Test: Pa­na­so­nic bleibt Spit­ze

Wenn ein ul­tra­schwar­zes OLED-Dis­play durch die Bild­spe­zia­lis­ten von Pa­na­so­nic an­ge­steu­ert wird, muss das Er­geb­nis ja gut wer­den. Den­noch hat der 55EZW954 noch ei­ni­ge Über­ra­schun­gen in pet­to.

video - - Video | Inhalt - Au­tor & Re­dak­ti­on: Ro­land Seibt // Bil­der: Jo­sef Blei­er

Mit 55 Zoll ist der 55EZW954 der klei­ne Bru­der un­se­rer ak­tu­el­len Bild­re­fe­renz. Was sei­ne Leis­tung an­geht, muss sich auch er je­doch kei­nes­wegs ver­ste­cken.

Die ers­te po­si­ti­ve Über­ra­schung ist schon ein­mal der Ver­kaufs­preis. Wur­de das Ge­rät in un­se­rer gro­ßen Markt­über­sicht vor ei­nem hal­ben Jahr noch mit sat­ten 4000 Eu­ro ge­führt, ist sein Preis jetzt of­fi­zi­ell auf 2800 Eu­ro ge­senkt wor­den. An­ge­bo­te selbst bei Fach­händ­lern lie­gen so­gar nocht et­was dar­un­ter. Das freut na­tür­lich sehr, denn die­ser OLED hat es wirk­lich in sich. Er ent­springt nicht Pa­na­so­nics To­p­li­nie „1004“, doch ei­gent­lich fehlt ihm im Ver­gleich zu un­se­rer am­tie­ren­den Re­fe­renz nur et­was De­sign in­klu­si­ve Sound­bar – und na­tür­lich Grö­ße. Er ist mit 55 Zoll der Kleins­te im OLED-Bun­de von Pa­na­so­nic. Nun sind 55 Zoll nicht ge­ra­de üp­pig für die Ul­tra-HD-Auf­lö­sung von 3840x2160 Bild­punk­ten. Ein or­dent­lich scharf se­hen­der Mensch muss bis auf ei­nen Me­ter an die­ses Dis­play tre­ten, um wirk­lich al­le theo­re­tisch im 4K-Si­gnal vor­han­de­nen De­tails ex­akt dif­fe­ren­zie­ren zu kön­nen. Ab zwei Me­ter Se­hab­stand ist kein Un­ter­schied zum Full-HD-TV mehr aus­zu­ma­chen. Oder viel­leicht doch? Tat­säch­lich ist auch in der nor­ma­len So­fa-Si­tua­ti­on der Er­leb­nis­fak­tor enorm im Ver­gleich zu ei­nem äl­te­ren TV-Ge­rät, doch das liegt nicht an der Schär­fe, son­dern viel­mehr an den sat­ten Far­ben und der ho­hen Bril­lanz der HDR-Norm so­wie dem erst­klas­si-

gen Blick­win­kel und dem fas­zi­nie­ren­den Schwarz­wert der OLED-Tech­nik. So be­sitzt auch die­ser „klei­ne“Su­per-TV ei­ne sehr ho­he Kauf­re­le­vanz, zu­mal vie­le Kun­den grund­sätz­lich kein grö­ße­res Ge­rät auf­stel­len wol­len.

Hoch­wer­ti­ge Tech­nik

So ist die­ser OLED-Fern­se­her wie ein­gangs er­wähnt tech­nisch nicht wirk­lich ab­ge­speckt, son­dern geht in Aus­stat­tung so­wie Pro­duk­ti­ons­qua­li­tät in die Vol­len. Mit 25 Ki­lo­gramm ist er deut­lich schwe­rer als sei­ne Mit­be­wer­ber von LG oder Phi­lips, und die­ser sau­be­re Me­tal­l­ein­satz zeigt sich nicht zu­letzt in der gu­ten Ton­wer­tung. Hier klap­pert nichts, ob­wohl der Bass kräf­tig rockt. Das De­sign wirkt ins­ge­samt je­doch al­les an­de­re als fi­li­gran, ul­tra­kom­pakt oder se­xy.

Dem TV-Tech­nik­fan wird dann aber wie­der warm ums Herz, wenn er sich die An­schlüs­se an­schaut und über­blickt, was man mit den Si­gna­len al­les an­stel­len kann. Hier gibt es von Pa­na­so­nic die markt­füh­ren­de Breit­sei­te mit Dop­pel­tu­ner (inkl. 2x CI) plus DVB>IP-Funk­ti­on, de­ren emp­fan­ge­ne Streams sich so­gar als Netz­werk­ser­ver wie­der an an­de­re Emp­fän­ger di­ri­gie­ren las­sen. Vier­mal HDMI und drei­mal USB wer­den flan­kiert von ei­nem SD-Kar­ten­slot und ei­nem Ana­log­ein­gang, der über ei­nen Ad­ap­ter noch Kom­po­nen­te kann. Was die mehr­schich­ti­gen Auf­nah­me­funk­tio­nen mit Fern­pro­gram­mie­rung be­trifft, macht Pa­na­so­nic seit Jah­ren kein an­de­rer Asia­te et­was vor, und so fin­den sich hier al­le be­lieb­ten Fea­tu­res wie­der: Dop­pel­auf­nah­me, Wie­der­ga­be wäh­rend Auf­nah­me oder Strea­m­ing, und na­tür­lich aus­ge­reif­te Ti­mer mit Nach­lauf­zeit.

