Oris

Preis­ka­te­go­rie bis 10000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Inhalt - Te x t — Mar­ti­na Rich­ter Fo­tos — Her­stel­ler

Die neue Flie­ge­ruhr aus Höl­stein im Kan­ton Ba­sel mit der ak­tu­el­len Ver­si­on 114 des haus­ei­ge­nen Hand­auf­zug­ka­li­bers glänzt durch ein sehr gu­tes Preis-leis­tungs-ver­hält­nis.

Sie ist nicht nur die neu­es­te Flie­ge­ruhr von Oris, son­dern auch mit der aktuellsten Ver­si­on 114 des haus­ei­ge­nen Hand­auf­zug­ka­li­bers aus­ge­stat­tet. Ne­ben zehn Ta­gen Gang­au­to­no­mie bie­tet es ei­ne zwei­te Zeitzone mit 24-St­un­den-ska­la am Zif­fer­blatt­rand und Halb­stun­den-ein­stell­mög­lich­keit. Ab­ge­se­hen da­von, dass sich da­mit auch ent­spre­chen­de Zeit­zo­nen in In­di­en oder Aus­tra­li­en an­zei­gen las­sen, gibt es kaum Ver­gleich­ba­res auf dem Uh­ren­markt.

——— An­ge­nom­men, die Rei­se führt uns im Som­mer nach In­di­en. Al­so stel­len wir die Oris Big Crown Pro Pi­lot Ca­li­bre 114 drei­ein­halb St­un­den vor. Zum Bei­spiel von zwölf Uhr mit­tags auf 15.30 Uhr. Mit dem Zei­ger für die zwei­te Zeitzone be­hal­ten wir die Hei­mat­zeit im Blick. Da­zu dre­hen wir die Kro­ne in ih­rer mitt­le­ren Po­si­ti­on im Uhr­zei­ger­sinn, bis der Zei­ger auf der Ska­la am Zif­fer­blatt­rand auf zwölf Uhr, al­so nach unten zeigt.

Möch­ten wir uns nach Rück­kehr in die deut­sche Hei­mat noch ein paar Ta­ge an die spe­zi­el­le Zeit­ver­schie­bung er­in­nern, stel­len wir den Zei­ger der zwei­ten Zeitzone ent­spre­chend ein. Ist es bei uns Mit­tag, ver­weist des­sen ro­te Spit­ze am Zif­fer­blatt­rand auf ei­nen Punkt zwi­schen 15 und 16, al­so auf 15.30 Uhr. Ist es in In­di­en zwölf Uhr mit­tags, ste­hen die Zei­ger der Hei­mat­zeit auf halb neun.

Die­se Art der Zei­ger­kon­stel­la­ti­on lässt sich auch nut­zen, um Ge­schäfts­kun­den in ei­ner an­de­ren Zeitzone im Au­ge zu be­hal­ten. Na­tür­lich geht das auch im vol­len St­un­den­takt. Die Mög­lich­keit der halb­stün­di­gen Ein­s­tel- lung bie­tet je­doch kaum ein an­de­rer Zeit­mes­ser. Be­kannt ist sie zum Bei­spiel von ei­ner kom­ple­xen Ka­dra­tur in der Glas­hüt­te Ori­gi­nal Se­na­tor Cos­mo­po­li­te, die in Rot­gold al­ler­dings ei­nen Preis von 36500 Eu­ro hat. Da lässt es sich mit der Oris Big Crown Pro Pi­lot Ca­li­bre 114 in Edel­stahl ab 5200 Eu­ro schon kos­ten­güns­ti­ger in die Fer­ne schwei­fen, auch wenn man beim Um­stel­len der Zeit je­des Mal ein biss­chen nach­den­ken muss.

