Test: Phi­lips OLED TV

Phi­lips will mit viel Re­chen­power noch mehr aus den bril­lan­ten OLED-Pa­nels her­aus­ho­len, als es die Mit­be­wer­ber kön­nen. So hat der neue 65OLED803 ne­ben der phä­no­me­na­len Licht­schau von Am­bi­light so ei­ni­ges zu bie­ten, das man für sei­nen mo­de­ra­ten Preis erst

video - - INHALT - Von Ro­land Seibt

Phi­lips’ neu­es­ter OLED will durch die Zu­sam­men­ar­beit mit Bo­wers & Wil­kins auch beim Sound be­geis­tern.

Ei­gent­lich muss ein Käu­fer al­lein auf­grund der Rah­men­da­ten die­ses brand­neu­en Ge­rä­tes gar nicht lan­ge über­le­gen. Er bie­tet ei­ne noch bes­se­re Aus­stat­tung und mehr Po­ten­zi­al als sein Stief­bru­der 65OLED873, der mit ei­ner über­ra­gen­den Preis­leis­tung seit ei­nem hal­ben Jahr in un­se­rer Bes­ten­lis­te fast al­lein auf wei­ter Flur da­steht. Trotz der auf den ers­ten Blick klei­ne­ren Pro­dukt­se­rie trumpft er jetzt mit Du­al­tu­ner, ver­bes­ser­tem OLED-Pa­nel und der Aus­sicht auf das grund­le­gend er­neu­er­te An­dro­id TV Oreo auf, das sich deut­lich kom­for­ta­bler be­die­nen lässt. Ach ja: Und er kos­tet auch noch we­ni­ger.

Ge­mein­sam ha­ben die Phi­lip­sGe­rä­te der Spit­zen­se­ri­en na­tür­lich das drei­sei­ti­ge Am­bi­light, das pas­send zu lo­ka­len Bild­in­hal­ten far­ben­fro­he

Lichtsze­na­ri­en an die Wand wirft und da­mit ein ganz be­son­de­res Flair lie­fert. Der Ef­fekt ist in Hel­lig­keit, Farb­in­ten­si­tät und Dy­na­mik ein­stell­bar, so­dass je­der, selbst der zu­rück­hal­ten­de Bild­pro­fi, ei­ne Va­ri­an­te fin­det, die den TV-Abend wirk­lich be­rei­chert. Phi­lips hat­te das Sys­tem vor Jahr­zehn­ten pa­ten­tiert und mitt­ler­wei­le dar­auf er­wei­tert, dass HUE-Lam­pen ins Sze­na­rio in­te­griert wer­den kön­nen. Wer al­so meint, dass eh al­le OLED-Fern­se­her die­sel­ben Pa­nels ver­wen­den, be­kommt hier schon ei­nen deut­li­chen Mehr­wert.

Auf­ge­speckt

Au­ßer der Markt­ent­wick­lung fin­den wir ei­gent­lich nichts, das die ge­sun­ke­ne Preis­emp­feh­lung des 803ers recht­fer­ti­gen könn­te. Er be­sitzt ge­nau­so vie­le voll­wer­ti­ge HDMI-An­schlüs­se wie die gro­ßen Brü­der, so­gar jetzt den Dop­pel­tu­ner für Auf­nah­me­zwe­cke und so­gar zwei Fern­be­die­nun­gen, von de­nen ei­ne ne­ben al­len klas­si­schen TV-Drü­ckern so­gar ei­ne Tas­ta­tur be­sitzt, die an­de­re fu­tu­ris­tisch und sty­lisch smart da­her kommt.

Das Ba­sis­de­sign ist al­ler­dings echt mi­ni­ma­lis­tisch. Im Grun­de sieht man von vorn kaum et­was au­ßer dem pu­ren Pa­nel, das zu­dem noch so nah am Bo­den liegt, dass das Phi­lips-Lo­go auf den Chrom­fuß aus­ge­la­gert wer­den muss­te. Und das sieht so­gar noch toll aus, denn bei der Kon­zen­tra­ti­on auf das We­sent­li­che ist we­ni­ger mehr.

Ab­so­lut er­staun­lich ist al­ler­dings, dass aus dem schma­len Schlitz zwi­schen Pa­nel und Tisch ei­ne mehr als or­dent­li­che Klang­qua­li­tät kom­men kann. Vor dem Test dach­ten wir, Phi­lips be­schrän­ke sich hier auf ein op­ti­ma­les Bild zu­las­ten des Tons, doch schon der An­blick der Woo­fer­zei­le auf der Rück­wand mach­te uns neu­gie­rig. Den Ent­wick­lern von Phi­lips ist un­ter Zu­hil­fe­nah­me der Al­go­rith­men vom DTS-Pre­mi­um Sound tat­säch­lich das Kunst­stück ge­lun­gen, ei­ne äu­ßerst dy­na­mi­sche, sprit­zi­ge und har­mo­ni­sche Klang­wie­der­ga­be hin­zu­be­kom­men. Da­bei ist der Bass rich­tig tief, und wenn man mit dem Equa­li­zer die 300 Hz et­was

dros­selt, satt und sau­ber. Stimm­la­gen quä­ken nicht wie so oft, und selbst breit­ban­di­ge Mu­sik macht Spaß. Die Klar­heit feins­ter De­tail­spit­zen kann über­zeu­gen, al­lein eins fehlt: die Ba­sis­brei­te. Der Sound scheint aus der Mit­te zu kom­men.Den­noch hat die Sound­per­for­mance un­se­re Er­war­tun­gen mas­siv über­trof­fen.

