Sea-dwel­ler Deep­sea mit der Re­fe-

renz 116660 ist was­ser­dicht bis zu ei­ner Tie­fe von 3900 Me­tern. Ne­ben dem Mo­dell mit schwar­zem Zif­fer­blatt ist die Deep­sea heu­te auch mit ei­nem schwarz-blau­en Ver­lauf auf dem Blatt zu ha­ben. Das Ge­häu­se wur­de noch wei­ter ver­stärkt und mit ei­nem spe­zi­el­len Bo­den ver­se­hen. Ein ver­schraub­ter Stahl­ring presst ei­nen ein­ge­leg­ten Titan­de­ckel auf den Kor­pus. Bei gro­ßem Was­ser­druck kann der De­ckel nach­ge­ben und nutzt so das Was­ser als Hilfs­mit­tel, um noch bes­ser ab­zu­dich­ten. Das ge­wölb­te Sa- phirglas ist 5,5 Mil­li­me­ter dick und er­in­nert in sei­ner Form – wie der Na­me der Uhr – an das Ex­pe­ri­ment aus dem Jahr 1960, bei dem Jac­ques Pic­card ei­ne Sub­ma­ri­ner Deep Sea Spe­cial an die Au­ßen­wand sei­nes Tauch­boo­tes Tries­te mon­tier­te und in den Ma­ria­nen­gra­ben im Pa­zi­fi­schen Oze­an auf ei­ne Tie­fe von 10 916 Me­tern hin­ab­tau­chen ließ.

2012 fand das Ex­pe­ri­ment ei­ne Fort­set­zung mit der Ro­lex Sea-dwel­ler Deep­sea Chal­len­ge. Aus­ge­legt auf ei­ne Tauch­tie­fe von 12000 Me­tern war die Uhr 28,5 Mil­li­me­ter hoch, das Glas al­lei­ne wölb­te sich über ei­ne Hö­he von 14,3 Mil­li­me­tern. Be­fes­tigt an ei­nem Tauch­boot er­reich­te die Uhr mit dem Film­re­gis­seur Ja­mes Ca­me­ron ei­ne Tie­fe von 10 898 Me­tern.

Für die Fans der ur­sprüng­li­chen Sea-dwel­ler brach­te das Jahr 2014 gu­te Nach­rich­ten: Die klas­si­sche 4000er tauch­te wie­der auf. Aus­ge­stat­tet mit der neu­en Cer­achrom-lü­net­te, ei­ner Was­ser­dich­te von 1 220 Me­tern und ei­nem Durch­mes­ser von 40 Mil­li­me­tern folg­te das Mo­dell der Sea-dwel­ler-tra­di­ti­on.

2017 ist das Jahr des Ju­bi­lä­ums – die ein­gangs er­wähn­te Da­tums­lu­pe fin­det nun den Weg auf die Sea-dwel­ler. Als Hom­mage an die Ver­gan­gen­heit ist der Mo­dell­schrift­zug in ro­ter Far­be ge­hal­ten. So bringt die neue Re­fe­renz 126600 Ver­gan­gen­heit und Zu­kunft zu­sam­men – das ist der Weg, wie Le­gen­den ent­ste­hen. [961] ———

Die Ro­te: 1967 kam die ers­te Sea-dwel­ler Re­fe­renz 1665 auf den Markt.

Mit He­li­um­ven­til: Die Re­fe­renz 5514 war die ers­te Sub­ma­ri­ner für Comex-tau­cher.

Für Pro­fis: Die Se­aDwel­ler 16600 ging ab 1992 an die Comex-tau­cher.

Triple Six: Die Se­aDwel­ler 16660 ist heu­te ein be­gehr­tes Samm­ler­stück.

Sel­ten­heit: Die Se­aDwel­ler Sub­ma­ri­ner 500 M wur­de nur we­ni­ge Ma­le ge­baut.

1 Mit Er­folg: 2012 be­glei­te­te die Se­aDwel­ler Deep­sea Chal­len­ge Ja­mes Ca­me­ron in 10 898 Me­tern Tie­fe. 2 Mit Tauch­boot: Im Jahr 1960 ließ Jac­ques Pic­card die Sub­ma­ri­ner Deep Sea Spe­cial 10916 Me­ter tief tau­chen. 3 Mit Far­be: Die Sea-dwel­ler Deep­sea Re­fe­renz 116660 trägt ein schwarz­blau­es Zif­fer­blatt. 11 250 Eu­ro.

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