Rah­men-Pro­gramm

Er ist ein Bild von ei­nem Fern­se­her, das völ­lig aus dem Rah­men fällt. Doch gibt der Rah­men nicht nur den Na­men, son­dern ist das zen­tra­le De­si­gnele­ment die­ser Samsung-In­no­va­ti­on. „The Frame“ist Bild(er)schirm und Kun­st­ob­jekt zugleich. Doch wie gut kann er

video - - Test Des Monats - Au­tor: Andre­as Stumpt­ner; Re­dak­ti­on: Ro­land Seibt // Bil­der: Her­stel­ler

Die IFA hät­te in die­sem Jahr den Un­ter­ti­tel „Schöner woh­nen“ver­dient ge­habt. De­sign war An­fang Sep­tem­ber ei­ner der gro­ßen Trends un­term Funk­turm in Ber­lin. Ob bei Haus­halt­ge­rä­ten oder Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik: Die Her­stel­ler ha­ben be­grif­fen, dass Tech­nik nicht mehr nur funk­tio­nal sein, son­dern auch zum In­te­ri­eur pas­sen darf. Der schon seit Jah­ren gern an­ge­führ­te „Wo­men Ac­cep­tan­ce Fac­tor“, der Ak­zep­tanz­grad der Frau für Tech­nik im Haus­halt, mu­tiert in­zwi­schen zum „Fa­mi­li­en­fak­tor.

Erst­mals stand im „Cu­be“, der bom­bas­ti­schen wür­fel­ar­ti­gen IFA-Hal­le von Samsung da­her nicht die in­no­va­tivs­te Tech­no­lo­gie im Vor­der­grund, son­dern viel­mehr der Li­fe­style, in den sich die neu­en Ge­rä­te ein­zu­fü­gen ha­ben. Ein Muß für al­le Mes­se­be­su­cher war die Be­ge­hung ei­ner Kunst­ga­le­rie mit zahl­rei­chen Ex­em­pla­ren von The Frame.

„Der Rah­men“ist im Prin­zip das lo­gi­sche Er­geb­nis der Ent­wick­lung von Flat-TVs hin zu De­si­gn­ob­jek­ten. Zwar spielt die ed­le Optik von Fern­se­hern schon seit Jah­ren ei­ne wach­sen­de Rol­le. Doch je fla­cher und rah­men­lo­ser die Dis­plays ge­rie­ten, des­to mehr be­raub­ten sich die Her­stel­ler der Mög­lich­keit, in­di­vi­du­el­le Looks zu kre­ieren. Die Krea­ti­vi­tät war zu­letzt haupt­säch­lich auf die Stand­fü­ße be­schränkt.

Lü­cken­los an die Wand

Mit die­sen Ul­tra-HD-TV, der of­fi­zi­ell UE55LS003 heißt, aber im All­tag er­freu­li­cher­wei­se The Frame ge­nannt wird, geht Samsung nun den nächs­ten Schritt. Die Ba­sis­ver­si­on wird klas­sisch mit ei­nem Stand­fuß­paar ge­lie­fert, das er­freu­lich ein­fach in den TV ge­steckt wird und kei­ne Schrau­ben be­nö­tigt. Ent­schei­de­ner bei ei­nem Bil­der­rah­men ist aber frei­lich die Wand­mon­ta­ge. Hier­zu ist die su­per­fla­che Wand­hal­te­rung na­mens „No Gap Wall­mount“im Pa­ket ent­hal­ten, die es er­mög­licht, den Fern­se­her di­rekt mit dem Rü­cken an die Wand zu hän­gen. Aus der Rück­wand des Fern­se­hers, die auch freis­te-

