IFA-Trends 2017

Auf der IFA nimmt der Tech­nik­zug or­dent­lich Fahrt auf. Doch wel­che Tech­no­lo­gi­en schaf­fen es auf die Hoch­ge­schwin­dig­keits­stre­cke? Wel­che lan­den auf dem Ab­stell­gleis? Ein Aus­blick für al­le, die mehr als Bahn­hof ver­ste­hen wol­len.

video - - Video | Inhalt - Au­tor + Re­dak­ti­on: Andre­as Stumptner // Bil­der: Ar­chiv, Messe Ber­lin

Auf der In­ter­na­tio­na­len Funk­aus­stel­lung zeigt sich schon heu­te, auf wel­cheTech­no­lo­gi­en wir uns in Zu­kunft freu­en dür­fen.

Frü­her, als die Zeit noch we­ni­ger schnell­le­big er­schien und die IFA nur al­le zwei Jah­re statt­fand, wa­ren die gro­ßen Tech­nik­mes­sen noch der bes­te Ort und Ter­min, um die Ge­burts­stun­de neu­er Tech­no­lo­gi­en und Trends zu fei­ern. So er­blick­te et­wa die DVD auf der IFA 1997 das Licht der Welt. Heu­te fällt es den meis­ten Her­stel­lern schwer, mit der­ar­ti­gen In­no­va­tio­nen noch bis zum Mes­se­start zu war­ten. Wenn sie da sind, müs­sen sie raus in den Han­del. Für TV und Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik funk­tio­niert die IFA-Kon­kur­renz na­mens CES An­fang Ja­nu­ar in Las Ve­gas zu­nächst als An­kün­di­gungs­show fürs jun­ge Jahr. Doch die Markt­ein­füh­rung der Neu­hei­ten in Eu­ro­pa läuft je­weils völ­lig mes­se­frei ab März oder April be­zie­hungs­wei­se über die ei­ge­nen Road­shows der Her­stel­ler. Kei­ne Zeit zu war­ten, bis En­de Au­gust tra­di­tio­nell die IFA ih­re Pfo­ten öff­net. Ob­so­let ist der Su­per­bran­chen­treff in Ber­lin aber nicht. Im Ge­gen­teil: Zu groß und lu­kra­tiv ist die Platt­form, vor 2800 an­we­sen­den Me­di­en­ver­tre­tern und dem rie­si­gen Fach­pu­bli­kum von weit über 200.000 Be­su­chern wich­ti­ge Wer­be­bot­schaf­ten in al­le Welt hin­aus­zu­sen­den. Auch gibt sich die IFA ger­ne als Or­der­mes­se, al­so als Mark­platz, auf dem der Han­del di­rekt Lie­fer­auf­trä­ge fürs kom­men­de Weih­nachts­ge­schäft un­ter­schreibt.

Die IFA hat sich ge­wan­delt, um den neu­en An­sprü­chen Rechnung zu tra- gen. So ge­hört die Wei­ße Wa­re heu­te ge­nau­so da­zu wie die klas­si­sche Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik. Ver­net­zungs­the­men wie In­ter­net of Things (IoT) und Smart Ho­me ver­ei­nen bei­de Hard­ware-Wel­ten.

Funk­aus­stel­lung again

Da­zu ein we­nig Fo­to, Smart­pho­ne, HiFi und Zu­be­hör. Und auf den be­glei­ten­den Kon­gres­sen und Ta­gun­gen wie „IFA+Sum­mit“und „IFA Next“spie­len wei­te­re Trend­the­men wie Vir­tu­al und Aug­men­ted Rea­li­ty (VR und AR) mit. Vor ein paar Jah­ren war es den Mes­se­ma­chern wich­tig, nur noch das Kür­zel IFA zu ver­wen­den, und nicht mehr den lan­gen Be­griff der „In­ter­na­tio­na­len Funk­aus­stel­lung“, weil man weg woll­te, vom al­ten, ver­staubt wir­ken­den Ra­diound Rund­funk-Image. Doch heu­te, an­ge­sichts der in bei­na­he al­len Fel­dern vor­han­de­nen Funk­tech­no­lo­gi­en wie WLAN, Blue­tooth oder di­ver­ser Smart-Ho­me-Stan­dards wie Z-Wa­ve passt der „al­te“Mes­se­na­me wie­der wie die Faust aufs Au­ge.