Im ge­pfleg­ten Flie­ge­ruh­ren-stil auf gro­ße Rei­se ge­hen

Die kör­per­li­che An­stren­gung hält sich da­ge­gen in Gren­zen, denn die Be­tä­ti­gung der gro­ßen Kro­ne, wo­nach die 1938 erst­mals prä­sen­tier­te Flie­ge­ruhr be­nannt ist, macht auch gro­ße Freu­de. Das ge­rän­del­te Be­dien­ele­ment lässt sich gut grei­fen, aus sei­ner Ver­schrau­bung lö­sen und mit ge­fühlt si­che­ren Rast­punk­ten in die ein­zel­nen Po­si­tio­nen zie­hen. Nach der Hand­auf­zug­stel­lung folgt die mitt­le­re Po­si­ti­on zur Da­tums­schnell­schal­tung und Zeit­zo­nen­ver­stel­lung und schließ­lich die äu­ße­re zur Zei­ger­stel­lung mit werk­sei­ti­gem Se­kun­den­stopp. Nicht nur die gro­ße Kro­ne nimmt die De­sign-merk­ma­le der Big Crown Pro Pi­lot-kol­lek­ti­on auf. Am reich­lich 44 Mil­li­me­ter gro­ßen, mas­si­ven Edel­stahl­ge­häu­se der Ca­li­bre 114 fällt auch die von Jet-tur­bi­nen in­spi­rier­te ge­rän­del­te Lü­net­te auf, und na­tür­lich zeigt das Zif­fer­blatt ty­pisch Merk­ma­le ei­ner Flie­ge­ruhr. Da wä­ren vor al­lem die star­ken Schwarz-weiß-kon­tras­te zu nen­nen, re­prä­sen­tiert durch die kräf­ti­gen Zei­ger und die gro­ßen ara­bi­sche St­un­den­zif­fern, die bei Dun­kel­heit ge­mein­sam in ei­nem herr­li­chen Blau er­strah­len, so­wie die deut­li­chen und da­mit gut ab­les­ba­ren Ska­len für die Mi­nu­ten und die 24 St­un­den der zwei­ten Zeitzone am Zif­fer­blatt­rand. Letz­te­re ist eher sel­ten in die­ser deut­li­chen Au­s­prä­gung zu fin­den, son­dern zu­meist auf klei­nen Hilfs­zif­fer­blät­tern un­ter­ge­bracht.

Hilfs­zif­fer­blät­ter gibt es bei der Big Crown Pro Pi­lot Ca­li­bre 114 auch, näm­lich als Klei­ne Se­kun­de bei neun und als ver­gleichs­wei­se gro­ße Gan­g­re­ser­vean­zei­ge bei drei Uhr. Die­se In­di­ka­tio­nen ge­hö­ren zu al­len in­zwi­schen

fünf Oris-ka­li­bern der jun­gen Ma­nu­fak­tur-bau­rei­he. Das Da­tum kam mit dem Ca­li­bre 111 da­zu. Es folg­te dem Ca­li­bre 110 oh­ne Da­tum, dem ers­ten von Oris nach 35 Jah­ren wie­der lan­cier­ten ei­ge­nen Uhr­werk. Das war 2014 zum 110-jäh­ri­gen Be­ste­hen des Un­ter­neh­mens. Wäh­rend das Ca­li­bre 111 auch in ei­ner Big Crown tickt, ist das Ca­li­bre 112 mit zwei­ter Zeitzone und Tag-nacht-an­zei­ge auf ei­nem Hilfs­zif­fer­blatt bei zwölf Uhr le­dig­lich in Ar­te­lier-mo­del­len zu fin­den (eben­so wie das Ca­li­bre 113 mit Voll­ka­len­der und Ka­len­der­wo­che). Die Ver­si­on 114 stellt nun in der Big Crown Pro Pi­lot die zwei­te Zeitzone als 24-St­un­den-in­di­ka­ti­on im Halb­stun­den­schritt auf dem Haupt­zif­fer­blatt dar.

Die Uhr mar­kiert da­mit ein neu­es High­light in der Un­ter­neh­mens­ge­schich­te, wäh­rend der Oris dut­zen­de Zeit­mes­ser mit zwei­ter Zeitzone ent­wi­ckel­te. Be­kannt in der ak­tu­el­len Kol­lek­ti­on sind die Big Crown Pro Pi­lot World­ti­mer, die Pro­di­ver GMT oder die li­mi­tier­te Gre­en­wich Me­an Ti­me aus der Ar­te­lier-kol­lek­ti­on.

Auf Hö­hen­flug mit zehn Ta­gen Gang­au­to­no­mie

Ne­ben ei­ner zwei­ten Zeitzone wird auf dem Zif­fer­blatt der Big Crown Pro Pi­lot Ca­li­bre 114 auch die Gan­g­re­ser­ve an­ge­zeigt, und zwar über ein Kreis­seg­ment von 240 Grad. Die Grad­zahl ist da­bei sehr sym­bo­lisch und steht wie in al­len Ka­li­bern der Ma­nu­fak­tur-bau­rei­he für zehn Ta­ge, al­so 240 St­un­den Gang­au­to­no­mie aus nur ei­nem Fe­der­haus. Wo­bei an­de­rer­seits die pan­ten­tier­te Gan­g­re­ser­vean­zei­ge nicht gleich­för­mig – al­so ein Grad pro St­un­de oder 24 Grad pro Tag – ab­läuft.

