Die Zu­kunft des Ki­nos

Das gro­ße Ki­noster­ben? Viel wird ge­schrie­ben über ei­ne Bran­che, die an­geb­lich tief in der Kri­se steckt. Aber ist dem wirk­lich so? Und wenn ja, wel­che Zu­kunft hat das Ki­no? Wir se­hen uns den Zu­stand der Zunft ein­mal ge­nau­er an und stel­len zwei An­sät­ze vor,

video - - INHALT - Von Mat­thi­as Schef­fer

Bal­di­ger Un­ter­gang oder gro­ßer Boom dank be­vor­ste­hen­der In­no­va­tio­nen? Wir wer­fen ei­nen Blick auf den Ki­no­markt.

D ie Ge­schich­te des Ki­nos ist ge­prägt von gro­ßen In­no­va­tio­nen und ge­nau­so gro­ßen Kri­sen. Los ging es in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts mit Schau­bu­den auf Jahr­märk­ten. Mit­tels Ste­reo­sko­pen wur­den Be­su­chern drei­di­men­sio­na­le Fo­tos dar­ge­bo­ten. Tho­mas Al­va Edi­sons Ki­ne­toskop hob dies auf ein hö­he­res Le­vel. In ei­ner Art Schau­kas­ten konn­te nun je­weils ei­ne Per­son kur­ze Fil­me be­trach­ten. Über den Er­fin­der des ers­ten Film­pro­jek­tors ist man sich nicht ganz ei­nig. Et­wa zeit­gleich ent­wi­ckel­ten die Ge­brü­der Lu­miè­re den „Ci­né­ma­to­gra­phe“und die Deut­schen Max und Eu­gen Sk­land­a­now­sky den „Bi­o­scop“.

Wem die Eh­re auch ge­bührt, das Ki­no fei­er­te ab der Jahr­hun­dert­wen­de ei­ne be­ein­dru­cken­de Wachs­tums­pe­ri­ode. Im Jahr 1927 gab es welt­weit be­reits ca. 50.000 Ki­nos, da­von in Deutsch­land et­wa 4300. Und so ging es wei­ter. Denn die Tech­nik ent­wi­ckel­te sich ra­sant. Vom Stumm­film zum Ton­film, von Schwarz­weiß zur Far­be. Wachs­tum durch In­no­va­ti­on wür­de man heu­te sa­gen.

Von Kri­se zu Kri­se

Doch es konn­te nicht im­mer so wei­ter­ge­hen. Be­reits ab den spä­ten Fünf­zi­ger­jah­ren ka­men durch die wach­sen­de An­zahl an Haus­hal­ten mit Fern­seh­ge­rä­ten im­mer we­ni­ger Men­schen in die Film­spiel­häu­ser. Kri­se durch Dis­rup­ti­on wür­de man heu­te sa­gen. Man re­agier­te mit dem Um­bau der gro­ßen Ki­no­sä­le in klei­ne­re „ Schach­tel­ki­nos“. So konn­ten in ei­nem Ki­no mit ähn­li­chem Per­so­nal­auf­wand deut­lich mehr Fil­me ge­zeigt wer­den. Die­se Kos­ten­op­ti­mie­rung hielt den rück­gän­gi­gen Trend frei­lich nicht auf. Vie­le Ki­nos „star­ben aus“.

Im Prin­zip wa­ren die auf­kom­men­den gro­ßen Mul­ti­plex-Ki­nos in den 80er- und 90er-Jah­ren nur ei­ne kon­se­quen­te Fort­füh­rung die­ser Stra­te­gie. Noch mehr Sä­le bei ähn­li­cher Kos­ten­struk­tur. Für die klei­ne­ren Ki­nos wur­de es noch schwie­ri­ger zu über­le­ben, die Be­su­cher­zah­len sta­bi­li­sier­ten sich je­doch ab den 90er-Jah­ren ins­ge­samt. In­no­va­tio­nen wie 3D oder Breit­lein­wän­de sorg­ten so­gar ein ums an­de­re

Mal für kurz­fris­ti­ge Booms, die aber nie an­hal­ten­des Wachs­tum ge­ne­rie­ren konn­ten. Die „Klei­nen“konn­ten da­von oh­ne­hin nie wirk­lich pro­fi­tie­ren. Zu hoch wa­ren die In­ves­ti­ti­ons­kos­ten in die neu­en Tech­no­lo­gi­en.

