BREITLING SUPEROCEAN HE­RI­TA­GE II

Das neue Ka­li­ber B20 im Test

Uhren-Magazin - - Erste Seite - Text—Mar­ti­na Rich­ter Fo­tos — Ok-pho­to­gra­phy/is­tock.com/ralf­gosch

Seit der eins­ti­ge IWC-CHEF Ge­or­ges Kern bei Breitling das Steu­er über­nahm, schafft er Ord­nung an Bord. An­ders als bei der Na­vi­ti­mer fiel bei der Superocean die Kurs­än­de­rung mo­de­rat aus. So wird die Superocean He­ri­ta­ge II jetzt vom Au­to­ma­tik­werk B20 an­ge­trie­ben, das aus ei­ner Ko­ope­ra­ti­on mit Tu­dor her­vor­ge­gan­gen ist. Das Ka­li­ber ba­siert auf dem Tu­dor­werk MT5612. Es ar­bei­tet auch in der 42 Mil­li­me­ter gro­ßen Edel­stahl-rot­gold-ver­si­on der Drei­zei­ge­ruhr, die wir ge­tes­tet ha­ben.

——— Ih­re Ex­per­ti­sen in Kon­struk­ti­on und Pro­duk­ti­on me­cha­ni­scher Uhr­wer­ke zu bün­deln, be­schlos­sen Breitling und Tu­dor be­reits vor dem gro­ßen Um­bruch in der Breit­lin­gUn­ter­neh­mens­ge­schich­te. Und da­bei bleibt es ganz of­fen­sicht­lich auch, was Ge­or­ges Kern nicht nur mehr­fach in In­ter­views be­tont hat, son­dern was auch mit neu­en Zeit­mes­sern ganz klar zum Aus­druck kommt. Wäh­rend ein mo­di­fi­zier­tes Breitling-ka­li­ber B01 als MT5813 in Tu­dor-chro­no- gra­phen tickt, nutzt Breitling nun das Tu­dor-ma­nu­fak­tur­werk MT5612.

Die Superocean Hé­ri­ta­ge II ist die ers­te Uhr, in der das Drei­zei­ger­werk seit 2017 zum Ein­satz kommt und in der Mo­di­fi­ka­ti­on die Be­zeich­nung B20 trägt. Nach den 42 und 46 Mil­li­me­ter gro­ßen Mo­del­len des Vor­jah­res stell­te Breitling auf der Ba­sel­world 2018 ei­ne drit­te Grö­ße von 44 Mil­li­me­tern und eben un­se­re au­ßer­ge­wöhn­li­che Te­stuhr als 42 Mil­li­me­ter gro­ße Bi­co­lor-ver­si­on in Edel-

stahl und Rot­gold vor. Kom­bi­niert mit ih­ren schwar­zen Ele­men­ten, wie der Lü­net­te, dem Zif­fer­blatt, ja selbst mit dem Ae­ro-clas­sic- Gum­mi­arm­band in Mi­la­nai­se- Ge­flecht- Op­tik mu­tet die Uhr sehr edel an.

Links­dre­hen­de Lü­net­te stark über­ar­bei­tet

Die ein­sei­tig dreh­ba­re Tauch­lü­net­te ist ei­ne der mar­kan­tes­ten Ve­rän­de­run­gen bei der neu­en Superocean Hé­ri­ta­ge II, ach­te­te Breitling bei der Über­ar­bei­tung der 1957 auf den Markt ge­kom­me­nen Uhr doch tun­lichst dar­auf, ih­ren Cha­rak­ter zu wah­ren. Der bei un­se­rer Te­stuhr in Rot­gold ge­hal­te­ne Dreh­ring fasst ei­ne ul­tra­har­te High­tech-ke­ra­mik­ein­la­ge, die eben­so kratz­fest wie stoß­si­cher ist. Die gol­de­ne Rän­de­lung wirkt fein­glied­ri­ger als beim Vor­gän­ger­mo­dell. Den­noch ist die im Halb­mi­nu- ten­schritt mit Sperr­ke­gel ras­ten­de Drehlü­net­te gut zu fas­sen, kommt aber für die als pro­fes­sio­nell gel­ten­de Tau­cher­uhr ein biss­chen läs­sig da­her.