Bei ge­nau­em Hin­se­hen ent­deckt man näm­lich, dass die Ab­stän­de zwi­schen den ein­zel­nen Ta­gen mit ab­lau­fen­der Gan­g­re­ser­ve im­mer grö­ßer wer­den. Das heißt, der Zei­ger be­wegt sich von zehn, be­zie­hungs­wei­se Voll­auf­zug nach Null nicht mit gleich­blei­ben­der Ge­schwin­dig­keit. Das hat den

Ef­fekt, dass man den kri­ti­schen Be­reich der Gan­g­re­ser­ve, so ab ei­ner Rest­lauf­zeit von vier Ta­gen, de­tail­lier­ter ab­le­sen kann und da­mit deut­li­cher wahr­nimmt, wann man so lang­sam wie­der ans Auf­zie­hen der Uhr den­ken muss. Wenn man es beim täg­li­chen Ge­brauch nicht oh­ne­hin re­gel­mä­ßig tut. Zieht man die Uhr meh­re­re Ta­ge hin­ter­ein­an­der nicht auf, was auch kein Pro­blem ist, oder hat man sie län­ge­re Zeit nicht be­nutzt, er­weist sich das Span­nen der Zug­fe­der bis hin zum Voll­auf­zug al­ler­dings als ein durch­aus auf­wän­di­ges Un­ter­fan­gen.

Sta­bi­le Gang­wer­te wäh­rend ei­ner lan­gen Rei­se

Tech­ni­sche Grund­la­ge der nicht gleich­mä­ßig ab­lau­fen­den Gan­g­re­ser­vean­zei­ge sind zwei ex­zen­tri­sche, schne­cken­för­mi­ge Rä­der, die so ge­gen­ein­an­der dre­hen, dass der Zei­ger sich mit der ge­wünsch­ten Ge­schwin­dig­keit be­wegt. Für die Ent­wick­lung die­ses maß­ge­schnei­der­ten Sch­ne- cken­ge­trie­bes ver­bun­den mit zehn Ta­gen Gang­au­to­no­mie hat Oris in Zu­sam­men­ar­beit mit der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Le Lo­cle ein gan­zes Jahr­zehnt ge­braucht. Um ei­ne gu­te Gang­kur­ve zu er­hal­ten, muss­ten zu­dem die Kräf­te­ver­hält­nis­se im Uhr­werk zwi­schen ei­ner­seits gro­ßem Fe­der­haus und an­de­rer­seits klei­ner Un­ruh pe­ni­bel be­mes­sen, die Fe­der­haus­trom­mel im Qu­er­schnitt und die An­zahl der Win­dun­gen der 1,80 Me­ter lan­gen Auf­zugs­fe­der sehr ge­nau auf­ein­an­der ab­ge­stimmt wer­den.

Bei der Her­stel­lung ar­bei­tet Oris mit mehr als 20 un­ab­hän­gi­gen Part­nern zu­sam­men, die zu kei­nen Kon­zer­nen ge­hö­ren, aber be­kann­te Lu­xus­mar­ken aus­stat­ten. Das Ka­li­ber 114 ist hun­dert Pro­zent Swiss Ma­de. Im Gang­test stel­len wir fest, dass die Uhr über Ta­ge mit an­nä­hernd gleich­blei­ben­den Durch­schnitts­wer­ten (zwi­schen sie­ben und knapp zehn Se­kun­den plus) und nur all­mäh­lich fal­len­den Am­pli­tu­den läuft. Al­ler­dings ist da­bei die Gang­dif­fe­renz zwi­schen den La­gen ziem­lich hoch.

Erst am ach­ten Tag än­dert sich das Gang­bild. Zu die­ser Zeit nä­hert sich der Zei­ger der Gan­g­re­ser­vean­zei­ge ei­nem rot mar­kier­ten Be­reich – wohl in wei­ser Vor­aus­sicht von Oris als je­ner mar­kiert, in der die Uhr zwar noch läuft, aber kein zu­frie­den­stel­len­des Gang­bild mehr ab­gibt – ei­ne

KALIBERTECHNIK AUF DEM ZIF­FER­BLATT Nicht nur zehn Ta­ge Gan­g­re­ser­ve aus nur ei­nem Fe­der­haus sind au­ßer­ge­wöhn­lich, auch de­ren nicht­li­nea­re An­zei­ge. Die­se er­scheint über­sicht­li­cher, wenn das Werk in den gang­kri­ti­schen Be­reich kommt.