Ki­noster­ben 2.0

Seit meh­re­ren Jah­ren liest man nun wie­der vom gro­ßen Ki­noster­ben. Tat­säch­lich sind die Be­su­cher­zah­len seit 2012 (mit Aus­nah­me von 2015) rück­läu­fig, die An­zahl an Spiel­stät­ten ist je­doch so­gar leicht ge­stie­gen (sie­he Gra­fik un­ten). Viel Lärm um nichts? Oder steckt die Zunft tat­säch­lich er­neut in ei­ner schwer­wie­gen­den Kri­se? Klar ist: Die fet­ten Jah­re sind erst­mal vor­bei! Gin­gen im Jahr 2001 noch 177,9 Mio. Be­su­cher in deut­sche Ki­nos, wa­ren es 2016 nur noch 121,1 Mio. (sta­tis­ta.de). Und die Her­aus­for­de­run­gen wer­den nicht klei­ner. Nach wie vor kos­ten il­le­ga­le Raub­ko­pi­en die Bran­che vie­le Mil­lio­nen Um­sät­ze. Zu­dem wer­den TVs mit rie­sen­gro­ßen Bild­schirm­dia­go­na­len und UHDPro­jek­to­ren im­mer er­schwing­li­cher und brin­gen das Ki­no­er­leb­nis im­mer bes­ser in die ei­ge­nen vier Wän­de.

Und seit ei­ni­gen Jah­ren hat man neue gro­ße Wett­be­wer­ber. Die gro­ßen Strea­m­ing­an­bie­ter und Pay-TV-Fir­men in­ves­tie­ren mas­siv in ei­ge­ne Block­bus­ter, die am Ki­no vor­bei­ge­hen. Doch so man­cher aus der Bran­che klagt auch über zu we­nig gu­te In­hal­te. Um die Jahr­tau­send­wen­de sorg­ten Rei­hen wie Har­ry Pot­ter und Herr der Rin­ge noch für lan­ge Schlan­gen an den Kas­sen, zu­dem wa­ren die Be­su­cher­zah­len bes­ser plan­bar als heu­te. Nun hofft man je­des Jahr dar­auf, dass wie­der mas­sen­wei­se Star Wars Fans in die Ki­nos pil­gern. Doch der letz­te Wurf ging da­ne­ben. „ So­lo: A Star Wars Sto­ry“konn­te bei Wei­tem nicht die er­hoff­ten Sum­men ein­spie­len. Die Stra­te­gie, je­des Jahr ein neu­es Star Wars Spin Off auf den Markt zu brin­gen, scheint nicht mehr auf­zu­ge­hen. Das är­gert nicht nur Dis­ney, auch die Ki­nos hier­zu­lan­de merk­ten den Flop deut­lich.

Event­ki­no kos­tet

Eins ist aber er­kenn­bar: Die sin­ken­den Be­su­cher­zah­len kön­nen dem Um­satz noch nichts an­ha­ben. Denn die Bran­che re­agiert mit stei­gen­den Ti­cket­prei­sen. Von 7,65 Eu­ro in 2012 stieg der durch­schnitt­li­che Preis auf 8,63 Eu­ro