Wall­pa­per-OLED von Metz

Für Schlag­zei­len sor­gen den­noch im­mer wie­der vor al­lem die neu­es­ten Fern­se­her-Ge­ne­ra­tio­nen. Vie­le Mas­sen­me­di­en in­ter­es­siert ganz be­son­ders, wel­che Tech­no­lo­gi­en künf­tig in den Wohn­zim­mern ste­hen.

Die IFA 2016 stand ganz im Zei­chen von OLED. Nach Vor­rei­ter LG stell­ten in Ber­lin wei­te­re nam­haf-

te Her­stel­ler wie Pa­na­so­nic, Phi­lips, Loewe und Metz ih­re ers­ten Flach­bild­schir­me mit or­ga­ni­schen Leucht­di­oden vor. Ein­zig TV-Welt­markt­füh­rer und LG-Erz­feind Samsung mach­te nicht mit. Und auch in die­sem Jahr ist von den Ko­rea­nern kein OLED-TV zu er­war­ten. Die Os­t­asia­ten ver­su­chen lie­ber wei­ter, ih­re LED-ba­sier­ten Q-LED-Fern­se­her mit Quan­tumDot-Tech­no­lo­gie zu eta­blie­ren, die auf der CES im Ja­nu­ar ih­re Pre­mie­re fei­er­ten. Dem ers­ten bei­na­he ta­pe­ten­fla­chen Wall­pa­per-OLED W7 von LG setz­te Samsung der­weil sei­nen Kun­st­ob­jekt- und Bil­der­rah­men-TV „The Fra­me“ent­ge­gen. Und auch in Sa­chen High Dy­na­mic Ran­ge (HDR) kocht Samsung sein ei­ge­nes Süpp­chen: HDR+ soll als of­fe­ner Stan­dard für dy­na­mi­sches HDR eta­bliert wer­den, mit­hil­fe von Part­nern wie et­wa Con­tent­lie­fe­rant Ama­zon Vi­deo. LG da­ge­gen setzt auf das er­wei­ter­te HDR-For­mat na­mens Dol­by Vi­si­on, das be­reits un­ter an­de­rem auch von Loewe und Metz li­zen­ziert wur­de.

Apro­pos Metz: Die Fran­ken prä­sen­tie­ren in Ber­lin mit­hil­fe der chi­ne­si­schen Mut­ter Sky­worth ih­ren ers­ten, ei­ge­nen Wall­pa­per-OLED-TV, nur 3,6 Mili­me­ter dünn und in 65 Zoll. Der Schön­ling soll in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner schi­cken JBL-Sound­bar auf den Markt kom­men.

Sprachas­sis­tenz für TV

Auch die Smart-TV-Platt­form An­dro­id-TV, be­kannt von So­ny und Phi­lips, hält nun bei der deut­schen Tra­di­ti­ons­mar­ke Ein­zug, eben­so wie die Sprach­steue­rung des Fern­se­hers mit­hil­fe von Ama­zons Ale­xa. Wo­bei wir beim nächs­ten gro­ßen Trend­the­ma der IFA 2017 wä­ren. Auch wenn bei­de US-Rie­sen nicht selbst aus­stel­len: Sprachas­sis­ten­ten

wie Ama­zon Echo und Goog­le Ho­me über­neh­men dies­mal ei­ne Haupt­rol­le auf der Messe. Nebst Metz hat­te auch Phi­lips be­reits vor­ab an­ge­kün­digt, Fern­se­her mit der Steue­rung durch Ama­zons Kon­kur­ren­ten Goog­le Ho­me in Ein­klang zu brin­gen. Und sie wer­den mit ei­ner sol­chen Nach­richt nicht al­lei­ne blei­ben. Mit die­ser Ver­bin­dung zum TV dürf­ten die Sprachas­sis­ten­ten und ih­re Laut­spre­cher end­gül­tig in den Haus­hal­ten an­ge­kom­men. Ob sie al­ler­dings die gu­te al­te Fern­be­die­nung ob­so­let ma­chen, die schon vie­le an­de­re ver­meint­li­che Er­satz­tech­no­lo­gi­en über­le­ben konn­te, bleibt ab­zu­war­ten.