hend ei­nen gu­ten Ein­druck macht, las­sen sich da­für zwei Ab­de­ckun­gen ab­neh­men. Die Hal­te­rung ver­schwin­det in der Tie­fe des Rah­mens von et­wa vier Zen­ti­me­tern. So weit, so schick. Das ei­gent­lich Neue ist je­doch die in­di­vi­du­el­le Gestal­tung. Der Frame wird stan­dard­ge­mäß mit grau­em Me­tall­rah­men ge­lie­fert. Wer lie­ber Me­tall-Weiß, oder Holz­look in Beige oder Wal­nuss be­vor­zugt, kann ei­nen Wech­sel­rah­men da­zu­be­stel­len, der sich ein­fach ma­gne­tisch an­hef­ten lässt. Die wei­ße Va­ri­an­te der Samsung Smart Re­mo­te passt pri­ma zum De­si­gn­ob­jekt, fühlt sich hoch­wer­tig an und re­agiert oh­ne Ver­zö­ge­rung. Das neu­ar­ti­ge Sym­bol auf der Po­wer­tas­te fin­det sich auch im Smar­tHub wie­der und führt zum ei­gent­li­chen Clou die­ses UHD-TVs: dem Kunst­mo­dus. Über ihn öff­net sich ei­ne um­fang­rei­che di­gi­ta­le Ga­le­rie mit Kunst­wer­ken nam­haf­ter Ma­ler und Fo­to­gra­fen. Wem die Aus­wahl auf Dau­er den­noch nicht ge­nügt, der hat die Mög­lich­keit, in ei­nem Kunst-Shop wei­te­re Wer­ke zu er­wer­ben und her­un­ter­zu­la­den. Wahl­wei­se las­sen sich aber über Samsungs Smart-View-App, die zu­letzt ei­gens für den Frame ak­tua­li­siert wur­de, auch ei­ge­ne Fo­tos vom Smart­pho­ne auf den Screen la­den.

Hat man ein Bild aus­ge­wählt, er­scheint es ab so­fort beim Aus­schal­ten der klas­si­schen Fern­seh­funk­ti­on. Sprich: TV aus heißt im Fall des Frame: Kunst­werk an. Das Bild lässt sich je­der­zeit wech­seln, auch be­quem über die App. In sel­bi­ger las­sen sich auch Sleep-und Nach­mo­dus ein­stel­len, mit de­ren Hil­fe sich das Ge­rät au­to­ma­tisch aus­schal­tet, so­bald kei­ne Be­we­gung oder kein Licht mehr im Raum ist. Bei­de Mo­di funk­tio­nie­ren im ers­ten Test ein­wand­frei. Eben­so der Hel­lig­keits­sen­sor, der das Bild an die Licht­um­ge­bung au­to­ma­tisch an­passt.

Stark ent­spie­gelt

Bei al­ler Freu­de über De­sign und Optik: Auch The Frame braucht Strom so­wie wei­te­re Pro­gramm­quel­len ab­seits des in­ter­nen Smart-TV-Por­tals. Um Zu­spie­ler zu er­rei­chen ist das mitt­ler­wei­le be­kann­te, Samsung-ei­ge­ne, hauch­dün­ne Licht­lei­ter­ka­bel bei­ge­legt, das auf dem Weg zur eben­so eta­blier­ten One-Con­nect-Box mit al­len nö­ti­gen An­schlüs­sen bis zu fünf Me­ter über­brückt. Als Zu­be­hör ist auch ei­ne 15-Me­ter-Va­ri­an­te er­hält­lich. Für die Strom­ver­sor­gung gibt es da­ge­gen noch kei­nen un­sicht­ba­ren Weg. Wer ei­ne sau­be­re Lö­sung prä­fe­riert, soll­te lie­ber di­rekt hin­tem TV ei­ne Do­se in die Wand ein­las­sen.

Apro­pos TV: Kei­ne Sor­ge, The Frame ist na­tür­lich auch ein ganz klas­si­scher, zeit­ge­mä­ßer LCD-Fern­se­her mit al­lem, was da­zu ge­hört. Kei­ner aus der High-End-Klas­se der QLED-Li­ga, aber den­noch ein mehr

