CLIFTON BAUMATIC

Die Ein­stei­ge­ruhr mit Ma­nu­fak­tur­werk über­zeugt im Test

Uhren-Magazin - - Erste Seite - Text — Mar­ti­na Rich­ter Fo­tos — Ok-pho­to­gra­phy/© vir­tua73/fo­to­lia

Die klas­si­sche Clifton Baumatic er­reicht fünf Ta­ge Gang­au­to­no­mie bei vol­ler Chro­no­me­ter­prä­zi­si­on, bie­tet all­tags­taug­li­chen Ma­gnet­feld­schutz von 1500 Gauß und lan­ge, kun­den­freund­li­che War­tungs­in­ter­val­le. Und das zu ei­nem auf­se­hen­er­re­gen­den Preis. Wir tes­ten die ers­te Uhr mit dem neu­zeit­li­chen Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber BM12-1975A von Baume & Mer­cier.

——— Da, wo sich der Blick im Au­to­ma­tik­ka­li­ber BM12-1975A fängt, si­chert ei­ne Fe­der in Form des Baume & Mer­cier-em­blems die schwin­gen­de Un­ruh. Der 21. Buch­sta­be des grie­chi­schen Al­pha­bets na­mens »Phi« ist erst seit 1964 Mar­ken­zei­chen des be­reits seit 1830 be­ste­hen­den Un­ter­neh­mens. Den Gol­de­nen Schnitt, wo­für die ir­ra­tio­na­le Zahl Phi als Tei­lungs­ver­hält­nis steht, macht Baume & Mer­cier mit der Clifton Baumatic zwi­schen in­no­va­ti­vem Uhr­werk und be­zahl­ba­rem Zeit­mes­ser.

Die­ses »Tei­lungs­ver­hält­nis« kenn­zeich­net von An­fang an den Ent­wick­lungs­ge­dan­ken für das ei­ge­ne me­cha­ni­sche Uhr­werk, das Baume & Mer­cier schon meh­re­re Jah­re zu­vor ins Au­ge ge­fasst hat­te. Doch erst mit der Ka­pa­zi­täts­stei­ge­rung der 2005 ent­stan­de­nen Wer­ke­schmie­de Val Fleu­ri­er und der Grün­dung des For­schungs- und In­no­va­ti­ons­zen­trums von Ri­che­mont, das 2017 in den In­no­va­ti­ons­pool Mi­cro­ci­ty Neu­châ­tel in­te­griert wur­de, ent­stan­den Vor­aus­set­zun­gen, um ein leis­tungs­star­kes Uhr­werk zu ei­nem wett­be­werbs­fä­hi­gen Preis kre­ieren zu kön­nen.

In­no­va­ti­ves Uhr­werk er­füllt zeit­ge­mä­ße Qua­li­täts­an­sprü­che

Vier zeit­ge­mä­ße Qua­li­täts­kri­te­ri­en wur­den da­bei in den Mit­tel­punkt ge­stellt: Ho­he Prä­zi­si­on in un­ter­schied­li­chen Po­si­tio­nen und über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum – al­so ei­ne ho­he Gang­au­to­no­mie – all­tags­re­le­van­te Ma­gnet­feld­re­sis­tenz und lan­ge Halt­bar­keit.

Schaut man durch den mit vier Schrau­ben ge­si­cher­ten Sa­phirglas­bo­den der Clifton Baumatic, bleibt der Blick tat­säch­lich »nur« an der Un­ruh hän­gen. Denn an­sons­ten ver­de­cken kom­pak­te Brü­cken ei­nen Groß­teil des Wer­kes, wo­durch aber ein so­li­der und sta­bi­ler Ein­druck ent­steht. Doch an­hand des mit vier Hertz os­zil­lie­ren­den Reifs er­kennt man noch nicht die in dem neu­en Ka­li­ber BM12-1975A ste­cken­den In­no­va­tio­nen.