im letz­ten Jahr (sie­he Gra­fik S. 28). Ob das die rich­ti­ge Ant­wort ist? Die Bran­che sagt, sie gä­be die stei­gen­den Prei­se der US-Stu­di­os nur an die Ver­brau­cher wei­ter. Das wird der ge­mei­ne Ki­no­be­su­cher nicht ewig mit­ma­chen. Der scheint aber oh­ne­hin nicht mehr im Fo­kus zu ste­hen. Vie­le Ki­no­be­trei­ber set­zen auf Lu­xus. Der Ki­no­be­such wird zum Event sti­li­siert und spricht ei­ne äl­te­re und da­mit kauf­kräf­ti­ge­re Ziel­grup­pe an. Die­ser Lu­xus fin­det mitt­ler­wei­le auch im Mul­ti­plex statt. Ci­ne­ma­xx bie­tet in Mül­heim und Es­sen das so­ge­nann­te „ First- Class“an. Der Be­su­cher sitzt auf Ein­zel- oder Dop­pel­sit­zen in Le­der ne­ben hoch­wer­ti­gen Glas­ti­schen mit Lam­pen, die sich per Hand­be­rüh­rung dim­men las­sen. Das kos­tet. 14,90 Eu­ro bzw. 19,90 Eu­ro für 3D muss hier­für auf den Ti­cket­schal­ter ge­legt wer­den. Da­zu kom­men teil­wei­se Film­zu­schlä­ge bis zu 2,50 Eu­ro, die Lo­ge kos­tet 1,50 Eu­ro und der Premium Seat gan­ze 3 Eu­ro. Ob das Kon­zept auf­geht, ist schwer zu sa­gen. Auf jeden Fall wur­de „First Class“bis­lang noch nicht in wei­te­ren deut­schen Ci­ne­ma­xx-Ki­nos aus­ge­rollt.

In­no­va­ti­ons­ar­me Jah­re

Der ver­meint­li­che Heils­brin­ger kam im Jahr 2009. Ja­mes Ca­me­rons Avat­ar ließ die Ki­no­kas­sen kräf­tig klin­geln.

Doch auch 3D-Fil­me konn­ten der Bran­che nicht lang­fris­tig hel­fen. Der durch­schnitt­li­che jähr­li­che Ki­no­be­such pro Ein­woh­ner ist seit 2002 von 1,99 auf 1,48 in 2017 ge­sun­ken (sta­tis­ta.de). Nur im Jahr 2015 durf­te man wie­der mehr Be­su­cher an den Kas­sen be­grü­ßen. Un­ter an­de­rem „ Fack ju Göh­te 2“be­weg­te wie­der mehr Men­schen vom So­fa ins Ki­no.

Doch nur auf feh­len­de In­hal­te zu ver­wei­sen, kä­me zu kurz. Ei­ner Sta­tis­tik von Sta­tis­ta zu­fol­ge ha­ben zwi­schen 2004 und 2009 nie mehr als 30 und meist deut­lich un­ter 20 Pro­zent der deut­schen Ki­no­be­trei­ber über­haupt in ih­re Ki­no­sä­le in­ves­tiert. Ver­ständ­lich bei we­ni­ger Be­su­chern, si­cher­lich aber nicht der An­satz, um Men­schen wie­der zum Ki­no­be­such zu be­we­gen. Tech­ni­ken, die den Heim­ki­no­be­reich schon längst er­obert ha­ben, trifft man im Ki­no tat­säch­lich noch sehr sel­ten an. Klar, die nö­ti­gen In­ves­ti­ti­ons­sum­men sind hoch, das Po­ten­zi­al aber auch. Und so ver­lässt heut­zu­ta­ge so man­cher Film­fan das Ki­no ent­täuscht.

