Puls­schlag aus Stahl

Her­bert Grö­ne­mey­ers Uhr für Wem­pe Glas­hüt­te

Uhren-Magazin - - Erste Seite - Text — Hol­ger Christ­mann Fo­tos — Axel Mar­tens, Selec­ted by Wem­pe 2018

——— Dass Film­schau­spie­ler und Mu­si­ker Uh­ren lie­ben und sam­meln, ist kei­ne Sel­ten­heit. Dass ein Pro­mi­nen­ter selbst er­folg­reich ei­ne Uhr de­signt hat, ist der­weil nicht über­lie­fert. Jetzt ist es so­weit. Seit Ju­ni ist die Zeit­meis­ter Stahl 1 auf dem Markt. Wie der Na­me na­he­legt, ent­stand sie in Ko­ope­ra­ti­on mit Wem­pe Glas­hüt­te I/SA. Die Uhr ist nur in Nie­der­las­sun­gen des Ju­we­liers Wem­pe er­hält­lich und kos­tet in der Va­ri­an­te mit stahl­blau­em Zif­fer­blatt 2850 Eu­ro, in der ori­gi­nel­len Aus­füh­rung in Ra­c­ing Gre­en hun­dert Eu­ro mehr.

Dass Her­bert Grö­ne­mey­er et­was von Uh­ren ver­steht, wuss­ten Ein­ge­weih­te längst. Der Mu­si­ker pflegt seit 40 Jah­ren »ei­nen Uh­ren­tick«, wie er das nennt, und ist in der Bran­che als Samm­ler be­kannt. Schon lan­ge träum­te er da­von, ei­ne Uhr selbst zu de­si­gnen und konn­te sei­ne Ide­en nun zu­sam­men mit Wem­pe ver­wirk­li­chen. Das Er­geb­nis nach zwei Jah­ren in­ten­si­ven Aus­tauschs ist die »Zeit­meis­ter Stahl 1 de­si­gned by Her­bert Grö­ne­mey­er«.

Grö­ne­mey­er wünsch­te sich ei­ne recht­ecki­ge Uhr, weil »kei­ne zeit­ge­nös­si­sche, pu­re und recht­ecki­ge Män­ner­uhr exis­tiert, son­dern nur neu auf­ge­leg­te Re­tro­mo­del­le« – al­so Klas­si­ker wie die San­tos von Car­tier, die Car­tier Tank, die Re­ver­so von Ja­e­ger-le­coult­re und die TAG Heu­er Mo­na­co. Tat­säch­lich wird der Markt trotz die­ser De­sign-iko­nen un­über­seh­bar von run­den Mo­del­len be­herrscht.

Leicht ex­zen­trisch mu­te­te zu­nächst die Idee des Mu­si­kers an, dass der Zeit­mes­ser ein grü­nes Zif­fer­blatt be­kom­men sol­le. Grö­ne­mey­er prä­zi- sier­te je­doch, das Blatt sol­le in Ra­c­ing Gre­en ge­hal­ten sein – ei­ner Far­be, die man von eng­li­schen Sport­wa­gen kennt (man denkt auch an Bar­bourJa­cken) und die durch­aus No­bles­se aus­strahlt. Die­sen Farb­ton fand man bei Wem­pe in­ter­es­sant. Um sich nicht ganz auf Neu­land zu be­ge­ben, ver­stän­dig­te man sich mit Gö­ne­mey­er auf ein zwei­tes Mo­dell in Stahl­blau.

Der Na­me der Uhr, Stahl 1, ist ei­ne Re­fe­renz an Grö­ne­mey­ers Hei­mat, dem einst von Koh­le und Stahl ge­präg­ten Ruhr­ge­biet. Wie sang er doch 1984 in sei­nem Lied »Bochum«? »Du hast ‘n Puls­schlag aus Stahl. Man hört ihn laut in der Nacht.« Un­ge­fähr ein Dut­zend Mal tra­fen sich Wem­pes Uh­ren­chef Bern­hard Stoll, Gun­ter Teu­scher, Pro­duk­ti­ons­chef von Wem­pe Glas­hüt­te I/SA, Uwe Beck­mann, Ge­schäfts­füh­rer der Nie­der­las­sung in Frank­furt, und Grö­ne­mey­er in Ham­burg und Glas­hüt­te. Grö­ne­mey­er be­ein­fluss­te den kom­plet­ten De­sign­pro­zess, be­riet sich mit dem Gra­fi­ker sei­ner Plat­ten­co­ver und brach­te zu Be­spre­chun­gen selbst ge­zeich­ne­te Ent­wür­fe mit. Der 62-jäh­ri­ge Sän­ger setz­te meh­re­re Än­de­run­gen durch: So wur­den die Sta­bin­di­zes bei zwölf und sechs Uhr ver­län­gert, um dem Zif­fer­blatt »Cha­rak­ter zu ge­ben«. Grö­ne­mey­er über­zeug­te Wem­pe so­gar da­von, das Zeit­meis­ter-lo­go aus den sech­zi­ger Jah­ren an die schnör­kel­lo­se De­sign­spra­che der Stahl 1 an­zu­pas­sen und da­für des­sen wei­che Se­ri­fen zu op­fern.

