Klipsch Re­fe­rence 5.1.2 // 2850 Eu­ro

video - - Ton | Test: Surround-Sets -

Wie so oft bei Klipsch se­hen die Spea­ker teu­rer aus als sie wirk­lich sind. So kos­tet das gan­ze 5.1.2-Set mit sei­ner Eig­nung für Dol­by Atmos nicht ein­mal dop­pelt so viel wie Can­tons 2.0-Duo, das al­ler­dings ak­tiv ist und qua­si den Re­cei­ver schon mit­ein­ge­baut hat.

Trotz­dem fah­ren die Ame­ri­ka­ner für knapp 3000 Eu­ro ein gro­ßes Ge­deck auf. Zwar ver­wen­det Klipsch wie in die­ser Klas­se üb­lich kei­ne ech­ten Holz-Fur­nie­re, doch sie ver­su­chen auch erst gar nicht, dar­über hin­weg zu täu­schen. Die hoch­wer­ti­gen Vi­ny­lober­flä­chen wir­ken ver­gleichs­wei­se edel und sind sehr ro­bust. Doch das sind im wahrs­ten Sin­ne des Wor­schräg tes nur Ober­fläch­lich­kei­ten. Die Tra­di­ti­ons­mar­ke bie­tet zahl­rei­che Spe­zia­li­tä­ten. Da­zu zäh­len frag­los das qua­dra­ti­sche Trac­trix-Horn mit sei­nem Druck­kam­mer-Hoch­tö­ner und die IMG-Me­bra­nen. Das Kür­zel IMG steht für In­jec­tion Mol­ded Gra­phi­te und macht die Bo­xen und den Sub­woo­fer oh­ne Be­span­nung zum ech­ten Hin­gu­cker. Wäh­rend die leich­ten und stei­fen Tief-Mit­tel­tö­ner in auf­fäl­li­gem Kup­fer­glanz strah­len, ver­birgt die Re­fe­rence-Se­rie ihr jüngs­tes Tech­no­lo­gie-Up­grade auf der Ober­sei­te der ei­nen Me­ter ho­hen vor­de­ren 2-We­ge-Bass­re­flex-Stand­bo­xen Re­fe­rence R-26FA. Und zwar in ei­ner oben mit Stoff be­deck­ten Ver­tie­fung: ei­ne nach vor­ne an­ge­win­kel­te ein­ge­bau­te 2-We­ge-Kom­bi­na­ti­on zur Wie­der­ga­be der Height-Ka­nä­le von Dol­by-Atmos-Pro­gram­men. Die­se in­te­grier­te Lö­sung sieht we­sent­lich bes­ser aus als die Ver­wen­dung der üb­li­chen Atmos-Auf­sät­ze, wie sie Klipsch wie vie­le an­de­re Her­stel­ler seit ei­ni­ger Zeit im Pro­gramm hat (sie­he Kas­ten rechts).

Ad­äqua­te Atmos-Trei­ber

Was die Trei­ber-Be­stü­ckung der Atmos-Ka­nä­le be­trifft, ver­trau­en die Ent­wick­ler auf die glei­chen Tech­no­lo­gi­en wie zur di­rek­ten Be­schal­lung: Die Hö­hen über­nimmt ein wir­kungs­grad­star­kes Hy­brid-Trac­trix-Horn

mit 2,5-cm-Alu­mi­ni­um-LTS-Tweeter. LTS steht für Li­ne­ar Tra­vel Sus­pen­si­on und be­zieht sich auf die spe­zi­el­le Auf­hän­gung, die Ver­zer­run­gen mi­ni­mie­ren soll und auch in der pres­ti­ge­träch­ti­gen Pal­la­di­um-Se­rie ih­ren Di­enst ver­rich­tet. Die un­te­ren Be­rei­che be­treut ein 13,3-cm-IMG-Ko­nus. Weil die Si­gna­le aus den Dol­by­At­mos-Ka­nä­len zwar von der De­cke, aber nicht von den Sei­ten­wän­den ih­rer Ein­bau­mul­de re­flek­tiert wer­den sol­len, pols­ter­te Klipsch das Nest rund­her­um mit ei­ner di­cken Schaum­stoff­be­dämp­fung aus. Ne­ben­bei er­rei­chen die Ent­wick­ler durch ih­re be­son­de­re Kon­struk­ti­on ei­ne gu­te Ab­schir­mung der Height-Ka­nä­le, die man ja nur als De­cken­re­fle­xi­on von oben wahr­neh­men soll, zum Hör­platz hin. Dort kommt bei ho­hen Fre­quen­zen kaum Di­rekt­schall an, was die Or­tung der vir­tu­el­len Schall­er­eig­nis­se ver­bes­sert.