Die Zu­kunft aus Süd­ko­rea

Was al­so tun, um die Kri­se zu be­wäl­ti­gen? Ei­ne mög­li­che Ant­wort kommt nun aus Süd­ko­rea. Der Samsung Ci­ne­ma LED Screen. Wenn man so will, ein ech­ter Pa­ra­dig­men­wech­sel. Das Bild wird nicht mehr pro­ji­ziert, wie man es seit über hun­dert Jah­ren aus dem Ki­no ge­wohnt ist. Der Be­su­cher blickt auf ei­nen Screen. Und der hat es

in sich. In Zü­rich wur­de An­fang des Jah­res der ers­te Ki­nossal mit der neu­en Tech­nik in Eu­ro­pa prä­sen­tiert, im Ju­li folg­te dann der ers­te Auf­schlag für Deutsch­land in Ess­lin­gen. Hier steht je­weils ein 10,3 Me­ter brei­ter und 5,4 Me­ter hoher Screen. 96 Käs­ten, wel­che wie­der­um je­weils aus 24 Ein­zel­mo­du­len be­ste­hen, wur­den hier­für naht­los an­ein­an­der ge­baut. Die ein­zel­nen Käs­ten kön­nen in­di­vi­du­ell aus­ge­tauscht wer­den. Geht man ganz nah an den Screen her­an, kann man tat­säch­lich die ein­zel­nen Be­stand­tei­le er­ken­nen, sitzt man je­doch in ge­büh­ren­dem Ab­stand, merkt man nichts von der Mo­dul­bau­wei­se. Die ein­zel­nen Pane­le fü­gen sich kom­plett naht­los in­ein­an­der.

Der 4K-Screen hat ei­ne Auf­lö­sung von 4096 x 2160 Pi­xeln. Das macht neun Mil­lio­nen Pi­xel. In je­dem Pi­xel sit­zen drei LEDs, für ro­tes, grü­nes und blau­es Licht. Nach Adam Rie­se be­steht der Screen al­so aus 26,4 Mil­lio­nen LEDs. Der Raum in Ess­lin­gen fasst et­was über 100 Per­so­nen. Viel mehr geht wohl nicht bei der Grö­ße des Screens. Der Traum­pa­last Ess­lin­gen ver­langt ei­nen Auf­schlag von zwei Eu­ro für den Be­such des Saals. Es ist wohl noch zu früh um zu sa­gen, ob die Rech­nung für Ki­no­be­trei­ber auf­geht oder nicht. Ei­nen Ver­such ist es def­in­tiv wert. Samsung je­den­falls wirbt da­mit, dass man durch den feh­len­den Vor­führ­raum mehr Sitz­rei­hen in die Sä­le ver­bau­en kann, al­so mehr Ti­ckets ver­kau­fen kann. Dar­über­hin­aus soll das Sys­tem güns­ti­ger in der War­tung sein. Samsung ga­ran­tiert ei­ne Be­riebs­zeit von elf Jah­ren, zu­dem kann der Ki­no­be­trei­ber ein­zel­ne de­fek­te Mo­du­le selbst aus­tau­schen.

Schwarz ist schwarz

Der Ci­ne­ma LED Screen ist das ers­te Kin­odis­play, das nach dem DCI (Di- gi­tal Ci­ne­ma Initia­ti­ve) zer­ti­fi­ziert ist. Der Screen kommt mit vie­len Vor­tei­len ge­gen­über der klas­si­schen Pro­jek­ti­on da­her. Zu­nächst ein­mal er­laubt er es, die bei­den üb­li­chen Ki­no­for­ma­te „flat“und „scope“oh­ne stö­ren­de dun­kel­graue Strei­fen an den Rän­dern wie­der­zu­ge­ben. Das ech­te Ste­cken­pferd ist aber die Leucht­kraft. Laut Samsung ist sie zehn­mal stär­ker als bei her­kömm­li­chen Pro­jek­to­ren. Man spricht von 500 Nits. So bleibt die Farb­bril­lanz so­gar in sehr hel­len Sze­nen er­hal­ten und auch sehr dunk­le Sze­nen glän­zen noch mit ei­ner her­vor­ra­gen­den De­tail­treue. Ins­be­son­de­re kann der Screen mit ei­nem Schwarz­wert auf­war­ten, den her­kömm­li­che Pro­jek­to­ren schlicht nicht bie­ten kön­nen. Denn die durch den Pro­jek­ti­ons­strahl ent­ste­hen­den Re­flek­tio­nen ver­wa­schen das Schwarz nur zu ger­ne. Das fällt bei ei­nem selbst­leuch­ten­den Screen na­tür­lich weg.

