Lein­wand­mes­sung

Ei­ne mo­der­ne Bild­wand ist weit mehr als ei­ne wei­ße Flä­che, die Pro­jek­torlicht mög­lichst farb­neu­tral re­flek­tiert. So­mit sind die Mess­me­tho­den kom­ple­xer als man denkt.

video - - Technik Extrem - Au­tor & Re­dak­ti­on: Ro­land Seibt // Bil­der: Ro­land Seibt

Ein tol­ler Pro­jek­tor ent­fal­tet sein vol­les Po­ten­zi­al erst, wenn die Lein­wand passt. Das wird um­so wich­ti­ger, je mehr Ul­tra­kurz­dis­tanz­ge­rä­te zum Ein­satz kom­men oder Bea­mer im Wohn­zim­mer­ein­satz be­trie­ben wer­den. Aber auch im bes­ten Heim­ki­no muss beim An­bruch der HDR-Ära ge­schaut wer­den, wie man den per­fek­ten Schwarz­wert er­hält. Jeg­li­ches Licht, das auf die Lein­wand fällt und nicht vom Bea­mer kommt, ver­dirbt das tie­fe Schwarz oder lässt noch viel leich­ter sat­te Far­ben ver­blas­sen. Um dem ent­ge­gen­zu­wir­ken, len­ken Lein­wän­de das Licht ge­zielt zum Zu­schau­er und dämp­fen Fehl­licht ab. Es reicht nicht mehr zu sa­gen, dass das Weiß ei­ner Lein­wand farb­neu­tral ist und sie ei­nen ge­wis­sen Re­fle­xi­ons­grad be­sitzt. Die Art, wie re­flek­tiert wird, be­stimmt die Qua­li­tät.

Lein­wand­klas­sen

Grund­sätz­lich un­ter­schei­det man seit vie­len Jah­ren drei Ar­ten von Lein­wän­den. Dif­fu­se Bild­wän­de (Typ D) ver­tei­len das Licht wie ein Lam­bert­scher Re­flek­tor gleich­mä­ßig in je­de Rich­tung. Beim Typ S (Spe­cu­lar) wird stär­ker ge­spie­gelt, das Licht al­so per Sil­ber­struk­tu­ren kla­rer ge­rich­tet – so­gar po­la­ri­täts­er­hal­tend für 3D. Ganz spe­zi­ell sind Bild­wän­de vom Typ B (Be­a­ded). Die­se re­tro­re­fle­xi­ven Tü­cher be­sit­zen Kris­tal­l­ele­men­te oder Mi­kro­per­len, die das Licht stär­ker in Rich­tung sei­ner Qu­el­le zu­rück­wer­fen. Das ken­nen wir von der gu­ten al­ten Di­al­ein­wand.

Hin­zu kom­men zwei Ty­pen von Rück­pro­schei­ben: Opal (R-O) und struk­tu­riert (R-S), z. B. durch Fres­nel­lin­sen. Blei­ben wir bei der Front­pro­jek­ti­on, sind die Über­gän­ge der Ty­pen flie­ßend. Kein Tuch ist per­fekt dif­fus und na­tür­lich kann auch kein rei­ner Spie­gel ein­ge­setzt wer­den. So muss mess­tech­nisch er­fasst wer­den, wie stark die Qu­el­le mit wel­cher Farb­ver­schie­bung in wel­che Rich­tung re­flek­tiert wird. Im­mer in­ter­es­san­ter wer­den da­bei Ef­fek­te zur Kon­tras­ter­hö­hung, durch die Sei­ten­licht an­ders ver­ar­bei­tet wird als das mit­ti­ge des Pro­jek­tors. Die­se ge­ziel­te Licht­füh­rung gibt es nun auch in ma­xi­mal spit­zem Win­kel für Ul­tra­kurz­dis­tanz­bea­mer oder be­son­ders Au­ßen­licht schlu­ckend für Wohn­zim­mero­der HDR-Ein­satz.

Gro­ßer Ge­winn

Meist wird bei den tech­ni­schen Da­ten der Lein­wand nur der Gain­f­ak­tor (Leucht­dich­te­ver­hält­nis) an­ge­ge­ben. Er zeigt im Ver­hält­nis zu ei­ner ide­al mat­ten Re­fe­renz, wie­viel Licht fron­tal re­flek­tiert wird. Wer­te über eins be­deu­ten, dass mit­tig das Bild hel­ler

wird als beim Stan­dard. Sie sa­gen je­doch prak­tisch nichts über die Ver­tei­lung des Lichts aus. Der ge­fürch­te­te Hots­pot, ob die Lein­wand eher für Ti­schauf­stel­lung des Pro­jek­tors ge­eig­net ist oder wie viel Raum­licht sie schluckt, kann noch stark dif­fe­rie­ren. Hier hat sich in den letz­ten Jah­ren viel ge­tan. HiTech-Ma­te­ria­li­en mit un­ter­schied­lichs­ten Re­fle­xi­ons­ei­gen­schaf­ten ho­len un­glaub­li­che Kon­tras­te aus den Bea­mern her­aus. Sie un­ter­schei­den teils so­gar ih­re ho­ri­zon­ta­len von den ver­ti­ka­len Kenn­li­ni­en.

