TEU­FEL SYS­TEM 6

Num­mer 5 lebt nicht mehr. Den Best­sel­ler hat der Teu­fel ab­be­ru­fen. Künf­tig set­zen die Ber­li­ner auf die schlag­kräf­ti­ge Mi­schung von 6 und THX. Das neue Heim­ki­no­set kommt mit zwei 30er-Sub­woo­fern für 2000 Eu­ro. Hat das gan­ze ei­nen Pfer­de­fuß?

video - - Video | Inhalt - Au­tor: Ste­fan Schi­cke­danz// Re­dak­ti­on: An­to­nia Lai­er // Bil­der: Jo­sef Blei­er, Her­stel­ler

Nach klei­ner Durst­stre­cke mel­det si­chTeu­fel mit ei­ner hoch span­nen­den Neu­heit zu­rück: ei­nem sat­ten Heim­ki­no-Set Sys­tem 6THX mit zwei Sub­woo­fern für den un­schlag­ba­ren Preis von 2000 Eu­ro. Doch gibt es ei­nen Pfer­de­fuß?

Seit über 20 Jah­ren ent­wi­ckelt Teu­fel THX-zer­tif­zier­te Laut­spre­cher und darf sich hier­zu­lan­de als Weg­be­rei­ter der von Lu­cas Film ge­norm­ten Wie­der­ga­be-Tech­no­lo­gie füh­len. Der Ber­li­ner Di­rekt­ver­sen­der sieht das 5.2-Sys­tem als nächs­te Evo­lu­ti­ons­stu­fe des Best­sel­lers und Ever­greens Sys­tem 5. Nun wur­den die er­folgs­ver­wöhn­ten Bo­xen di­rekt im Ber­li­ner Un­ter­neh­men be­hut­sam wei­ter­ent­wi­ckelt. Da­bei ver­trau­te Teu­fel auf auf­wen­di­ge Si­mu­la­tio­nen, Klip­pel­mes­sun­gen und auf die ei­ge­nen Oh­ren. Vor al­lem die Mit­tel­tö­ner er­fuh­ren da­bei ent­schei­den­de Ver­bes­se­run­gen in punc­to Be­last­bar­keit und Ver­zer­rungs­ar­mut.

Bes­ser im De­tail

Was den Auf­bau der Sa­tel­li­ten-Laut­spre­cher S 600 FCR für die Front- und Cen­ter-Ka­nä­le be­trifft, blieb al­les beim Al­ten. Teu­fel hielt dem D’Ap­po­li­to-Prin­zip die Treue – al­ler­dings mit leicht noch oben ver­setz­tem Ge­we­be-Ka­lot­ten-Hoch­tö­ner. Ein iden­ti­scher Auf­bau der ge­schlos­se­nen Zwei-We­ge-Bo­xen kommt Ab­bil­dung und Ho­mo­ge­ni­tät zu­gu­te. Je­der der drei vor­de­ren Laut­spre­cher soll von den Flach­mem­bra­nen pro­fi­tie­ren, de­nen ein brei­tes Ab­strahlVer­hal­ten ganz im Sin­ne der stren­gen THX-An­for­de­run­gen an­er­zo­gen wur­de. Ih­re 13-cm-Mem­bra­nen be­ste­hen aus Zel­lu­lo­se mit Wa­ben­struk­tur in Sand­wich-Bau­wei­se für Stei­fig­keit und ho­he in­ne­re Dämp­fung. .Schließ­lich woll­te Teu­fel Zu­hö­rer von der Dik­ta­tur ei­nes en­gen Sweet-Spots be­frei­en. Denn mit dem Sys­tem 6 THX soll es kei­ne bil­li­gen Plät­ze ge­ben.

Da­mit die Rä­um­lich­keit auf al­len Plät­zen eben­falls über­zeu­gen kann, kom­men die für THX ty­pi­schen Di­po­le Sa­tel­li­ten-Laut­spre­cher S 600 D zum Zu­ge. Sie ver­wen­den die glei­chen Hoch­tö­ner wie die vor­de­ren Sa­tel­li­ten, doch der als mit Flach­mem­bran be­stück­te Tief-Mit­tel­tö­ner hat le­dig­lich ei­nen Durch­mes­ser von 10 cm. Die Ent­wick­ler spen­dier­ten den tra­pez­för­mi­gen als ge­schlos­se­ne 3-We­ge-Kon­struk­tio­nen aus­ge­führ­ten Re­ar-Spea­k­ern noch ei­nen

zu­sätz­li­chen 13-cm-Tief­tö­ner mit ei­ner Glas­fa­ser-Mem­bran, der di­rekt ge­gen die Wand ge­rich­tet ist. Da­mit will Teu­fel das Tief­ton-Fun­da­ment noch stei­gern.