Un­ruh­spi­ra­le und Hem­mung, sprich An­ker und An­ker­rad, sind mit blo­ßem Au­ge lei­der kaum zu er­ken­nen. Sie be­ste­hen al­le­samt aus Si­li­zi­um. Und es han­delt sich um die ers­te der­ar­ti­ge Kom­bi­na­ti­on, die in der Ri­che­mont- Grup­pe ent­wi­ckelt wur­de. Die mit­hil­fe der so­ge­nann­ten Power-

scape-tech­no­lo­gie ge­fer­tig­ten Hem­mungs­tei­le – An­ker und An­ker­rad – ha­be ei­ne kom­ple­xe Geo­me­trie, für de­ren Ent­wick­lung ge­ne­ti­sche Al­go­rith­men be­nutzt wur­den. Die neue Hem­mung ver­ur­sacht we­ni­ger Rei­bungs­ver­lus­te und sorgt für ei­ne bes­se­re Über­tra­gung des Dreh­mo­ments, wo­durch die Gang­au­to­no­mie des Ka­li­bers BM12-1975A um mehr als 30 Pro­zent ge­gen­über ver­brei­te­ten Stan­dard­wer­ken ge­stei­gert wur­de.

Ho­he Leis­tungs­stei­ge­rung durch mo­der­ne Tech­no­lo­gi­en

Ein wei­te­res Drit­tel Leis­tungs­ver­bes­se­rung kommt von der Un­ruh­spi­ra­le, die mit der Twin­spir-tech­no­lo­gie aus­ge­stat­tet ist. Da­bei han­delt es sich um ei­ne Ver­bund­struk­tur aus zwei um 45 Grad ver­setzt aus­ge­rich­te­ten Si­li­zi­um­schich­ten und ei­ner da­zwi­schen­lie­gen­den Si­li­zi­um­di­oxi­dschicht, die ei­ne wich­ti­ge Rol­le bei

der Tem­pe­ra­tur­kom­pen­sa­ti­on spielt. Zu­dem ist die Spi­ra­le drei­mal leich­ter als ei­ne kon­ven­tio­nel­le Un­ruh­fe­der, kor­ro­si­ons­be­stän­dig, we­ni­ger emp­find­lich ge­gen­über Stö­ßen und Vi­bra­tio­nen so­wie ma­gne­ti­schen Fel­dern. Zu der vom Her­stel­ler an­ge­ge­ben er­höh­ten Ma­gnet­feld­si­cher­heit von 1500 Gauß tra­gen wei­te­re Tei­le des Uhr­werks bei, die aus nicht fer­ro­ma­gne­ti­schen Ma­te­ria­li­en ge­fer­tigt sind, zum Bei­spiel der Spi­ral­klötz­chen­trä­ger.

In mehr­fach wie­der­hol­ten Tests, bei de­nen wir die Clifton Baumatic über län­ge­re Zeit Ma­gnet­fel­dern von et­wa 1000 Gauß aus­setz­ten, stell­ten wir fest, dass sie wäh­rend­des­sen in ih­rem Gang dif­fe­riert und die Am­pli­tu­den fal­len. Auf den Tag hoch­ge­rech­net wä­ren wir auf ei­ne knap­pe Mi­nu­te Gan­g­ab­wei­chung ge­kom­men. Ist die Uhr al­ler­dings wie­der aus dem Ma­gnet­feld raus, fin­det sie sehr schnell zu ih­ren al­ten Gang­qua­li­tä­ten zu­rück. Und zwar oh­ne Ent­ma­gne­ti­sie­rung.

Mit die­ser nach­ge­wie­se­nen Ma­gnet­feld­re­sis­tenz trotzt die Clifton Baumatic Fel­dern, wie sie uns im All­tag durch Hand­ta­schen­ver­schlüs­se, Han­dy­hül­len, Laut­spre­cher­bo­xen und ähn­li­che Din­gen be­geg­nen kön­nen. Sie liegt x-mal hö­her als es Nor­men, nach de­nen Zeit­mes­ser als an­tima­gne­tisch gel­ten, ver­lan­gen, und bie­tet mehr Kom­fort als ein Weich­ei­sen­kä­fig. Baume & Mer­cier ver­folgt aber nicht das An­sin­nen, ei­ne Ma­gnet­feld­re­sis­tenz zu er­rei­chen, die über die­se All­tags­re­le­vanz hin­aus­geht.