Zu­dem lässt der Screen ein lang­sam ver­blas­sen­des The­ma wie­der auf­le­ben: Er kann für 3D-In­hal­te auf­ge­rüs­tet wer­den. Hier­für sind zu­sätz­li­che Emit­ter not­wen­dig. Der Be­su­cher kann den Film dann mit­tels Shut­terB­ril­le ge­nie­ßen. Durch die ho­he Leucht­kraft des Screens sol­len 3DFil­me deut­lich bes­ser zur Gel­tung kom­men. Viel­leicht al­so der Auf­schlag zu ei­nem neu­en 3D-Sie­ges­zug? Wir sind ge­spannt.

Auch der Sound stimmt

Den op­ti­ma­len Sound hat Samsung so­zu­sa­gen auch gleich mit­ge­bracht. Denn der So­und­spe­zia­list Har­man

mit der Mar­ke JBL lie­fert den pas­sen­den Ton. 2016 wur­de Har­man be­kannt­lich von Samsung über­nom­men. In Ess­lin­gen kam ein 7.1 Sys­tem zum Ein­satz. De­cken­laut­spre­cher wur­den aber be­reits in­stal­liert und könn­ten grun­dätz­lich für 3D- Sound sor­gen. Da die Front­laut­spre­cher in die­sem Fall na­tür­lich nicht durch ei­ne akus­tisch durch­läs­si­ge Lein­wand schal­len kön­nen, sind sie um das Dis­play her­um an­ge­ord­net. Durch JBLs so­ge­nann­tes „ Sculp­ted Sur­round“Sys­tem wird der Sound im Saal voll­kom­men gleich­mä­ßig ver­teilt.

HDR, nur wel­ches?

Klar, das Gan­ze ist per­fekt für HDRIn­hal­te aus­ge­legt. Nun ist HDR aber be­kannt­lich nicht gleich HDR. Samsung setzt zu­sam­men mit Pa­na­so­nic und 20th Cen­tu­ry Fox auf den Stan­dard HDR10+. Was In­hal­te an­geht, ha­ben si­cher­lich die Ame­ri­ka­ner mit ih­rem Stan­dard Dol­by Vi­si­on den Vor­sprung. Der­zeit ist es aber schwer vor­stell­bar, dass Dol­by Vi­si­on In­hal­te auf ei­nem Samsung Screen ge­zeigt wer­den. Die Web­site des Traum­pa­last Ess­lin­gen gibt kei­ne Aus­kunft dar­über, ob die ge­zeig­ten Fil­me in HDR bzw. in wel­chem da­her­kom­men. Tat­säch­lich soll der LED Screen aber auch ei­ne Ver­bes­se­rung von Bil­dern oh­ne HDR her­bei­füh­ren. Bleibt zu hof­fen, dass die sich ent­wi­ckeln­de Ki­no­tech­nik zu ei­ner zu­neh­men­den Pro­duk­ti­on von HDR-In­hal­ten führt.