Trend geht zum 2.-Woo­fer

Al­ler­dings herrscht auch so kein Man­gel an tie­fen Tö­nen. Das Sys­tem 6 THX kommt mit gleich zwei Sub­woo­fern vom Typ S 6000. Da­mit wol­len die Ber­li­ner die stren­gen Auf­la­gen der un­längst über­ar­bei­te­ten THX-Select-Li­zenz er­fül­len. Die­se Neu­fas­sung sieht bei ei­ner sehr tie­fen Fre­quenz von 25 Hz im­mer noch 103 dB ma­xi­ma­len Schall­druck vor. Die S6000 sind ent­spre­chend auch nicht ir­gend­wel­che Flie­gen­ge­wich­te. 23,6 Ki­lo wiegt je­der der 47 Zen­ti­me­ter ho­hen Bass-Wür­fel. In je­dem der 55 Li­ter gro­ßen Sub­woo­fer sorgt ei­ne statt­li­che 30-cm-Mem­bran – sie be­steht aus be­schich­te­ter Zel­lu­lo­se – an­ge­trie­ben von ei­ner 240-Wat­tClass-D-End­stu­fe für or­dent­lich Druck. Da­bei ver­traut Teu­fel auf Bass­re­flex-Bau­wei­se und den DPUSchlitz an der Un­ter­kan­te der Schall­wand. Die­se Lö­sung soll we­ni­ger Strö­mungs­ge­räu­sche als kon­ven­tio­nel­le Bass­re­flex­roh­re mit schma­lem Qu­er­schnitt ma­chen und dient beim S 6000 W auch der Op­tik. Die ro­te LED der Be­triebs­an­zei­ge il­lu­mi­niert den Schacht mit ei­ner Art Am­bi­en­teLicht, wie man es aus Au­tos kennt.

Die Aus­stat­tung kon­zen­triert sich auf das We­sent­li­che: Am Elek­tro­nik­mo­dul auf der Rück­sei­te be­fin­det sich le­dig­lich ein ein­zi­ger Cinch-Ein­gang für den LFE-Ka­nal. Auf ei­nen Reg­ler, mit dem sich die Über­gangs­fre­quenz am Sub­woo­fer ein­stel­len lässt, ver­zich­tet Teu­fel, denn der im Set er­hält­li­che S 6000 SW wird oh­ne­hin nicht mit Ste­reo-Amps be­trie­ben. Im­mer­hin gibt es ei­ne stu­fen­lo­se Pha­sen­re­ge­lung so­wie ei­nen Pe­gel­stel­ler und ei­nen Boost-Schal­ter.

Viel Holz für we­nig Mäu­se

Für 2000 Eu­ro be­kommt der Käu­fer beim Ber­li­ner Di­rekt­ver­sen­der ei­ne Men­ge Holz für sein Geld. Der Schall­druck, den das En­sem­ble er­zeugt, soll für Räu­me bis zu 30 Qua­drat­me­tern aus­rei­chen. Im La­bor schaff­ten die Sa­tel­li­ten-Laut­spre­cher S 600 FCR 104 dB, was für ei­nen Zwei-We­geSat­tel­li­ten, noch da­zu in ge­schlos­se­ner Bau­wei­se, durch­aus ei­nen acht­ba­ren Wert dar­stellt. Die hin­te­ren Di­pol-Laut­spre­cher S 600 D er­reich­ten al­ler­dings bei un­se­rer für Di­rekt­strah­ler ge­dach­ten Mes­sung im schall­to­ten Raum nur 76,5 dB, wass aber nicht der Schall­ener­gie im nor-

ma­len Raum ent­spricht. Es zeigt sich al­ler­dings, dass ei­ne mög­lichst ho­he Über­gangs­fre­quenz Über­las­tung ver­mei­den hilft und des­halb spä­tes­tens bei 100 Hz ab­ge­trennt wer­den soll­te.

Im Hör­test schlug die gro­ße St­un­de der un­schein­ba­ren Ber­li­ner. Sie ver­wan­del­ten un­se­ren Kel­ler ge­ra­de­wegs in ei­nen klei­nen Ki­no­saal. Al­lein da­für könn­ten we­ni­ger zu­rück­hal­ten­de Tes­ter-Na­tu­ren schon von ei­ner klei­nen Sen­sa­ti­on spre­chen. Die ei­gent­li­che Hel­den­tat der Preu­ßen war je­doch et­was ganz an­de­res. Im Grun­de gab es in der Vor­stel­lung mit Block­bus­tern wie „The Mecha­nic 2“oder „The Ex­pen­da­bles III“nichts, das wir so ähn­lich nicht schon ein­mal ge­hört hat­ten – be­geis­ternd zwar, aber so­weit nicht ein­ma­lig. Was die Leis­tung des neu­en 5.2-Sys­tems so ein­zig­ar­tig macht, ist der ver­gleichs­wei­se lä­cher­lich nied­ri­ge Preis. An­de­re Sets, die ei­nen der­ma­ßen mäch­ti­gen und da­bei auch noch prä­zi­sen Bass bei Spe­cial Ef­fects ab­lie­fern, ei­nen der­ma­ßen bra­chia­len Pe­gel oh­ne jeg­li­che An­zei­chen von An­stren­gung ver­kraf­ten und da­bei in den Feu­er­pau­sen auch noch die ein­zei­li­gen Dia­lo­ge so na­tür­lich und leicht ver­ständ­lich wie­der­ge­ben, kos­ten nicht sel­ten das Dop­pel­te.