Eben­falls nicht so leicht als Schall­quel­le zu or­ten sind die hin­te­ren Laut­spre­cher. In den Surround-Ka­nä­len schwört Klipsch als Her­stel­ler mit lan­ger Ki­no­tra­di­ti­on auf Di­po­le, die ein dif­fu­ses Schall­feld er­zeu­gen. Das ist ge­ra­de auch von Vor­teil, wenn die R-14S na­he am Hör­platz ver­wen­det wer­den, was im Wohn­zim­mer oft schwer zu ver­mei­den ist.

Der Woo­fer schiebt an

Ein rich­tig di­cker Bro­cken ist der Sub­woo­fer RP-112, der ei­nen 30 cm durch­mes­sen­den Lang-Hub-Cera­me­tal­lic-Kup­fer-Tief­tö­ner auf­fährt. Ei­ne Class-D-End­stu­fe mit 300 Watt Si­nus macht dem Bass­re­flex-Wür­fel zünf­tig Dampf: Er kommt hin­un­ter bis 23 Hz -3 dB und lie­fert trotz der tie­fen Ab­stim­mung 109 dB ma­xi­ma­len Schall­druck mit ge­rin­gen Ver­zer­run­gen.

Ent­spre­chend druck­voll war die Vor­stel­lung der ame­ri­ka­ni­schen 5.1.2-Mann­schaft. Atmos-Fil­me wie Eve­r­est lie­ßen ei­nen tief in die At­mo­sphä­re ein­tau­chen. Don­ner­grol­len ge­hör­te zu den Pa­ra­de­dis­zi­pli­nen der Re­fe­rence-Se­rie, die sich bei tief­fre­quen­ten Spe­zi­al­ef­fek­ten je­der­zeit auf ih­ren Sub­woo­fer ver­las­sen konn­te. Auch die für ih­re Preis­klas­se aus­ge­spro­chen ho­hen Dy­na­mi­k­re­ser­ven der üb­li­chen Mit­strei­ter konn­ten oh­ne Ab­stri­che über­zeu­gen. Eben­so her­aus­ra­gend ge­riet der rie­sig gro­ße, lü­cken­los zu­sam­men­hän­gen­de Raum. Selbst mit Fil­men in klas­si­schem DTS oder Dol­by Di­gi­tal er­zeug­ten die Bo­xen ei­ne sehr ho­he Ab­bil­dung, die Fil­men ein ge­rüt­tel­tes Maß an Au­then­ti­zi­tät ver­lieh.

Mit Kon­zert-Discs wie Smo­ke & Mir­rors Li­ve von den Ima­gi­ne Dra­gons über­zeug­ten aber­mals die gro­ße Dy­na­mik und Pe­gel­fes­tig­keit, die den ab­grund­tie­fen Bass-Atta­cken von „Ra­dioac­tive“ge­wach­sen war. Al­ler­dings war der Bass all­ge­mein eher voll und weich als kna­ckig und tro­cken. Zu­dem kos­te­ten die et­was zu bril­lan­ten Stim­men in Ver­bin­dung mit klei­nen Schwä­chen in der Auf­lö­sung et­was Punk­te – ein Ef­fekt, der auch bei den bei­den RF-26FA im Ste­reo-Durch­gang auf­trat. Die Fron­tSäu­len al­lei­ne hät­ten zu­dem et­was mehr Saft im Bass ver­tra­gen kön­nen.

Fa­zit

Wer auf mäch­ti­ge Spe­zi­al-Ef­fek­te mit viel Tief­gang plus üp­pi­ge Dy­na­mi­k­re­ser­ven steht, be­kommt bei Klipsch ein Ma­xi­mum fürs Geld.

Tie­fer­ge­legt: Klipsch ver­senk­te den At­mosSpea­ker in sei­ner neu­en R-26FA un­ter ei­ner Stoff­abde­ckung. Die Schaum­stoff­be­dämp­fung wirkt Re­fle­xio­nen ent­ge­gen.

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