Auf je­den Fall wer­den bei­de, wie auch die Mit­be­wer­ber Si­ri von App­le und Corta­na von Mi­cro­soft, ver­su­chen, in der Smart-Ho­me-Welt wei­ter An­tei­le zu ge­win­nen. Die IFA wid­met dem The­ma des in­tel­li­gen­ten und ver­netz­ten Zu­hau­ses seit letz­tem Jahr ei­ne ei­ge­ne Hal­le (6.2) und auch in der IFA-Next-Hal­le 26 spielt es ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Gro­ße Aus­stel­ler wie die Deut­sche Te­le­kom, In­no­gy (RWE) und di­gi­talSTROM wer­den ih­re An­ge­bo­te und Lö­sungs­an­sät­ze in Sa­chen Con­nec­ted Ho­me auf der IFA wei­ter pus­hen. Mitt­ler­wei­le ist eben auch die Wei­ße Wa­re, al­so Kü­chen­ge­rä­te wie Kühl­schrän­ke, Öfen, oder auch Wasch­ma­schi­nen fes­ter Be­stand­teil des Smart Ho­me.

Und die Sprachas­sis­ten­ten wer­den im Haus­halt schnell ei­ne wich­ti­ge, ver­bin­de­ne Funk­ti­on ein­neh­men, ähn­lich wie et­wa Goog­le Ho­me oder Ama­zon Ale­xa be­reits bei der Steue­rung von Mu­sik funk­tio­nie­ren.

3D-Sound auch mo­bil

Spo­ti­fy- oder Dee­zer-Play­lists über die bei­den Spea­ker di­rekt, oder im Fall von Goog­le per Goo­gleCast

auch auf Mul­ti­room-Sys­te­me zu strea­men, ge­hört mit zu den am ein­fachs­ten zu­gäng­li­chen Funk­tio­nen. Ya­ma­ha zeigt auf der IFA erst­mals, wie sich de­ren Mul­ti­room-Sys­tem Mu­si­cCast mit Ale­xa be­die­nen lässt. Der Ton macht in Ber­lin aber auch über die Sprachas­sis­ten­ten hin­aus die Mu­sik. Zwar wur­den die klas­si­schen HiFi-An­bie­ter in den letz­ten Jah­ren im­mer mehr ver­drängt: In Hal­le 1.2 sind den­noch wie­der ei­ni­ge be­harr­li­che Ver­tre­ter der Bran­che da­bei. Und auch Mar­ken wie Samsung und So­ny ge­ben un­term Funk­turm wie­der klang­lich Neu­es zum Bes­ten. Al­les so wi­re­less wie mög­lich, ganz klar. Fürs Heim­ki­no nach wie vor das maß­geb­li­che Trend­the­ma: 3D-Sound. Die For­ma­te Dol­by At­mos und DTS:X sind je­doch heu­te nicht mehr nur in gro­ßen Laut­spre­cher-Kon­stel­la­tio­nen zu ha­ben. Im­mer mehr Sound­bars lie­fern ein ähn­li­ches raum­fül­len­des und ob­jekt­ba­sier­tes Klang­er­leb­nis im Wohn­zim­mer. Auch mit Kopf­hö­rern las­sen sich bei­de For­ma­te mitt­ler­wei­le er­le­ben. Dol­by At­mos hält mitt­ler­wei­le als So­und­sys­tem so­gar in Note­books Ein­zug, wie et­wa dem Ma­teBook X von Hua­wei (sie­he Kurz­tests).

Neue UHD-Spie­ler

Völ­lig neue Stand- und Kom­pakt­laut­spre­cher­lö­sun­gen mit Down- oder Up­firing-Spea­k­ern der be­kann­ten Ma­nu­fak­tu­ren sind da­ge­gen auf der IFA we­ni­ger zu hö­ren. Da­für sind an­de­re Mes­sen wie die Münch­ner High End mitt­ler­wei­le eher prä­des­ti­niert. Der Ber­li­ner Di­rekt­ver­trieb Teu­fel, für den die IFA ein Heim­spiel dar­stellt, haut den­noch mäch­tig auf die Pau­ke. Die Teu­fe­lia­ner ha­ben 20 Neu­hei­ten für die Messe an­ge­kün­digt. Vie­le da­von al­ler­dings wer­den erst in der nä­he­ren Zu­kunft er­hält­lich sein. Zu hof­fen ist, dass es auch für die haus­ei­ge­ne Mul­ti­room-Mar­ke Raum­feld wie­der Neu­es zu ver­mel­den gibt.