Fas­zi­na­ti­on Ki­no

Wir durf­ten uns im Traum­pa­last in Ess­lin­gen von der neu­en Tech­nik über­zeu­gen. Tat­säch­lich wa­ren wir be­geis­tert. Samsung hat­te im Vor­feld nicht zu viel ver­spro­chen. Schwarz ist tat­säch­lich ech­tes Schwarz, die Far­ben wirk­ten wirk­lich bril­lant. Bei dem von ARRI ge­zeig­ten Film „Faces“, der in ech­tem HDR pro­du­ziert wur­de, kam dies frei­lich noch stär­ker zur Gel­tung

als bei dem an­schlie­ßend ge­zeig­ten Film „Ju­ras­sic World: Das ge­fal­le­ne Kö­nig­reich“. Ob der Screen ei­ne Auf­wer­tung die­ses Con­tents her­stel­len konn­te, war schwer zu sa­gen. Ver­mut­lich bräuch­te man hier­für den di­rek­ten Ver­gleich zum pro­ji­zier­ten Film. Doch auch die­se Bil­der konn­ten un­se­re Fas­zi­na­ti­on nicht hem­men, wir ver­lie­ßen das Ki­no tief be­ein­druckt.

Ge­samt­kon­zept von Dol­by

Ei­nen an­de­ren Weg geht ein Un­ter­neh­men, das man schon lan­ge mit Ki­no ver­bin­det. Be­reits im De­zem­ber 2014 er­öff­ne­te Eu­ro­pas ers­tes Dol­by Ci­ne­ma im nie­der­län­di­schen Eind­ho­ven. In der Zwi­schen­zeit ka­men wei­te­re in ver­schie­de­nen eu­ro­päi­schen Städ­ten hin­zu. In die­sem Jahr soll es noch Deutsch­land­pre­mie­re im Münch­ner Mat­hä­ser fei­ern. Zu­nächst denkt man beim ame­ri­ka­ni­schen Un­ter­neh­men na­tür­lich an Dol­by Vi­si­on und Dol­by At­mos. Dies steht tat­säch­lich auch im Fo­kus, das Dol­by Ci­ne­ma soll aber viel­mehr ein ganz­heit­li­ches neu­es Ki­no­er­leb­nis sein. Der Slo­gan heißt „The To­tal Ci­ne­ma Ex­pe­ri­ence“und das scheint nicht von un­ge­fähr zu kom­men.

Be­vor man den Ki­no­saal be­tritt, wird man durch ei­ne Pas­sa­ge ge­lei­tet, in der ein je­weils für den lau­fen­den Film ge­dreh­ter Clip mit pas­sen­dem Ton ge­zeigt wird. Der Saal ist kom­plett in Schwarz ge­hal­ten, nur blaue Licht­strei­fen an den Wän­den so­wie blaue Lam­pen an den Trep­pen sor­gen für Be­leuch­tung vor Film­start. Die Ses­sel­rei­hen sind halb­mond­för­mig an­ge­bracht, so­dass je­der Be­su­cher ei­nen per­fek­ten Blick auf die Lein­wand hat, wel­che eben­so nach in­nen ge­wölbt ist. Auf Dol­bys Web­sei­te wird dar­über­hin­aus von so­ge­nann­tem „In­no­va­ti­ve Sea­ting“ge­spro­chen. Die Sit­ze wur­den er­go­no­misch kon­zi­piert, die Leh­ne ist ver­stell­bar. Kei­ne Ablen­kun­gen, per­fek­tes Bild und Sound, be­que­mes Sit­zen. Das Gan­ze wird zu ei­nem „ Ab­tau­chen“in ei­ne an­de­re Welt.

Pro­jek­ti­on – aber wie!

