PATRICK DEMPSEY

über Uh­ren und Mo­tor­sport

Uhren-Magazin - - Erste Seite - In­ter­view — Hol­ger Christ­mann Fo­tos — Her­stel­ler

Sie sind Mar­ken­bot­schaf­ter von TAG Heu­er. An­geb­lich wa­ren Sie aber schon vor­her ein Fan der Mar­ke. Was ist da dran?

Das stimmt. TAG Heu­er ist ei­ne Iko­ne im Renn­sport. Was mir als Ren­fah­rer an den Heu­er-chro­no­gra­phen schon im­mer ge­fiel, ist die­se Be­to­nung der Pra­xis­taug­lich­keit und der gu­ten Ables­bar­keit. Dar­über hin­aus sind es Zeit­mes­ser von ho­her Per­fek­ti­on, und Zeit ist das, wor­um es im Mo­tor­sport geht. Uh­ren mit Ge­schich­te wie die Heu­er Mo­na­co und die Au­ta­via ver­ra­ten uns au­ßer­dem et­was dar­über, wo­her wir kom­men.

Ist die Ge­schich­te ei­ner Uhr et­was, das Sie be­son­ders in­ter­es­siert?

Ich lie­be Vin­ta­ge-uh­ren. Sie sind wie Zeit­kap­seln. Ich be­sit­ze ei­ne klei­ne Samm­lung, dar­un­ter ei­ne Vin­ta­ge Au­ta­via. Als ich 2015 das Ren­nen im bel­gi­schen Spa ge­fah­ren bin und mich dann aus dem ak­ti­ven Renn­sport ver­ab­schie­det ha­be, gönn­te ich mir ein Ru­he­stands­ge­schenk. Ich fand in ei­nem klei­nen Ge­schäft ei­ne Vin­ta­ge Mo­na­co. Ei­ne sol­che Uhr hat viel Ähn­lich­keit mit ei­nem Old­ti­mer. Die Leu­te se­hen sie und re­agie­ren dar­auf emo­tio­nal. Und ih­re Re­ak­tio­nen sind meist po­si­tiv. Aus Uh­ren wie die­sen ent­wi­ckelt sich meist ein gu­tes Ge­spräch. Ne­ben­bei for­dert ei­nen der Blick auf den Zeit­mes­ser da­zu auf, im Hier und Jetzt zu le­ben. Das ver­leiht je­der Uhr ei­ne in­ter­es­san­te Sym­bo­lik.

Wel­che Be­deu­tung hat das Sam­meln für Sie?

Was bei ech­ten Samm­lern auf­fällt, ist dass sie ger­ne tei­len, was sie ha­ben. Sie ver­ste­hen sich nicht als et­was Eli­tä­res, son­dern als Teil ei­ner Com­mu­ni­ty, die un­ter­ein­an­der ei­nen Dia­log führt. Das ist toll. Ein ge­mein­sa­mes Sam­mel­in­ter­es­se über­win­det öko­no­mi­sche Bar­rie­ren und Wel­t­an­schau­un­gen. Es ver­bin­det Men­schen über Gren­zen hin­weg.

Wor­auf le­gen Sie sonst noch bei Uh­ren wert? Sie sind ein Fan von TAG Heu­ers Mo­tor­sport-kol­lek­ti­on im Vin­ta­ge-look. Ich den­ke an die Mo­na­co Ca­li­bre 11 von 2016, die Au­ta­via und die Mon­za.

Mit ei­ner Uhr muss man in­ter­agie­ren. Zur Tag-heu­er-vin­ta­ge-kol­lek­ti­on und zu den his­to­ri­schen Mo­del­len ha­be ich ein sehr emo­tio­na­les Ver­hält­nis. Man pflegt sie, man hört ih­nen zu. Für ei­nen Mann ist ei­ne Uhr ge­ne­rell auch ein Schmuck­stück. Sie zeigt, wo­für er steht und woran er glaubt.

Ha­ben Sie sol­che Zeit­mes­ser am Steu­er ih­res Renn­wa­gens ge­tra­gen?

Mei­ne Vin­ta­ge Mo­na­co ha­be ich das gan­ze Jahr ge­tra­gen, auch im Cock­pit

mei­nes Renn­wa­gens. Auch mei­ne blaue Mo­na­co, die ers­te, die ich von TAG Heu­er be­kam, trug ich 2014 wäh­rend des Ren­nens. Sie hat da­bei ein paar Schram­men ab­ge­kriegt und hat jetzt ei­ne net­te Pa­ti­na. Ich ver­schenk­te sie aus Dank­bar­keit für die tol­le Zu­sam­men­ar­beit an mei­nen Team-kol­le­gen Patrick Long. Ich be­sit­ze im­mer noch die Uhr, die ich 2015 be­kom­men ha­be und mit der ich in Le Mans Zwei­ter wur­de. Im­mer wenn ich mir ein neu­es Ziel set­ze, zie­he ich sie an. Sie er­in­nert mich da­ran, wie viel Ar­beit da­zu­ge­hör­te, um die­ses Ziel zu er­rei­chen. Wenn ich sie tra­ge, spornt sie mich an, auch in schwie­ri­gen Zei­ten nie auf­zu­ge­ben.