als acht­ba­rer Ul­tra-HD-Ver­tre­ter, der auch HDR-Si­gna­le ver­ar­bei­tet (sie­he „Aus dem Mess­la­bor“auf S. 10). Das rea­lis­tischs­te Bild lie­fert der ma­nu­ell ein­stell­ba­re Film­mo­dus. 3D ist, wie bei al­len Samsung-Fern­se­hern der Ge­ne­ra­ti­on 2017, kein The­ma mehr. Doch sei­ne Stär­ken spielt The Frame er­war­tungs­ge­mäß oh­ne­hin an an­de­ren Stel­len aus. So ist et­wa das Dis­play stark ent­spie­gelt, was ei­ne gu­te Drauf­sicht auch aus un­ter­schied­li­chen Ecken des Wohn­raums er­mög­licht. Ein wich­ti­ger Vor­teil, da The Frame als Bil­der­rah­men nicht zwin­gend an ei­nem üb­li­chen TV-Stand­platz vor Sitz­grup­pe oder Couch Platz fin­det und da­her auch aus der Fer­ne oder un­güns­ti­ge­ren Blick­win­keln ein­seh­bar sein muss.

„Star­te Net­flix!“

Für die Steue­rung der In­hal­te hat Samsung nebst Quad-Co­re-Pro­zes­sor sei­ne bes­te, ver­füg­ba­re Be­di­en­ober­flä­che in­te­griert. Über den neu­es­ten Smar­tHub las­sen sich Zu­spie­ler wie UHD-Blu-ray-Play­er, NAS-Ser­ver und USB-Sticks, aber auch die be­kann­ten Me­dia­the­ken und Strea­m­ing­diens­te schnell und ein­fach aus­wäh­len und im Haupt­me­nü in­di­vi­du­ell sor­tie­ren. Von Net­flix, Ama­zon, max­do­me und YouTube bis hin zu DAZN Te­le­kom Sport sind al­le Gro­ßen an Bord, oder kön­nen nach­ge­la­den wer­den. Auch die HDR-In­hal­te der Ser­vices spielt der Frame in un­se­rem Test pro­blem­los ab. Wer nach mehr 4K- und HDRAus­wahl sucht, fin­det in Samsungs haus­ei­ge­nem An­ge­bot TV Plus ei­ne wach­sen­de Aus­wahl an Spiel­fil­men und The­men­ka­nä­len. Die Vi­deo-onDe­mand-Platt­form be­trei­ben die Ko­rea­ner in Ko­ope­ra­ti­on mit An­bie­ter Ra­ku­ten TV. Bei der Pro­gramm­aus­wahl be­hilf­lich ist die via Fern­be­die­nung oder per App ein­setz­ba­re Sprach­steue­rung. Sie er­kennt Be­grif­fe er­freu­lich schnell und zu­ver­läs­sig, sei­en es Sen­der­na­men wie ZDF und RTL, oder Be­feh­le wie „Star­te Net­flix!“. Es scheint, als sei­en un­se­re Hin­wei­se von vor ein paar Jah­ren, Samsung mö­ge sich bit­te in Sa­chen Hand­ling und Voice Con­trol ein Bei­spiel an Ama­zons Fi­re-TV neh­men, auf frucht­ba­ren Bo­den ge­fal­len. Heu­te ist Samsung so­gar bes­ser. Fehlt nur noch die An­bin­dung an die der­zeit so po­pu­lä­ren Sprachas­sis­ten­ten Ama­zon Ale­xa oder Goog­le Ho­me. Doch de­ren Funk­ti­on lässt sich wie­der­um mit­hil­fe der Smart-View-App nach­ah­men. So­fern sich Smart­pho­ne und TV im sel­ben WLAN-Netz be­fin­den, kann der Nut­zer den Fern­se­her in­ner­halb der ge­sam­ten WLAN-Reich­wei­te mit sei­ner Stim­me be­feh­li­gen.

Fle­xi­bler En­ter­tai­ner

Auch sonst hat der un­ter­halt­sa­me Bil­der­rah­men bei­na­he al­les, was man von ei­nem 2017er TV der Top­klas­se er­war­ten darf: Via DLNA oder USB ver­ar­bei­tet der Frame al­le er­denk­li­chen Bild-, Ton­for­ma­te und Co­decs, so­wie den Bild­schir­min­halt ei­nes Smart­pho­nes.Und auch der um­ge­kehr­te Weg ist mög­lich: Der Fern­se­her be­amt die ak­tu­el­le Sen­dung aufs Mo­bil­te­le­fon. Prak­tisch, wenn man ge­ra­de nicht vor dem Ge­rät sit­zen kann und lau­fen­de Pro­gram­me den­noch wei­ter­ver­fol­gen will.