Gan­g­re­ser­vean­zei­ge so wie die Uhr­ma­cher sie bei ih­rer Er­fin­dung ver­stan­den ha­ben, näm­lich nicht als An­zei­ge der ge­sam­ten ver­blei­ben­den Rest­lauf­zeit des Uhr­werks seit sei­nem Voll­auf­zug, son­dern als ech­te »Re­ser­ve«, in der die Uhr zwar noch läuft, aber eben nicht mehr gut ge­nug. In der Pra­xis tickt die Big Crown Pro Pi­lot Ca­li­bre 114 so­gar noch län­ger als zehn Ta­ge, sprich über den Rah­men der Gan­g­re­ser­vean­zei­ge hin­aus.

Man merkt das, wenn man die Uhr ein­mal kom­plett ab­lau­fen lässt, stol­pert aber ei­gent­lich schon beim Auf­zie­hen dar­über, dass sich der Gan­g­re­ser­ve-zei­ger erst nach et­li­chen Kro­nen­um­dre­hun­gen in Be­we­gung setzt. Hin­ter ei­ner tri­via­len Er­schei­nung steckt ei­ne hand­fes­te uhr­ma­che­ri­sche Her­aus­for­de­rung, denn das Dif­fe­ren­zi­al­ge­trie­be der Gan­g­re­ser­vean­zei­ge muss den Zei­ger aus­kup­peln, wenn er am En­de der An­zei­ge an­ge­kom­men ist, die Uhr aber noch wei­ter­läuft, und schließ­lich wie- der ein­kup­peln, wenn das Werk auf­ge­zo­gen wird. Wäh­rend man die­se Tech­nik nicht sieht, las­sen sich durch den Ge­win­de­schraub­bo­den der Big Crown Pro Pi­lot Ca­li­bre 114 die ei­gen­wil­lig ver­zahn­ten Schne­cken­rä­der des Gan­g­re­ser­ve­dif­fe­ren­zi­als sehr wohl in­spi­zie­ren. Bei­na­he un­schein­bar be­fin­den sie sich an der Pe­ri­phe­rie des rie­si­gen Fe­der­hau­ses, das mehr als den hal­ben Ra­di­us des Uhr­werks ein­nimmt. Da die Un­ruh da­ge­gen klein ist, fällt erst auf den zwei­ten Blick die Oris-ei­ge­ne Bau­wei­se ih­rer Fein­re­gu­lie­rung auf. Sie er­folgt über ei­nen ge­win­kel­ten Rück­er­zei­ger, des­sen Ver­zah­nung in ei­ne Schrau­be mit Trieb greift. Oris stellt die Uh­ren vor­sätz­lich ei­ni­ge Se­kun­den ins Plus ein – so, wie sich das im Gang­ver­hal­ten un­se­rer Te­stuhr auch dar­stellt. Schon bei der 2016 ge­tes­te­ten Ca­li­bre 111 ver­merk­ten wir ein ganz ähn­li­ches Er­geb­nis. Im Hau­se Oris zeigt man sich durch­aus zu­frie­den da­mit.

Zu­ver­läs­si­ger Be­glei­ter über gro­ße Dis­tan­zen

Fa­zit aus un­se­rer Er­fah­rung: Die küh­ne Grund­kon­zep­ti­on des Uhr­werks er­weist sich auch in der fünf­ten Ver­si­on als pra­xis­taug­lich und durch­aus gangs­ta­bil. Das be­legt nicht zu­letzt das Ver­hal­ten der Big Crown Pro Pi­lot Ca­li­bre 114 am Hand­ge­lenk. Egal, ob sie hier mit Edel­stahl-, Tex­til- oder Le­der­band kom­for­ta­bel be­fes­tigt ist, sie ist ein zu­ver­läs­si­ger Be­glei­ter – über lan­ge Zeit und gro­ße Dis­tan­zen. [5306] ———

Gro­ßes Fe­der­haus: Es nimmt mehr als den hal­ben Ra­di­us des Uhr­werks ein und si­chert zehn Ta­ge Gan­g­re­ser­ve in­klu­si­ve de­ren An­zei­ge.

Gro­ße Kro­ne: Nach dem Be­dien­teil ist die Big Crown be­nannt. Sie si­chert ne­ben gu­ter Hand­ha­bung auch zehn Bar Druck­fes­tig­keit.

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