Sie sind 2015 als Fah­rer beim 24-St­un­den-ren­nen von Le Mans Zwei­ter in der Klas­se GTE-AM ge­wor­den. Jetzt star­ten sie zwar nicht mehr selbst, son­dern be­trei­ben ei­nen ei­ge­nen Renn­stall. Was ist ge­ra­de an Le Mans so be­son­ders?

Je­der Renn­fah­rer träumt da­von, in Le Mans zu fah­ren. Es ist das be­deu­tends­te und pres­ti­ge­träch­tigs­te Aus­dau­er­ren­nen der Welt. Es ist hei­li­ger Bo­den. 2005 und 2006 ha­be ich das Ren­nen noch als Fan be­sucht. Schon die schie­re Grö­ße des Events hat mich um­ge­hau­en. Ich nahm am Pit Walk teil und wuss­te, dass ich ei­nes Ta­ges als Fah­rer hier­her zu­rück­kom­men möch­te. Das ist mir dann vier­mal ge­lun­gen. Le Mans stellt ganz be­son­de­re An­for­de­run­gen. Vor al­lem muss man als Gen­tle­man-fah­rer ler­nen, sich bei ho­hem Tem­po zwi­schen un­ter­schied­li­chen Fahr­zeug­klas­sen zu­recht­zu­fin­den.

Wie lan­ge am Stück ha­ben Sie im Cock­pit durch­ge­hal­ten?

Ma­xi­mal zwei bis drei St­un­den. Vor al­lem nachts war es dann ir­gend­wann nicht so ein­fach. Ich bin jetzt 52, und mei­ne Nacht­sicht ist nicht mehr die bes­te. 2015 war mir klar: Dies wür­de mein letz­tes Mal sein.

War die Nacht­sicht der Grund für Sie, als ak­ti­ver Fah­rer auf­zu­hö­ren?

Es hät­te enor­men Ein­satz ge­braucht, um bes­ser zu wer­den. Wenn man auf dem Ni­veau mit­hal­ten möch­te, muss man hun­dert Pro­zent ge­ben. Ich hät­te das schaf­fen kön­nen, aber zu wel­chem Preis für mei­ne Fa­mi­lie? Ich hat­te mei­ne Zie­le er­reicht. Es war ei­ne be­son­de­re Eh­re, TAG Heu­er in Le Mans zu ver­tre­ten, mit Por­sche auf dem Po­dest zu ste­hen und am Be­ginn des 919er-pro­gramms mit da­bei ge­we­sen zu sein. Das war der tolls­te Mo­ment in mei­nem Le­ben. Jetzt ha­be ich neue Zie­le. Und 2018 als Te­am­Chef in Le Mans zu ge­win­nen, das war das Sah­ne­häub­chen mei­ner Kar­rie­re.

An­geb­lich hat Ih­re Frau Sie ge­be­ten, Ih­re Renn­fah­rer-kar­rie­re zu be­en­den.

Zu­min­dest stand sie je­des­mal To­de­s­ängs­te aus, wenn ich Ren­nen fuhr. Bei den Kin­dern war es eher so, dass sie mich ver­miss­ten, weil ich so viel un­ter­wegs war.

Ha­ben Sie nie da­ran ge­dacht, Ih­re bei­den Ta­len­te als Mo­tor­sport­ler und Schau­spie­ler zu ver­bin­den und in ei­nem Renn­fah­rer­film wie »Le Mans« die Haupt­rol­le zu spie­len?

Das wä­re schwer. Das ha­ben an­de­re vor mir so gut ge­macht, mit de­nen möch­te ich mich nicht mes­sen. Aber ich pro­du­zie­re ge­ra­de ei­nen Film über ei­nen Renn­fah­rer, »The Art of Ra­c­ing in the Rain« nach dem Ro­man von Garth St­ein (deutsch: En­zo oder die Kunst, ein Mensch zu sein, Anm. d. Red). Im Som­mer dre­hen wir in Ka­na­da die Renn­sze­nen. Dann folgt ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on über die Renn­le­gen­de Hur­ley Hay­wood.

In die Fuß­stap­fen Ste­ve Mc­queens wol­len Sie al­so nicht tre­ten?

Ich er­in­ne­re mich an den Film »Le Mans« und an Ste­ve Mc­queens Gul­fCar. Als ich es jetzt im Au­to­mo­bil­mu­se­um von Mo­na­co ste­hen sah, dach­te ich: Oh mein Gott, das ist das Fahr­zeug, mit dem ich ge­spielt ha­be, als ich ein klei­ner Jun­ge war. [5624] ———

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