Pa­na­so­nic setzt (noch) auf das Be­triebs­sys­tem Fi­re­fox-TV und be­kommt dar­über Zu­griff auf die wich­tigs­ten Strea­m­ing­an­bie­ter und ei­ni­ge in­ter­es­san­te In­fo­diens­te. Zur bes­se­ren Über­sicht­lich­keit las­sen sich Apps, Me­dien­quel­len oder TV-Sen­der als Fa­vo­ri­ten auf der Haupt­sei­te ab­le­gen – als gi­gan­tisch gro­ße Icons. Ge­steu­ert wird über ei­ne klas­si­sche Fern­be­die­nung, die hoch­wer­tig ge­stal­tet ist. Al­ter­na­tiv legt Pa­na­so­nic ein mo­der­nes Touch­pad bei, das so­gar ei­ni­ge Sprach­be­feh­le ver­steht. Mit den Fä­hig­kei­ten der jetzt an­ge­sag­ten Sprachas­sis­ten­ten von Goog­le und Ama­zon darf man die TV-Steue­rung je­doch nicht ver­glei­chen. Na­vi­giert man klas­sisch durch die im­mens vie­len Ein­stel­lungs­me­nüs fällt die gu­te Re­ak­ti­ons­zeit po­si­tiv auf. Zu­dem hält Pa­na­so­nic an ge­lern­ten aus­ge­reif­ten De­signs von Pro­gramm­füh­rer, Ein­stel­lungs­me­nüs und Sen­der­sor­tie­rung fest. Die sind gra­fisch nicht un­be­dingt hübsch, aber ex­trem funk­tio­nell und fix – und das ist es, was zählt. So ist der nor­ma­le TV-Kon­sum sel­ten so ein­fach zu hand­ha­ben wie bei Pa­na­so­nic. Da­zu se­hen die Pro­gram­me auch bild­tech­nisch noch sehr gut aus. Schon in der Werks­ein­stel­lung wird so­wohl bei Tu­nern als auch über HDMI ei­ne über­aus lo­bens­wer­te Na­tür­lich­keit an den Tag

ge­legt. Es gibt oh­ne En­de Bild­ver­bes­se­run­gen, doch die wir­ken zum Glück nicht über­trie­ben und las­sen sich leicht zü­geln. In den pro­fes­sio­nel­len Mo­di stim­men dann die Far­ben und Kon­tras­te wie aus dem Lehr­buch, so­dass der Pa­na­so­nic sich so­gar in Stu­di­os gut ma­chen wür­de. Im Ver­gleich zur Top­se­rie ver­mis­sen wir al­lein die Ka­li­bra­ti­on über den 3D-LUT, ei­ne sehr spe­zi­el­le Pro­fi­funk­ti­on nur für Stu­dio­ge­rä­te. Dies tut der voll pro­fes­sio­nel­len Ka­li­brier­bar­keit und der ab­so­lut ta­del­lo­sen Bild­ver­ar­bei­tung des THX-zer­ti­fi­zier­ten 55EZW954 je­doch kei­nen Ab­bruch. Steht man auf völ­lig norm­ge­rech­te har­mo­ni­sche Bil­der, ist man bei Pa­na­so­nic rich­tig. Die Na­tür­lich­keit von Haut­tö­nen und Re­al­far­ben ist phä­no­me­nal, die De­tail­schär­fe von Struk­tu­ren hoch, oh­ne zu stark zu ak­zen­tu­ie­ren. Ein­zig das Auf­blä­hen schwa­cher In­hal­te ge­lingt So­ny bes­ser, und die Bril­lanz groß­flä­chig heller In­hal­te ist bei LG stär­ker.

Und wer jetzt denkt, oh­ne die in­te­grier­te De­sign-Sound­bar der 1004er Rei­he wür­den Pa­na­so­nic-TVs nicht gut klin­gen dür­fen, wird ei­nes Bes­se­ren be­lehrt. Trotz Down­firing ist die klang­li­che Ab­stim­mung sehr gut ge­lun­gen, die Dy­na­mik hoch, und da­bei reicht der Bass­bo­den er­staun­lich tief her­un­ter in den Fre­quenz­kel­ler.

Fa­zit

Auch wenn er nicht so gut aus­sieht wie sei­ne gro­ßen Brü­der, lie­fert der TX-55EZW954 ei­ne ge­nau­so ex­zel­len­te Bild­qua­li­tät, klingt da­zu ver­gleichs­wei­se su­per und ist bes­tens aus­ge­stat­tet.

Das ul­tra­dün­ne OLED-Pa­nel hängt vor ei­nem Klotz von TV-Elek­tro­nik. Der ist aber sehr sta­bil schwer ver­ar­bei­tet und bie­tet ge­nü­gend Luft für Laut­spre­cher.

Weil die Ka­bel hin­ter dem Fuß ent­lang ge­führt wer­den, kön­nen stö­ren sie von der Sitz­po­si­ti­on aus ge­se­hen nicht. Die meis­ten An­schlüs­se be­fin­den sich hin­ter ei­ner Klap­pe.

Pa­na­so­nic bie­tet ei­ne über­wäl­ti­gen­de An­zahl an Jus­ta­gen für die Bild­qua­li­tät an. Nur Ein­ge­weih­te wis­sen, was ge­nau pas­siert.

Mit den Pfeil­tas­ten ge­langt man hier schnel­ler durch die Me­nüs als mit dem Touch­feld. Wich­tigs­tes De­tail ist je­doch das Mi­kro­fon.

Die me­tal­le­ne Haupt­fern­be­die­nung liegt schwer in der Hand und drückt sich sehr kna­ckig.

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