Hier sticht ganz ein­deu­tig das Kon­zept, die an­stän­dig ver­ar­bei­te­ten Ge­häu­se und de­ren Ober­flä­chen so sim­pel wie mög­lich zu hal­ten, auf jeg­li­che De­sign-Gags zu ver­zich­ten und sich ganz al­lein auf den Klang zu fo­kus­sie­ren. Und weil Teu­fel als Di­rekt­ver­sen­der in sei­ne knap­pe Kal­ku­la­ti­on kei­ne Händ­ler­mar­ge ein­baut, schaf­fen die Ber­li­ner in der Klas­se bis 2000 Eu­ro ein kaum für mög­lich ge­hal­te­nes Ma­xi­mum an Klang. Das ist jetzt wert­frei ge­meint, weil für vie­le Men­schen, gera­de für je­ne, die ihr Ki­no ins Wohn­zim­mer in­te­grie­ren wol­len, Gestal­tung zu Recht ei­nen ho­hen Stel­len­wert be­sitzt. Und für vie­le macht es auch Sinn, den um­fang­rei­chen Ser­vice ei­nes Fach­händ­lers in An­spruch zu neh­men. Aber wenn es rein um das Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis des Pro­dukts geht, ist in sei­ner Klas­se ge­gen die­ses neue Sys­tem kein Kraut ge­wach­sen.

Schö­ner hö­ren

Das Sys­tem 6 THX ist kei­ne Schön­heit, son­dern ein Werk­zeug, das in den dun­kels­ten Ecken ei­nes von kun­di­ger Hand auf­ge­bau­ten Heim­ki­nos wah­re Wun­der voll­bringt. Der naht­lo­se, ei­nen rund­um ein­hül­len­de räum­li­che Zu­sam­men­halt ist ei­ne Wucht, die Fein­dy­na­mik und Auf­lö­sung auch. Mit dem Ton von DVDs oder Blu-rays gab es an der Ho­mo­ge­ni­tät ab­so­lut nichts aus­zu­set­zen. Wir trenn­ten Sa­tel­li­ten und die bei­den Sub­woo­fer bei 100 Hz. Wenn man je­doch über das Heim­ki­no-Sys­tem CDs ab­spiel­te, wirk­te der Klang et­was nüch­tern und auch nicht ganz so stim­mig. Doch die­se Ver­wen­dung dürf­te für das Sys­tem 6 THX eher die Aus­nah­me, als die Re­gel sein.

Die­ses von Lu­cas Film zer­ti­fi­zier­te Sys­tem lebt Ki­no mit je­dem ein­zel­nen Ton. Und auch Kon­zert­mit­schnit­te auf Blu-ray ma­chen mit ih­rer au­then­ti­schen, le­ben­di­gen At­mo­sphä­re ein rie­si­ges Ver­gnü­gen. Zu­dem sind die bei­den Sub­woo­fer, von de­nen ei­ner schon mit sei­nem Pe­gel und sei­nem un­er­schüt­ter­li­chen Fun­da­ment vie­le an­de­re Heim­ki­no-Sets de­klas­siert, zu die­sem Preis ein schier un­be­zahl­ba­res Ge­schenk an kun­di­ge Nut­zer. Wer et­was Ah­nung hat und die Ba­sics zum The­ma Raum-Mo­den be­herrscht, der kann da­mit auch un­güns­ti­ge Räu­me sehr gut in den Griff krie­gen.

Fa­zit

Die­ses 5.2-Set von Teu­fel ist ganz gro­ßes Ki­no für ganz klei­nes Geld.

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Die Di­po­le für die Sur­round-Ka­nä­le be­sit­zen ei­nen 13-cm-Tief­tö­ner, der ge­gen die Wand strahlt.

Der Mit­tel­tö­ner mit sei­ner Flach­mem­bran wur­de mit al­len Mit­teln der Kunst ge­gen­über dem Sys­tem 5 THX wei­ter­ent­wi­ckelt. Er kann mehr Pe­gel ab und klirrt we­ni­ger.

So laut, dass sie hin­ter Git­ter müs­sen: Bei Pe­geln jen­seits der 100-dB-Gren­ze sind die klei­nen Teu­fel­chen und ih­re bei­den Woo­fer noch lan­ge nicht am En­de. Doch der Teu­fel gibt auch ger­ne Stoff. Des­halb lie­gen dem Sys­tem 6 THX ne­ben den Ab­deck­git­tern auch de­zen­te­re Stoff­be­span­nun­gen bei.

Die Aus­stat­tung de­s­Teu­fel S 6000 SW ist ganz auf THX zu­ge­schnit­ten. Man braucht ei­nen AV-Re­cei­ver mit Bass-Ma­nage­ment, um die Über­gangs­fre­quenz ein­zu­stel­len. Die Pha­se lässt sich aber am Sub­woo­fer stu­fen­los an­pas­sen.

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