Klang­lich üb­ri­gens hält sich das An­ge­bot spricht­wört­lich eher im Rah­men. Doch über HDMI mit Au­dior­ück­ka­nal, oder den op­ti­schen Aus­gang an der One-Con­nect-Box las­sen sich Laut­spre­cher­sys­te­me pro­blem­los an­schlie­ßen. Sinn­voll auch, dass der Her­stel­ler die Mul­ti­room­fä­hig­keit be­dacht hat. Ein Bil­der­rah­men, der nicht zwin­gend im Wohn­zim­mer­mit­tel­punkt plat­ziert ist, muss schließ­lich sei­nen Ton wo­mög­lich an meh­re­re Ecken im Haus ver­tei­len kön­nen.

Fa­zit

Was bei der ers­ten Prä­sen­ta­ti­on zu Jah­res­be­ginn noch nach we­nig markt­rei­fer De­sign­stu­die aus­sah, ent­wi­ckel­te Samsung kur­zer­hand zum zu­kunfts­träch­ti­gen TV-Kon­zept. The Frame könn­te bald Vor­bild sein für ei­ne neue Fle­xi­bi­li­tät, um Fern­se­her als Kun­st­ob­jekt oder elegantes De­si­gn­mö­bel­stück in die Wohn­land­schaft zu in­te­grie­ren. Drin steckt im­mer­hin ein be­acht­lich gu­ter, voll funk­ti­on­fä­hi­ger Fern­se­her. War­um al­so künf­tig nicht auch an­de­re TV-Mo­del­le mo­du­lar mit Wech­sel­rah­men, Stand­fü­ßen oder wei­te­ren De­si­gnele­men­ten aus­stat­ten? Die Rah­men­be­din­gun­gen da­für hat Samsung ein­drucks­voll ge­schaf­fen.

Wäh­rend bei klas­si­schen Fla­tTVs „rah­men­los“das Zau­ber­wort der letz­ten Jah­re war, steht die 4,25-cm star­ke Kan­te bei „The Frame“ganz im Mit­tel­punkt.

Ist das Kunst oder kann das weg? Die vi­deo Re­dak­ti­on hat­te Spaß beim Au­s­pa­cken. Das „The Frame“-Un­boxin­gVi­deo gibt‘s un­ter www.tech­ni­te.vi­deo.

vi­deo be­glei­tet „The Frame“schon vom Start weg. In die­sem Clip er­klärt Samsung-Ma­na­ger Micha­el Zöl­ler die Vor­zü­ge der In­no­va­ti­on.

Ist bei die­sem Rah­men-TV die Wand­auf­hän­gung ein Muss? Nicht zwin­gend, denn ein Stand­fuß­paar ist im Ba­sis­pa­ket ent­hal­ten und sehr ein­fach zu mon­tie­ren.

Das Bei­spiel zeigt, wie gut sich The Frame auch in mo­der­ne, jun­ge Wohn­land­schaf­ten ein­fü­gen lässt.

Die Wech­sel­rah­men in Beige, Weiß und Wal­nuss sind als Zu­be­hör se­pa­rat er­hält­lich und kos­ten je­weils et­wa 300 Eu­ro.

www.tech­ni­te.vi­deo | 1

1 Über den Kunst­mo­dus der Smart-View-App von Samsung lässt sich das Bild­mo­tiv schnell und ein­fach wech­seln.

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2 In der App las­sen sich auch ei­ni­ge Ein­stel­lun­gen steu­ern, et­wa der Nacht­mo­dus: Ist kein Licht mehr im Raum, schal­tet sich The Frame au­to­ma­tisch ab und zeigt auch kein Ge­mäl­de mehr an.

Samsungs Smart Re­mo­te, dies­mal in weiß, über­zeugt mit sanf­tem Druck­punkt, schnel­ler Re­ak­ti­on und in­tui­ti­ver Hand­ha­bung.

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