Dol­by setzt wei­ter­hin auf Pro­jek­ti­on. Die Dol­by Vi­si­on-Pro­jek­ti­ons­tech­no­lo­gie wur­de von den Dol­by La­bo­ra­to- ries in Zu­sam­men­ar­beit mit Chris­tie Di­gi­tal ent­wi­ckelt. Zwei 4K-La­ser­bea­mer von Chris­tie spie­len zu­sam­men und er­zeu­gen so ein ex­trem hel­les Bild. Dol­by spricht von ca. 106 Nits. Kon­ven­tio­nel­le 2D-Pro­jek­to­ren er­rei­chen ei­ne Hel­lig­keit von ca. 48 Nits. Die­sen Wert er­rei­chen die Chris­tiePro­jek­to­ren so­gar bei der Wie­der­ga­be von 3D, wo bei üb­li­chen 3D-Bea­mern heu­te schon bei et­wa 10 Nits Schluss ist. Das lässt ei­nen ex­trem ho­hen Kon­trast­um­fang zu. 1.000.000 : 1 sol­len die Pro­jek­to­ren mit Dol­by Vi­si­on er­rei­chen kön­nen. Bei Bea­mern mit Xe­non-Lam­pen ist hier schon bei 2000 : 1 Schluss, bei La­ser­pro­jek­to­ren ir­gend­wo zwi­schen 4000 und 8000 : 1. Zu­dem nut­zen die bei­den Chris­tieBea­mer den er­wei­ter­ten Far­b­raum Rec.2020. Das Er­geb­nis sind ex­trem knal­li­ge Far­ben und ein tie­fes und „ech­tes“Schwarz.

In Eind­ho­ven wird die­ses Bild auf ei­ne von Wand zu Wand rei­chen­de 20 m brei­te und 12 m ho­he Lein­wand pro­ji­ziert. Dies er­mög­licht ei­nen re­la­tiv gro­ßen Saal mit dem­ent­spre­chend vie­len Ses­seln. Im JT Hil­ver­sum in Eind­ho­ven ver­langt man der­zeit den­noch ei­nen Auf­schlag von 5 Eu­ro.

Al­les auf At­mos

Um den Be­su­cher kei­nes­falls vom Ki­no­er­leb­nis ab­zu­len­ken, sind im Dol­by Ci­ne­ma nicht ein­mal die Laut­spre­cher sicht­bar. Sie ver­ste­cken sich hin­ter Akus­tik­pane­len. Das än­dert aber nichts dar­an, dass das Laut­spre­cher­se­t­up in Dol­by Ci­ne­mas be­ein­dru­ckend im­mer­si­ven Sound lie­fern kann. Sa­ge und schrei­be 68 Laut­spre­cher vom Typ Chris­tie Vi­ve Audio sind im ers­ten Ki­no sei­ner Art in Hol­land ver­baut wor­den. Zwei Rei­hen an De­cken­laut­spre­chern sor­gen für den Sound von oben, Front­laut­spre­cher be­schal­len durch die akus­tisch durch-

sich­ti­ge Lein­wand. Der Be­su­cher soll so mit­ten im Ge­sche­hen sit­zen. Und da nach Dol­bys Vor­ga­ben kei­ne Ge­räu­sche von au­ßen nach in­nen drin­gen dür­fen, wird der Ci­ne­ast hier­aus si­cher­lich auch nicht her­aus­ge­ris­sen.

Vor­sprung durch Con­tent

Klar, Dol­by Ci­ne­mas sind per­fekt für das Ab­spie­len von In­hal­ten in Dol­by Vi­si­on und Dol­by At­mos aus­ge­legt. Lei­der sind Ki­no­fil­me in die­sen For­ma­ten noch re­la­tiv rar ge­sät. Zwar liest sich die Lis­te der Fil­me, die auf Dol­by Ci­ne­ma op­ti­miert wur­den, auf Dol­bys Web­sei­te schon ganz gut, die Lis­te mit deut­scher Ton­spur dürf­te al­ler­dings bis­her noch deut­lich klei­ner aus­fal­len. Bleibt zu hof­fen, dass durch die fort­schrei­ten­de Ent­wick­lung von Heim­ki­no­ge­rä­ten, die beider For­ma­te mäch­tig sind, und durch die wei­te­re Ent- wick­lung von Dol­by Ci­ne­ma hier auch in der Zu­kunft mehr in Deutsch­land pas­sie­ren wird.