Ihr fehlt die mi­nu­ten­ge­naue Ska­lie­rung, die sel­bi­ger auf dem Zif­fer­blatt ziem­lich di­rekt ge­gen­über­ste­hen und so­mit zu ei­ner per­fek­ten Ein­stel­lung der Tauch­mi­nu­te füh­ren könn­te. Für die Fan­ge­mein­de der Hob­by- und Frei­zeit­tau­cher, an die sich die Superocean Hé­ri­ta­ge II in­zwi­schen haupt­säch­lich wen­det, ist das aber si­cher kein Pro­blem. Auch nicht, dass der gol­de­ne Se­kun­den­zei­ger zur Gang­kon­trol­le bei schlech­ten Sicht­ver­hält­nis­sen an­ge­sichts feh­len­der Leucht­mas­se nicht zu se­hen ist. Da­für las­sen sich Mi­nu­ten- und St­un­den­zei­ger sehr ein­deu­tig aus­ma­chen.

Ih­re au­ßer­ge­wöhn­li­chen For­men – das Drei­eck am St­un­den­zei­ger und die Rau­te des Mi­nu­ten­zei­gers – neh­men zu­sam­men mit den leicht ke­gel­för­mi­gen St­un­den­ap­pli­ken star­ke An­lei­he am Ori­gi­nal der He­ri­ta­ge von 1957. Der fürs Tau­chen so wich­ti­ge Mi­nu­ten­zei­ger reicht zu­dem per­fekt an die da­zu ge­hö­ri­ge Ska­lie­rung am Zif­fer­blatt­rand her­an. Bei schlech­ten Sicht­ver­hält­nis­sen leuch­ten hier al­ler­dings nur acht Punk­te. Auch dies

BREITLING SUPEROCEAN HÉ­RI­TA­GE II B20 AU­TO­MA­TIC 42 Breitling ge­stal­te­te 2017 die Uhr neu. Ver­än­dert ha­ben sich vor al­lem die Lü­net­te und das Zif­fer­blatt so­wie das Uhr­werk. Die Superocean Hé­ri­ta­ge II ist die ers­te Uhr, in der das Tu­dor- ba­sier­te Breitling- Ka­li­ber B20 tickt.

dürf­te Pro­fi-tau­chern nicht ge­nü­gen. Von den et­was hel­le­ren Zei­gern hebt sich der Leucht­punkt auf der Ke­ra­mik­lü­net­te ab. Aber er al­lein kann kaum zur mi­nu­ten­ge­nau­en Ori­en­tie­rung beim Tau­chen bei­tra­gen. Bei Ta­ges­licht gibt die Kom­bi­na­ti­on aus Schwarz, Weiß und Rot­gold ein gut ab­les­ba­res En­sem­ble ab.

»Back to the B« Zu­rück zum schlich­ten »B«

Aufs Zif­fer­blatt zu­rück­ge­kehrt ist das al­te Lo­go der Uh­ren­mar­ke – ein ge­schwun­ge­nes »B« an­stel­le des ge­flü­gel­ten Buch­sta­bens mit sti­li­sier­tem An­ker. Letz­te­res Lo­go hat­ten die Vor­be­sit­zer 1979 ein­ge­führt, um Breit­lings Af­fi­ni­tät zur Flie­ge­rei und zum Tauch­sport glei­cher­ma­ßen zu sym­bo­li­sie­ren. Un­ter dem Mar­ken­na­men er­scheint noch der Ver­weis auf das of­fi­zi­ell zer­ti­fi­zier­te Chro­no­me­ter.

Im un­te­ren Be­reich des Blat­tes be­fin­den sich der cha­rak­te­ris­ti­sche Schrift­zug »Superocean« so­wie die Ver­mer­ke zur Was­ser­dicht­heit und zum »Au­to­ma­tic«-in­nen­le­ben der Uhr. Die­ses kann man aber hin­ter dem Breitling-ty­pi­schen, ge­schlos­se­nen Schraub­bo­den nicht se­hen.