Beim Uhr­werk leg­te Grö­ne­mey­er auf Au­to­ma­tik wert, »weil Män­ner das Prak­ti­sche lie­ben«. Er tra­ge selbst am liebs­ten Au­to­ma­tik­uh­ren. Wie an­de­re Zeit­meis­ter-chro­no­me­ter wur­de die Stahl 1 mit dem ETA 2000-1 aus­ge­rüs­tet. Es zeigt St­un­den, Mi­nu­ten, Se­kun­den und Da­tum an. Die Uhr­ma­cher in Glas­hüt­te er­wei­ter­ten es um ei­nen Se­kun­den­stopp und ver­bes­ser­ten die Fein­re­gu­lie­rung. Es ge­hört zum An­spruch von Wem­pe, sei­ne Zeit­meis­ter-li­nie der stren­gen

Cro­no­me­ter­prü­fung der Stern­war­te Glas­hüt­te zu un­ter­zie­hen. Den Test hat die Stahl 1 laut Wem­pe mit ei­ner mitt­le­ren Gan­g­ab­wei­chung von zwei Se­kun­den pro Tag be­stan­den.

Die Zif­fer­blät­ter sind gal­va­ni­siert. Das 49,0 mal 31,8 Mil­li­me­ter um­fas­sen­de Edel­stahl­ge­häu­se wur­de po­liert und im Fall der ra­c­ing-grü­nen Ver­si­on zu­sätz­lich mit PVD be­schich­tet und mit­tels Kols­te­ri­sie­rung ge­här­tet. Es ist so­mit we­ni­ger an­fäl­lig für Krat­zer und Bles­su­ren. Für spür­ba­ren Tra­ge­kom­fort sorgt ei­ne leich­te Wöl­bung des Ge­häu­ses. Die Zeit­meis­ter Stahl 1 schmiegt sich tat­säch­lich an­ge­nehm auch an schma­le­re Hand­ge­lenk an – was sie für Frau­en in­ter­es­sant macht.

Der nam­haf­te Gast­de­si­gner ver­zich­te­te dar­auf, sich auf dem Zif­fer­blatt zu ver­ewi­gen. Grö­ne­mey­ers Na­me ist de­zent auf dem Ge­häu­se­bo­den ne­ben der Gra­vur der Stern­war­te in Glas­hüt­te und der Li­mi­tie­rung ver­merkt. Auch ver­die­nen woll­te Grö­ne­mey­er nichts an sei­nem Werk. Das ver­ein­bar­te De­si­gner-ho­no­rar spen­det er über die Platt­form »Mu­sik Be­wegt« der Or­ga­ni­sa­ti­on »Ärz­te oh­ne Gren­zen«.

Bern­hard Stoll ver­gleicht die blaue Uhr in Ana­lo­gie zur Mu­sik mit ei­ner »ele­gan­ten Bal­la­de«, das Mo­dell in Ra­c­ing Gre­en mit »coo­ler Rock­mu­sik«. Bei­de Ver­sio­nen sind auf je 250 Ex­em­pla­re li­mi­tiert. Auf­grund der Li­mi­tie­rung, der sel­te­nen Ko­ope­ra­ti­on und der ori­gi­nel­len De­sign­spra­che ist ihr Wert­stei­ge­rungs­po­ten­ti­al zu­zu­trau­en. Wer an der Zeit­meis­ter Stahl 1 in­ter­es­siert ist, soll­te sich je­doch nicht all­zu lan­ge Zeit las­sen. En­de Ju­li war mehr als die Hälf­te der Chro­no­me­ter ver­kauft. Fast die Hälf­te der Käu­fer sol­len üb­ri­gens tat­säch­lich Frau­en sein. In­ter­es­sant auch: Be­son­ders be­liebt ist das un­ge­wöhn­li­che Mo­dell in Ra­c­ing Gre­en. ———

Für Freun­de blau­er Uh­ren: Wem­pe Glas­hüt­te I/SA Zeit­meis­ter Stahl 1, Edel­stahl, stahl­blau­es Zif­fer­blatt, 31,8 mal 49,0 mm, Au­to­ma­tik-ka­li­ber ETA 2000-1 mit Da­tums­an­zei­ge. 2850 Eu­ro2 Für Fans eng­li­scher Sport­wa­gen: Wem­pe Glas­hüt­te I/SA Zeit­meis­ter Stahl 1, Edel­stahl Pvd-be­schich­tet, Zif­fer­blatt in Ra­c­ing Gre­en. 31,8 mal 49,0 mm, Au­to­ma­tik-ka­li­ber ETA 2000-1 mit Da­tums­an­zei­ge. 2950 Eu­ro3 Ers­te Fort­schrit­te: Am An­fang des De­sign-pro­zes­ses stan­den Skiz­zen, gra­fi­sche Si­mu­la­tio­nen und ein Pro­to­typ.4 Hand­werks­zeug: Auch Lu­pe und Pin­zet­te ka­men zum Ein­satz.

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