Ma­xi­mum An­dro­id

Auch ein an­de­rer Aspekt war im Test mehr als zu­frie­den­stel­lend. Das Ge­rät, das noch auf An­dro­id 7 als Be­triebs­sys­tem setzt, ist wäh­rend der zwei­wö­chi­gen Tests nicht ein ein­zi­ges Mal ab­ge­stürzt. Das war bei Phi­lips nicht im­mer so. Nun steht so­gar ein Up­date auf An­dro­id 8 (Oreo) be­vor. Scha­de, dass wir die­se Ver­si­on nicht tes­ten konn­ten, denn wie wir bei Mit­be­wer­bern (Sei­te 6 ff.) sa­hen, ist das kom­men­de Sys­tem deut­lich kom­for­ta­bler und hät­te auch hier noch bes­se­re No­ten er­langt. Zu­mal es Phi­lips schon in frü­he­ren Va­ri­an­ten deut­lich bes­ser als So­ny ge­lang, die smar­te App­welt von Goog­le mit aus­ge­reif­ten Fern­sehat­tri­bu­ten wie Sen­der­wahl, Auf­nah­me oder AV-Qu­el­len zu ver­knüp­fen.

Und mehr Bild­qua­li­tät

Ge­ra­de in der Top-Ka­te­go­rie der OLED-Fern­se­her ist ei­ne per­fek­te Bild­qua­li­tät un­er­läss­lich. Hier kom­bi­niert Phi­lips im Ver­gleich zum OLED873 ein Pa­nel der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on (sie­he Mi­kro­skop­bil­der rechts) mit ei­nem noch­mals ver­bes­ser­ten P5-Chip. Zur Er­in­ne­rung: P5 sym­bo­li­siert bei Phi­lips die fünf Säu­len, auf de­nen die Op­ti­mie­rung der Bild­qua­li­tät auf­ge­baut ist. Far­be, Kon­trast, Schär­fe und Be­we­gun­gen op­ti­mier­te Phi­lips schon im­mer, seit 2017 wird zu­sätz­lich das Qu­ell­si­gnal von Feh­lern be­freit. Jetzt bie­tet die neue­re Va­ri­an­te des P5-Chips noch mehr Re­chen­leis­tung für Dut­zen­de Al­go­rith­men zur Bild­ver­ar­bei­tung. Vie­le der spe­zi­el­len Op­ti­mie­rungs­schrit­te ha­ben nun mar­ke­ting­tech­nisch ein „Per­fect“im Na­men, was kaum stei­ger­bar er­scheint. Uns in­ter­es­siert aber haupt­säch­lich, wie gut sie auf un­ter­schied­li­ches Ma­te­ri­al wir­ken und wel­che Ne­ben­wir­kun­gen spür­bar sind.

Die ge­rings­te Her­aus­for­de­rung be­steht da­bei in der bes­ten Qua­li­tät. Ei­ne Ul­tra-HD-Blu-ray pi­xel­ge­nau,

kon­trast­reich und farb­treu auf dem Schirm zu brin­gen, ver­langt nur nach ei­ner gu­ten An­pas­sung auf den Far­b­raum des Dis­plays, sonst nichts. Die Ver­klei­ne­rung der Bunt­heit im Fal­le der klas­si­schen Blu-ray ge­lingt äu­ßerst sau­ber, HDR ist nur in ei­ni­gen teil­ge­sät­tig­ten Tö­nen nicht op­ti­mal. Was mess­tech­nisch leicht nach­weis­bar war, konn­ten wir im Sicht­test hin­ge­gen kaum nach­voll­zie­hen. Viel­mehr fiel dort auf, dass sehr düs­te­re Par­ti­en in HDR noch­mals ab­ge­dun­kelt wur­den, selbst wenn al­le Op­ti­mie­run­gen aus­ge­schal­tet wa­ren. Nur mit ei­ner star­ken Er­hö­hung der Hel­lig­keits­ein­stel­lung war dem Ein­halt zu ge­bie­ten. An­sons­ten ist Phi­lips sehr gut da­rin, Band­brei­te und lo­ka­le Kon­tras­te ge­nau­so gut zu ana­ly­sie­ren wie Rau­schen, Ska­lie­rungs­feh­ler und Di­gi­ta­li­sie­rungs­ar­te­fak­te. Und erst mit die­sem Wis­sen ge­lingt ei­ne gu­te Bil­d­op­ti­mie­rung er­folg­reich. So holt der Her­stel­ler auch aus durch­schnitt­lich oder ma­ger pro­du­zier­ten Fil­men mehr Kick. Selbst „HDR Per­fect“kann in Kon­trast und Far­big­keit in meh­re­ren Stu­fen ma­xi­miert wer­den. HDR und HLG wer­den kor­rekt um­ge­setzt, die Re­ak­ti­on auf sta­ti­sche Me­t­a­da­ten er­schien da­bei im Test mi­ni­mal. Es wur­de im­mer et­was He­adroom in Spitz­lich­tern be­las­sen. Beim The­ma „Dy­na­mi­sche Me­t­a­da­ten“wird Phi­lips auf HDR10+ set­zen.