Se­hens­wert wä­re es, denn an­ders als Tu­dor- Ori­gi­nal ist das Breit­lin­gKa­li­ber B20 mit Gen­fer Strei­fen und Sa­ti­nie­run­gen fei­ner ver­edelt und zählt zu­dem zwei La­ger­stei­ne mehr. An­sons­ten ha­ben bei­de Ver­sio­nen die glei­chen Bau­wei­sen und Ei­gen­schaf­ten. Die Un­ruh ist sta­bil un­ter ei­ner Brü­cke ge­la­gert. Sie os­zil­liert mit vier Hertz, va­ria­blem Träg­heits­mo­ment und ei­ner Si­li­zi­um­spi­ra­le. Da­her er­folgt die Fein­re­gu­lie­rung über Un­ruh­schrau­ben, und zwar wie bei Tu­dor auf Chro­no­me­ter-ni­veau.

In der Pra­xis hält die Superocean Hé­ri­ta­ge II dann auch das, was das Zer­ti­fi­kat der COSC ver­spricht. Sie läuft recht aus­ge­wo­gen mit un­ge­fähr drei Se­kun­den im Plus am Tag und mit ge­rin­gen Dif­fe­ren­zen zwi­schen den ein­zel­nen La­gen. Am En­de der

mit 70 St­un­den an­ge­ge­be­ne Gang­re- ser­ve fällt die Am­pli­tu­de zwar knapp un­ter 200 Grad, der Gang bleibt aber mit zwei Se­kun­den im Plus sta­bil.

Ist die Uhr ab­ge­lau­fen, macht das Auf­zie­hen kei­ne Schwie­rig­kei­ten. Die gro­ße, seit­lich ge­rän­del­te, zwie­bel­för­mi­ge Kro­ne lässt sich gut fas­sen und aus ih­rer Ver­schrau­bung lö­sen. Der Hand­auf­zug geht ge­schmei­dig. Mit si­che­ren Rast­punk­ten kommt das Be­dien­teil auch in die wei­te­ren Po­si­tio­nen zur Da­tums­schnell­schal­tung und Zei­ger­stel­lung. Die Zei­ger las­sen sich oh­ne Spiel gut po­si­tio­nie­ren und das Da­tum springt ziem­lich ge­nau um Mit­ter­nacht. Mit sanf­tem Druck lässt sich die Kro­ne wie­der ge­gen das Ge­häu­se ver­schrau­ben.

Nach Zu­schnitt-ma­nö­ver: Superocean liegt hart back­bord

Nicht ganz so ein­fach geht die An­pas­sung des Ae­ro-clas­sic- Gum­mi­arm­ban­des ans Hand­ge­lenk von­stat­ten. Es muss zu­ge­schnit­ten wer­den und kann dann nicht mehr ver­än­dert wer­den. Le­dig­lich in der ein­sei­tig klap­pen­den Druck­falt­schlie­ße bleibt noch ei­ne Va­ria­ti­ons­mög­lich­keit von acht, neun Mil­li­me­tern. Hier gibt es ein in sie­ben Po­si­tio­nen ras­ten­des Schie­be­ele­ment, mit dem die Band­län­ge ein­ge­stellt wer­den kann. Das wie­der­um ist sehr kom­for­ta­bel. Die glän­zen­de Schlie­ße wird mit seit­li­chen Drü­ckern ge­öff­net und ver­weist mit dem ge­flü­gel­ten »B« noch ein­mal auf die zu­rück­lie­gen­de Breitling-ära.

Rich­tig zu­ge­schnit­ten, hält das Gum­mi­band die Superocean Hé­ri­ta­ge II an­ge­nehm am Hand­ge­lenk, wo sie trotz ih­rer Ge­häu­se­hö­he nicht auf­dring­lich wirkt, an­ge­sichts ih­rer kon­trast­rei­chen Op­tik aber den­noch die Bli­cke auf sich zieht. Ein wahr­lich schö­nes Stück für Breitling-ty­pen, die zum Spaß auch noch gern Tau­chen ge­hen. [5735] ———

Kon­tras­te: Rot­gold und Schwarz zie­hen die Bli­cke auf sich. Neu ist das Ke­ra­mi­kIn­lay der Lü­net­te.

Gan­gart: Das B20 auf Tu­dor-ba­sis läuft sehr aus­ge­wo­gen und mit 70 St­un­den Gang­au­to­no­mie.

Bei schlech­ter Sicht ist die Zeit gut ab­les­bar, die Ele­men­te der Tauch­funk­ti­on sind aber schwer zu be­nut­zen.

Am Tag lässt sich die Superocean an­ge­sichts star­ker Zei­ger, In­di­zes und Kon­tras­te gut ab­le­sen.

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