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Uhren-Magazin - - Inhalt -

Das al­te fran­zö­si­sche Län­gen­maß der Li­nie hält sich noch im­mer wa­cker als Maß­an­ga­be in der Uhr­ma­che­rei. Wir er­klä­ren die Grö­ßen­ord­nung.

Die Li­nie ist ei­ne in der Uh­ren­bran­che noch im­mer ge­bräuch­li­che Maß­ein­heit. Ge­meint ist da­mit die »Pa­ri­ser Li­nie«, die nicht et­wa ei­ne be­son­de­re Me­tro-ver­bin­dun­ge in der fran­zö­si­schen Haupt­stadt be­zeich­net. Viel­mehr han­delt es sich um ein al­tes fran­zö­si­sches Län­gen­maß, das im 17./18. Jahr­hun­dert eu­ro­pa­weit als Re­fe­renz­ein­heit ver­wen­det wur­de. In der Uhr­ma­che­rei führ­ten es die Schwei­zer Ta­schen­uhr­her­stel­lern ein und be­schrie­ben da­mit die Durch­mes­ser ih­rer Ka­li­ber, die auch dem­ent­spre­chend auf ih­ren Rech­nun­gen ver­merkt wa­ren. Zu­vor wur­den die Grö­ßen nach »Pa­ri­ser Zol­len« an­ge­ge­ben. Die­se Ein­heit er­wies sich aber als un­prak­tisch (ei­ne Pa­ri­ser Li­nie ent­spricht 1/12 Zoll), weil man bei den Uhr­wer­ken da­durch stän­dig mit Bruch­tei­len zu tun hat­te, und wur­de des­halb durch die »Li­nie« er­setzt. Die An­ga­be der Pa­ri­ser Li­nie – fran­zö­sisch »Li­g­ne« – nutz­te dem Han­del zur Un­ter­schei­dung der Uhr­wer­ke. Ab­ge­kürzt durch drei Hoch­kom­mas (’’’), ent­spricht ei­ne Li­nie (1’’’) 2,256 Mil­li­me­ter (2,256 mm). Ein Werk mit dem Durch­mes­ser von 10 1/2’’’ wur­de im Fach­jar­gon ein­fach Ka­li­ber 10 1/2’’’ ge­nannt. Da es aber vie­le ver­schie­de­ne Wer­ke­her­stel­ler gab, muss­te man zur Iden­ti­fi­zie­rung ei­nes Ka­li­bers zu­sätz­lich zum Durch­mes­ser auch noch den Her­stel­ler an­ge­ben, al­so zum Bei­spiel ein Ka­li­ber von Adolph Schild als AS 10 1/2’’’. Bald aber fin­gen die Her­stel­ler an, ver­schie­de­ne Wer­ke mit glei­chen Werk­durch­mes­sern zu bau­en. Die­se hat­ten un­ter an­de­rem un­ter­schied­li­che Hem­mun­gen, oder Brü­cken­for­men, um ver­schie­de­ne Kun­den­wün­sche zu er­fül­len. Das führ­te da­zu, dass sich je­der Her­stel­ler ei­ne ei­ge­ne Lo­gik sei­ner Werk­be­zeich­nung über­leg­te, die bald an­stel­le der Li­nie als Ka­li­ber­be­zeich­nung trat, zum Bei­spiel Ka­li­ber AS 313. Die ur­sprüng­li­che In­for­ma­ti­on zum Durch­mes­ser des Ka­li­bers ging da­bei ver­lo­ren. Viel­leicht aus Tra­di­ti­on, viel­leicht, weil sie sich einst als durch­aus prak­tisch zur Er­ken­nung der Uhr­wer­ke er­wie­sen hat, ist die Pa­ri­ser Li­nie als Maß­ein­heit auch heu­te noch bei den Uhr­werk­fa­bri­kan­ten sehr be­liebt und weit ver­brei­tet. Und üb­ri­gens nicht nur bei die­sen, auch Gold­schmie­de, Ju­we­lie­re und Op­ti­ker in sehr vie­len Län­dern nut­zen noch im­mer die­se An­ga­be. Die ETA zum Bei­spiel sor­tiert auf ih­rer Home­page die Uhr­wer­ke noch vor dem Mil­li­me­ter­maß nach Li­ni­en. Un­ter den 11 1/2’’’-li­ni­gen Wer­ken, was 25,6 Mil­li­me­tern im Durch­mes­ser ent­spricht, fin­det sich so ein Groß­teil der weit ver­brei­te­ten 28er-bau­rei­he. 16 1/2’’’ Li­ni­en, das sind 36,6 Mil­li­me­ter, mes­sen die ehe­ma­li­gen Uni­tasTa­schen­uhr­ka­li­ber 6497/6498. Aber auch die neu­en Val­gran­ges-ka­li­ber ha­ben die­sen Durch­mes­ser, der eben­falls in Li­ni­en an­ge­ge­ben wird. [5910] Ma­ri

Klei­nes Tech­ni­kLe­xi­kon von »A« wie An­ker­rad­zahn bis »Z« wie Zug­fe­der

Li­ni­en­treu: Die Li­nie als Maß für den Werk­durch­mes­ser führ­ten die Schwei­zer Ta­schen­uhr­her­stel­ler ein. Sie wird auch heu­te noch be­nutzt, zum Bei­spiel von der ETA für das ehe­ma­li­ge Uni­tasTa­schen­uhr­werk 6497, oben zu se­hen in ei­nem Zeit­mes­ser von Sinn Spe­zi­al­uh­ren.

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