Auf­wen­di­ge Mes­sun­gen

In un­se­rem La­bor kön­nen wir ge­nau nach­mes­sen, wel­che Licht­fre­quen­zen in wel­chem Win­kel wie stark re­flek­tiert wer­den. Wir nut­zen da­zu die rechts ge­zeig­ten Auf­stel­lungs­va­ri­an­ten und ver­glei­chen, wie stark je­weils ge­spie­gelt und dif­fun­diert wird. Als Stan­dard nut­zen wir die Bild­wand Stu­dio­tek 100 von Ste­wart, die nach un­se­ren Mes­sun­gen tat­säch­lich bis auf den Ul­tra­vio­lett­be­reich ei­nen ma­kel­lo­sen Fre­quenz­gang bie­tet, und ei­ne na­he­zu dif­fu­se Richt­cha­rak­te­ris­tik auf­weist.

Bei den Mes­sun­gen fah­ren wir die Win­kel in 10°-Schrit­ten ab, so­dass in­klu­si­ve Farb- und Spek­tral­mes­sun­gen ei­ni­ge Hun­dert Wer­te an­fal­len. Der Auf­wand lohnt, weil gu­te Lein­wän­de kom­plex aus meh­re­ren Schich­ten auf­ge­baut und nicht nur für ei­nen schein­ba­ren Kon­trast­ge­winn dun­kel ein­ge­färbt sind. Nur so kann bei­spiels­wei­se bei ei­nem Gain von 1,0 und gu­tem Blick­win­kel oh­ne Hots­pot das Um­ge­bungs­licht zu 80 Pro­zent ab­sor­biert und da­mit der Kon­trast des Bea­mers je nach Raum um den Fak­tor vier er­höht wer­den.■

Die­se Mes­sung ist der Aus­gangs­punkt für un­se­re Ver­glei­che. Un­ser Spek­tro­me­ter zur Mes­sung pas­si­ver Farb­wer­te XRi­te i1 Pro be­sitzt ei­ne ein­ge­bau­te Re­fe­renz­lam­pe und nutzt ei­ne Weiß­ka­chel zur Ka­li­bra­ti­on.

Zur Mes­sung des Re­fle­xi­ons­gra­des so­wie des Farb­ver­hal­tens ei­ner Lein­wand wer­den Licht­quel­le und Mess­ge­rät mit mög­lichst klei­nem Win­kel zu­ein­an­der (un­ter 5°) vor der Lein­wand po­si­tio­niert. Der Gain wird als Fak­tor ge­gen­über ei­ner be­kann­ten Re­fe­renz­mes­sung (Ba­ri­umsul­fat) be­rech­net, Die farb­li­che Ab­wei­chung des Weiß­punk­tes wird als Del­ta E 2000 be­stimmt. Zur Mes­sung der Dämp­fung von Fehl­licht wird un­ter meh­re­ren Ein­falls­win­keln ge­mes­sen, wie stark sich das Bild auf­hellt. Hier gibt es bes­se­re Er­geb­nis­se, je we­ni­ger dif­fus ei­ne Lein­wand ist. Mo­der­ne Bild­wän­de lei­ten das Licht prä­zi­ser zum Zu­schau­er. Die­se An­ord­nung kann an­de­re Er­geb­nis­se lie­fern als die Blick­win­kel­mes­sung. Der Blick­win­kel wird prä­zi­se fest­ge­hal­ten in ei­ner Leucht­dichte­fak­tor-In­di­kat­rix. Das Mess­ge­rät wird un­ter meh­re­ren Win­keln auf­ge­stellt. Hier er­fas­sen wir, wie viel des Lichts in wel­che Rich­tung re­fek­tiert wird. Ei­ne Kon­trast­lein­wand kann ei­nen klei­nen Re­fle­xi­ons­grad (Gain <1 ) ha­ben, was aber noch nicht heißt, dass sie das Licht auch bün­delt oder Raum­licht schluckt. Um zu mes­sen, wie stark oder in wel­chem Ver­hält­nis die Lein­wand di­rekt spie­gelt, dif­fus ist oder Licht ge­zielt in die Qu­ell­rich­tung zu­rück­wirft (re­tro­re­flek­tiv, be­a­ded), müs­sen Lam­pe und Mess­ge­rät in meh­re­ren je­weils iden­ti­schen Ein­fallsund Aus­falls­win­keln po­si­tio­niert wer­den. www.tech­ni­te.vi­deo |

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