Ent­wick­lungs­ziel er­reicht: Sta­bi­le Gang­wer­te über fünf Ta­ge

Die Si­li­zi­um­spi­ra­le ist an ei­ner eben­falls neu ge­stal­te­ten Un­ruh mit va­ria­blem Träg­heits­mo­ment be­fes­tigt. Re­gu­liert wird die­se über vier Jus­tier­ge­wich­te. So­wohl durch Tech­no­lo­gie als auch durch Reg­la­ge hält das Ka­li­ber BM12-1975A, was sein Chro­no­me­ter­zer­ti­fi­kat be­sagt. Es läuft so­wohl zwi­schen den ein­zel­nen La­gen als auch über sei­ne lan­ge Gang­dau­er von fünf Ta­gen er­staun­lich sta­bil. Da­bei fal­len die Am­pli­tu­den ganz all­mäh­lich, kom-

men aber nicht un­ter die kri­ti­sche Mar­ke von 200 Grad. Die Gang­dif­fe­renz zwi­schen den ein­zel­nen Po­si­tio­nen liegt in kei­ner Si­tua­ti­on über fünf Se­kun­den, und die Uhr zeigt selbst am fünf­ten Tag noch ei­nen be­mer­kens­wer­ten Durch­schnitts­gang. Da­mit die­ser am En­de nicht doch noch ins Nir­va­na ab­drif­tet, wird das Uhr­werk nach 120 St­un­den an­ge­hal­ten.

Mo­der­nes Uhr­werk tickt in schlich­tem Ge­wand

Ein gro­ßer Vor­teil der lan­gen und zu­ver­läs­si­gen Gang­au­to­no­mie ist na­tür­lich, dass die Baumatic ganz ge­trost so­gar in ein lan­ges Wo­che­n­en­de ver­schwin­den kann, oh­ne dass sie da­nach gleich neu ge­stellt oder von Hand auf­ge­zo­gen wer­den muss.

Wie­der am Hand­ge­lenk, er­le­digt den Auf­zug dann ein beid­sei­tig wir­ken­des Au­to­ma­tik­ge­trie­be mit Klin­ken – eben­falls ei­ne Neu­ent­wick­lung von Ri­che­mont, die auch an­de­ren Mar­ken zu­gu­te­kommt, bei­spiels­wei­se der IWC in der neu­en Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber-bau­rei­he 69000.

Ob über den ske­let­tier­ten Wolf­ram­ro­tor der Au­to­ma­tik oder per Hand über die er­staun­lich gut ge­hen­de Kro­ne, ge­la­den wird für fünf Ta­ge Gang­au­to­no­mie nur ein Fe­der­haus, das ein wei­te­res Drit­tel Leis­tungs­stei­ge­rung bei­steu­ert. Bei der Uhr­werk­ent­wick­lung wur­den des­sen Ab­mes­sun­gen so op­ti­miert, dass die An­zahl gän­gi­ger Fe­der­um­gän­ge nicht er­höht wer­den muss­te. Die Auf­zugs­fe­der be­steht zu­dem aus dem hoch­wer­ti­gen Ma­te­ri­al Ni­vaf­lex Plus.

Dass Baume & Mer­cier für die Clifton Baumatic die War­tungs­in­ter­val­le ver­län­gern kann, liegt nicht zu­letzt an drei von Ri­che­mont selbst syn­the­ti­sier­ten Ölen und ei­nem zum Ein­satz kom­men­den Schmier­stoff aus der Luft­fahrt. La­b­or­tests si­mu­lie­ren laut Her­stel­ler ei­ne mehr als zehn­jäh­ri­ge Be­an­spru­chung.