Mit Ya­ma­ha und den fu­sio­nier­ten On­kyo & Pioneer sind im­mer­hin drei der wich­tigs­ten AV-Ja­pa­ner in Ber­lin am Start. Da­zu kom­men die Neu-Ko­rea­ner von Har­man/JBL. Von ih­nen und an­de­ren gro­ßen Tech­nik­mar­ken hof­fen Fans auch auf neue UHD-Blu­ray-Play­er. So­ny et­wa wird das ers­te High-End-Mo­dell na­mens X1000ES in Ber­lin prä­sen­tie­ren. Ein Kan­di­dat, der den bis­he­ri­gen Re­fe­renz­spie­lern von Op­po im Test durch­aus ge­fähr­lich wer­den könn­te. Ähn­lich wie der CXUHD von Cam­bridge, der aber nicht in Ber­lin aus­ge­stellt wird.

Vir­tu­al Rea­li­ty kommt

Wer ei­nen Blick über den Tel­ler­rand des klas­si­schen Ho­me En­ter­tain­ments bli­cken möch­te, darf auf der IFA ger­ne ein­mal wie­der die Bril­le auf­set­zen. Die tech­ni­sche Seh­hil­fe stirbt zwar in Sa­chen 3D-TV ge­ra­de ei­nen trau­ri­gen Tod, weil zu we­ni­ge zum Fil­me­gu­cken auf der hei­mi­schen Couch ih­re Na­se be­schwe­ren woll­ten. Da­für sind die noch grö­ße­ren und ge­wich­ti­ge­ren Head­sets für Vir­tu­al Rea­li­ty stark im Kom­men. VR ist noch ein Ni­schen­ge­schäft, aber ein au­gen­schein­lich zu­kunfts­fä­hi­ges, auf des­sen Rü­cken sich pri­ma PR ma­chen lässt. Des­halb taucht VR in Ber­lin übe­r­all auf, auch wenn mit­nich­ten fest­steht, in wel­chen Märk­ten sich ein Er­folg an­bahnt. Das stell­te sich auch bei ei­nem Pa­nel an­läss­lich der neu­en „IFA Next“-Hal­le 26 her­aus, das vi­deo Chef­re­dak­teur Andre­as Stumptner im Vor­feld der Messe mo­de­rier­te. Am of­fen­sicht­lichs­ten scheint VR bei Com­pu­ter­spie­lern auf Kurs zu sein. Aber da zeig­te die Ga­mes­Com En­de Au­gust in Köln be­reits die aktuellsten Ent­wick­lun­gen auf.

8K und Trans­pa­renz-TV

Was wer­den wir al­so von Ber­lin mit­neh­men? Noch mehr OLED, auch als Wall­pa­per, 4K und HDR in al­len Va­ri­an­ten, si­cher wie­der ei­ne Men­ge 8KTV-Pro­to­ty­pen, weil die seit Jah­ren zum gu­ten Ton ge­hö­ren. Da­zu VR und neue Dis­play­tech­no­lo­gi­en, wie die trans­pa­ren­ten Screens von Pa­na­so­nic (Fo­to links), so­wie die Hoff­nung, dass für all die schö­ne Tech­nik auch ge­nü­gend In­hal­te in aus­rei­chen­der Qua­li­tät zur Ver­fü­gung ste­hen. An Letz­te­rem ha­pert es be­kannt­lich am häu­figs­ten.

Vir­tu­al Rea­li­ty ist in al­ler Mun­de. Doch wel­che An­wen­dun­gen set­zen sich durch? Die IFA will Auf­schluss ge­ben.

Der ers­te Wall­pa­perOLED-TV von Metz kommt mit ed­ler Sound­bar aus dem Hau­se JBL.

vi­deo-Chef­re­dak­teur Andre­as Stumptner (l.) mo­de­rier­te im Vor­feld der Messe zur Prä­sen­ta­ti­on der neu­en „IFA Next“-Hal­le 26 ein Pa­nel rund um die Trend­the­men In­ter­net of Things (IoT) und Vir­tu­al Rea­li­ty.

Neue Dis­play-Tech­no­lo­gi­en sind auf dem Vor­marsch: hier trans­pa­ren­te Screens von Pa­na­so­nic.

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