Fa­zit

Zum Glück las­sen sich die vie­len Ein­stel­lun­gen al­ler Bild­ver­bes­se­run­gen gut ab­stim­men, wenn man in et­wa weiß, wel­che Ef­fek­te ge­ra­de stö­ren. Die Be­we­gungs­glät­tung ist bei­spiels­wei­se ei­ne Spe­zia­li­tät von Phi­lips. Hier kann al­les wirk­lich flie­ßend ar­ran­giert wer­den, und es ent­ste­hen we­ni­ger Ar­te­fak­te als bei Mit­be­wer­bern. Wer den har­ten Film­look mag, stuft „Per­fect Na­tu­ral Mo­ti­on“und „Per­fect Cle­ar Mo­ti­on“her­un­ter.

Die Bild­vor­wah­len „Film“und „isf“bie­ten norm­ge­rech­te Pa­ra­me­ter, doch auch die an­de­ren Ein­stel­lun­gen pro­fi­tie­ren farb­lich vom neu­en OLED-Pa­nel, das jetzt na­tiv we­ni­ger Blau­an­teil, al­so mehr farb­neu­tra­le Licht­stär­ke be­sitzt. Selbst Phi­lips’ Vor­zei­ge­mo­dus „Leb­haft“, wo al­le Op­ti­mie­run­gen wirk­sam wer­den und auf ho­he Au­to­ma­ti­on ge­setzt wird, ist ak­zep­ta­bel. Be­vor man an mies aus­ge­strahl­ten TV-Sen­dern, oder QVGA-YoutubeC­lips stän­dig her­um­schraubt, ist die­se Va­ri­an­te deut­lich ent­spann­ter und führt zu or­dent­li­chen Er­geb­nis­sen. Bei Blu-rays kön­nen wir auf op­ti­ma­le Qu­ell­qua­li­tät ver­trau­en und ak­ti­vie­ren lie­ber den ka­li­brier­ten isf-Mo­dus. Mehr Leis­tung für we­ni­ger Geld, da­zu Aus­stat­tungs­de­tails, von de­nen Mit­be­wer­ber nur träu­men. Die­ser Phi­lips OLED ist ein ab­so­lu­ter Kauf­tipp.

Ele­gant, platz­spa­rend und sta­bil. Das Pa­nel wird mi­ni­ma­lis­tisch von ku­bi­schen Chrom­fü­ßen ge­stützt. Da­für gibt es hin­ter dem Schirm viel Ac­tion.

Die Far­bin­hal­te des ul­traf­la­chen Pa­nels wer­den über drei­sei­ti­ges Am­bi­light (RGBLEDs) an der Wand hin­ter dem TV fort­ge­führt. Ein tol­ler Ef­fekt und so­mit ein star­kes ex­klu­si­ves Kauf­ar­gu­ment.

Der lang­hu­bi­ge Woo­fer auf der Ge­rä­te­rück­sei­te reicht wirk­lich tief in den Bass­kel­ler hin­un­ter. Und dies­mal klap­pert oder dröhnt nichts.

Das Bes­te aus zwei Wel­ten. Wäh­rend man mit dem klas­si­schen Hand­sen­der für TV-Funk­tio­nen su­per be­dient ist, kon­zen­triert sich der De­si­gnZau­ber­stab auf Sprach­steue­rung und smar­te Goog­le-Fea­tu­res.

Die Rück­sei­te der Fern­be­die­nung ist ei­ne (eng­li­sche) Tas­ta­tur. Toll für Pass­wör­ter und wenn die Sprach­su­che mal nicht aus­reicht.

Noch ist An­dro­id TV 7 das Herz der Firm­ware. laut Phi­lips wird es ein Up­date auf Oreo in na­her Zu­kunft ge­ben, in­klu­si­ve Goog­le As­sis­tant und bes­ter Über­sicht­lich­keit.

die vie­len Ein­stel­lun­gen von TV- und An­dro­id-Spe­zia­li­tä­ten sind the­ma­tisch gut ge­glie­dert und zen­tral an­steu­er­bar.

So soll der Haupt­schirm nach dem Up­date aus­se­hen. in­hal­te ste­hen im Mit­tel­punkt. Sprach­steue­rung kommt über Goog­le oder Ama­zon.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.