So lan­ge wird bei täg­li­chem Ge­brauch selbst das in Frank­reich pro­du­zier­te hoch­wer­ti­ge Al­li­ga­tor­le­der­arm­band nicht durch­hal­ten. Da er­leich­tert ein Schnell­wech­sel­sys­tem den Aus­tausch. Mit­tels klei­ner Stif­te wer­den

die Band­ste­ge zwi­schen den Hör­nern des Ge­häu­ses ge­löst, und ein neu­es oder an­de­res Band kann schnell ein­ge­setzt wer­den. Für un­ter­schied­li­che Di­cke und Ste­ge gibt es zwei Boh­run­gen in den Hör­nern. Die­se sind leicht nach unten ge­zo­gen, so dass die Clifton Baumatic char­mant am Hand­ge­lenk Platz nimmt. Zu ih­rem schlich­ten Auf­tritt passt die eben­so schlich­te Dorn­schlie­ße am Le­der­band.

Auch das teils po­lier­te, teils sa­ti­nier­te Ge­häu­se wirkt ge­die­gen. Oben schließt es ein ge­wölb­tes und ent­spie­gel­tes Sa­phirglas ab. Hin­ter die­sem lässt sich die Zeit trotz zahl­rei­cher Fa­cet­ten an den ver­nie­te­ten St­un­den­ap­pli­ken und den lan­zen­för­mi­gen Zei­gern gut ab­le­sen. Al­ler­dings nur am Ta­ge. An Leucht­far­be fehlt es auf dem strah­lend wei­ßen Zif­fer­blatt mit sei­nem por­zel­lan­ar­ti­gen Fi­nish. Da­für ist das ver­gleichs­wei­se gro­ße Da­tum bei drei Uhr gut zu er­ken­nen. Nur bei der Chro­no­me­ter­ver­si­on der Clifton Baumatic en­det hier die dün­ne Li­nie ei­nes Fa­den­kreu­zes, das die be­son­de­re Prä­zi­si­on des neu­en Zeit­mes­sers von Baume & Mer­cier sym­bo­li­sie­ren soll. Es gibt ihn in ver­schie­de­nen Aus­füh­run­gen – auch oh­ne Chro­no­me­ter­zer­ti­fi­kat, dann auch oh­ne Fa­den­kreuz und na­tür­lich oh­ne die Auf­schrift Chro­no­me­ter auf dem Zif­fer­blatt und für 150 Eu­ro we­ni­ger.

Gol­de­ner Schnitt für ein jun­ges Kli­en­tel

Mit gu­tem Preis-leis­tungs-ver­hält­nis und mo­der­nem Uhr­werk wen­det sich die Clifton Baumatic an jun­ge Kun­den, die in die Zu­kunft den­ken. Funk­tio­na­li­tät hat Prio­ri­tät, oh­ne die Tra­di­ti­on zu ver­ges­sen. Aber der grie­chi­sche Buch­sta­be Phi be­schreibt ja auch nicht nur den Gol­de­nen Schnitt in der An­ti­ke. [3518] ———

Be­wer­tung in der Preis­ka­te­go­rie bis 3 000 Eu­ro

Baume & Mer­cier 90 Punk­te von 100

Strah­lend weiß: Das Zif­fer­blatt der Clifton Baumatic mit por­zel­lan­ar­ti­gem Fi­nish. Gu­te Ables­bar­keit trotz vie­ler Fa­cet­ten.

Hin­ter Glas: Das BM12-1975A ver­eint vie­le In­no­va­tio­nen, ist sta­bil ge­baut, gibt da­her we­nig Ein­blick in die Mecha­nik.

Gol­de­ner Schnitt: Da­für steht das Phi auch als Sym­bold der Mar­ke. Hier als be­son­de­re Äs­t­he­tik des fla­chen Ge­häu­ses.

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