Mehr­heit wünscht sich „Ja­mai­ka“

Doch bis zur Bil­dung ei­ner neu­en Re­gie­rung ist es noch ein wei­ter Weg. Uni­on will Ge­sprä­che mit FDP und Grü­nen of­fen­bar erst nach der Nie­der­sach­sen-Wahl be­gin­nen

Wertinger Zeitung - - Erste Seite - VON JOACHIM BOMHARD

Ber­lin Knapp ei­ne Wo­che nach den Bun­des­tags­wah­len wünscht sich ei­ne deut­li­che Mehr­heit der Deut­schen, dass sich CDU/CSU, FDP und Grü­ne in Ber­lin auf ei­ne Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on ei­ni­gen. Laut dem ZDF-Po­lit­ba­ro­me­ter be­für­wor­ten 59 Pro­zent der Be­frag­ten ein sol­ches Bünd­nis. Für ei­ne zah­len­mä­ßig eben­falls mög­li­che Fort­set­zung der Gro­ßen Ko­ali­ti­on (GroKo) von Uni­on und SPD spre­chen sich hin­ge­gen nur 23 Pro­zent aus. Die For­schungs­grup­pe Wah­len hat Mit­te die­ser Wo­che 1250 Bür­ger be­fragt.

Bis es zu ei­ner neu­en Re­gie­rung kom­men wird, wer­den wo­mög­lich noch meh­re­re Mo­na­te ver­ge­hen. Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er schließt ei­nen Ab­schluss der Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen erst im Ja­nu­ar nicht aus. „Beim letz­ten Mal, al­so bei der GroKo, ha­ben wir es knapp bis Weih­nach­ten ge­schafft. Das wür­de ich mir auch dies­mal wün­schen, aber ent­schei­dend ist der In­halt, nicht das Da­tum“, sag­te er.

Die an­ge­streb­ten Ver­hand­lun­gen über „Ja­mai­ka“gel­ten als sehr So sind nicht nur die un­ter­schied­li­chen Vor­stel­lun­gen von Grü­nen und FDP schwer un­ter ei­nen Hut zu brin­gen, son­dern auch die der Schwes­ter­par­tei­en CDU und CSU. Die Uni­ons­spit­zen wer­den sich vor­aus­sicht­lich am kom­men­den Sonn­tag, 8. Ok­to­ber, in Ber­lin tref­fen, um über ei­nen ge­mein­sa­men Kurs zu be­ra­ten.

Mit dem Be­ginn of­fi­zi­el­ler Son­die­run­gen al­ler vier Par­tei­en wird nicht vor den Land­tags­wah­len in Nie­der­sach­sen am 15. Ok­to­ber ge- rech­net. Aus der CDU ver­lau­te­te, in den nächs­ten Ta­gen sei nicht mit ei­ner of­fi­zi­el­len Ein­la­dung der Kanz­le­rin an FDP und Grü­ne für Son­die­rungs­ge­sprä­che zu rech­nen. FDPVi­ze Wolf­gang Ku­bi­cki dräng­te Mer­kel zu mehr Tem­po. Die in­ne­re Be­find­lich­keit der CSU und der Streit mit der CDU dürf­ten nicht da­zu füh­ren, dass Deutsch­land dau­er­haft oh­ne neue Re­gie­rung bleibt.

SPD-Vi­ze-Che­fin Ma­nue­la Schwe­sig ver­warf un­ter­des­sen Spe­ku­la­tio­nen über ei­ne GroKo. Ex­schwie­rig. Frak­ti­ons­chef Tho­mas Op­per­mann hat­te ei­ne Fort­füh­rung des Bünd­nis­ses für den Fall ei­nes Rück­zugs von Mer­kel für mög­lich er­ach­tet.

Wir­bel gab es um ei­nen Be­richt, wo­nach FDP und Grü­ne be­reits weit­rei­chen­de Ab­spra­chen bis zur Auf­tei­lung von Mi­nis­ter­pos­ten ge­trof­fen hät­ten. Bei­de Par­tei­en wie­sen das scharf zu­rück. „Es hat bis­lang kei­ner­lei ver­tief­te oder in­halt­li­che Ge­sprächs­kon­tak­te zwi­schen FDP und Grü­nen ge­ge­ben“, er­klär­te ein FDP-Spre­cher. Grü­nen-Spre­cher Andre­as Kapp­ler sag­te: „Das ist Quatsch.“Die Rhei­ni­sche Post (Düs­sel­dorf) hat­te un­ter Be­ru­fung auf ein Do­ku­ment aus Ver­hand­ler­krei­sen be­rich­tet, dass die FDP das Fi­nanz-, das Bil­dungs- und das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um be­set­zen soll. Die Grü­nen wür­den das Au­ßen-, das Ent­wick­lungs- und das Um­welt­mi­nis­te­ri­um be­kom­men. (mit dpa, afp)

»Leit­ar­ti­kel „Für die­se Ko­ali­ti­on zahlt An­ge­la Mer­kel je­den Preis“»Po­li­tik Spe­ku­la­tio­nen über ei­ne GroKo oh­ne Mer­kel ++ So teu­er wird der Rie­sen-Bun­des­tag ++ Wie vie­le Rech­te be­kommt die frak­ti­ons­lo­se Pe­try?

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