Fazit

Sam­sungs LED Screen punk­tet vor al­lem durch sei­ne ex­tre­me Leucht­kraft und die Vor­tei­le, die durch die Mo­dul­bau­wei­se für den Ki­no­be­trei­ber ent­ste­hen. Durch sei­nen Er­leb­nis­cha­rak­ter ver­mag es aber viel­leicht das Dol­by Ci­ne­ma, stau­nen­de­re Be­su­cher zu hin­ter­las­sen. Zu­dem kann der Ki­no­be­trei­ber das Sys­tem in re­la­tiv gro­ße und da­mit schnel­ler amor­ti­sier­ba­re Sä­le in­stal­lie­ren. Wie dem auch sei, In­no­va­tio­nen im Ki­no sind über­fäl­lig und wir freu­en uns über bei­de Auf­schlä­ge. Si­cher­lich wer­den sich bei­de Sys­te­me zu­nächst ne­ben­ein­an­der wei­ter­ent­wi­ckeln. Ob sich ei­nes ir­gend­wann durch­set­zen wird, ist Stand jetzt nicht zu sa­gen.

Die Be­su­cher­zah­len sind rück­läu­fig. Dem Um­satz kann dies durch im­mer wei­ter stei­gen­de Ti­cket­prei­se noch nichts an­ha­ben.

Das Ci­ne­ma­xx in Es­sen ist mit über 5000 Plät­zen Deutsch­lands größ­tes Ki­no. Auch hier setzt man auf Lu­xus. Be­su­cher neh­men auf ed­len Le­der­ses­seln Platz. Co­la und Pop­corn stellt man auf dem Glas­tisch da­ne­ben ab.

So­lo: A Star Wars Sto­ry konn­te die Er­war­tun­gen an den Ki­no­kas­sen nicht er­fül­len. Tat­säch­lich ent­schied sich Dis­ney so­gar fürs ers­te für ei­nen Stopp der Star Wars Spin-Offs. Das dürf­te auch die Ki­no­be­trei­ber nicht ge­ra­de er­freu­en.

Im „Are­na Ci­ne­mas Sihl­ci­ty Swit­z­er­land“in Zü­rich wur­de der Samsung Ci­ne­ma LED Screen das ers­te Mal in Eu­ro­pa prä­sen­tiert.

Die Screen­tech­nik bie­tet ei­ni­ge Vor­tei­le ge­gen­über der her­kömm­li­chen Pro­jek­tortech­nik. U.a. ge­hö­ren Bild­ver­zer­run­gen der Ver­gan­gen­heit an.

Durch den nicht vor­han­de­nen Pro­jek­tor kann der Ki­no­be­trei­ber wei­te­re Rei­hen in­stal­lie­ren und so mehr Be­su­cher ein­las­sen.

Der Um­bau des Ki­no­saals war nicht ganz bil­lig. Laut den Be­trei­bern des Traum­pa­last Ess­lin­gen wur­de ca. ei­ne Mil­li­on Eu­ro in­ves­tiert.

In punc­to Hel­lig­keit kommt der Samsung Ci­ne­ma LED Screen noch nicht an mo­der­ne HDRFern­se­her her­an. Feh­len­des Streu­licht führt aber zu ei­nem bes­se­ren Schwarz.

Soll­ten Sie bei Ih­rem Ki­no­be­such auf die­ses Zei­chen tref­fen, dür­fen Sie sich auf ein be­ein­dru­cken­des neu­es Ki­no­er­leb­nis freu­en. Lei­der sieht man das Lo­go aber in Eu­ro­pa noch kaum.

Beim Dol­by Ci­ne­ma han­delt es sich um ein Ge­samt­kunst­werk. Schon der Ein­gangs­be­reich stimmt den Be­su­cher auf ein un­ver­gess­li­ches Er­leb­nis ein. Beim Be­tre­ten des Saals taucht man voll­ends in ei­ne neue Welt ein. Nichts lenkt vom per­fek­ten Bild- und Soun­d­er­leb­nis ab.

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