Ge­wer­be­steu­er

Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen - - | Inhalt - VON KATRIN HAAS

Wolfs­burg und Leverkusen wer­den von Welt­kon­zer­nen do­mi­niert. Da­von pro­fi­tiert die ei­ne Stadt­kas­se aber deut­lich mehr als die an­de­re.

Ei­gent­lich geht die Ge­schi VW hus­tet, dann be­kom ei­ne Lun­gen­ent­zün­dung von Un­ter­neh­men und St in be­lie­bi­gen Va­ri­an­ten wei­ter­spi Emden, Evo­nik und Marl oder Au stadt. Die­se Städ­te sind auf­grun struk­tur weit­ge­hend von ei­nem ab­hän­gig. Mit des­sen Er­folg stei­ge men aus der Ge­wer­be­steu­er und d In­ves­ti­tio­nen in Stra­ßen, Schu­len Sinkt der Un­ter­neh­mens­ge­winn Käm­me­rer mit Spar­auf­la­gen. Wie burg.

In Leverkusen je­doch ist al­les re­si­diert ei­ner der wert­vollst Deutsch­lands. Von die­sem Er­folg Stadt Leverkusen al­ler­dings nur tür­lich in­di­rekt durch Ar­beits­plät­ze: 8550 Men­schen ar­bei­ten hier nach ei­ge­nen An­ga­ben bei der Bay­er AG, zu­sätz­lich zu den rund 2000 bei Cur­ren­ta, ei­nem Zu­sam­men­schluss von Bay­er und der Lan­xess AG.

Di­rekt, durch die Ge­wer­be­steu­er, ist Leverkusen aber kaum am Ge­winn be­tei­ligt. Wolfs­burg hat­te im Jahr 2014 Ge­wer­be­steu­er­ein­nah­men pro Ein­woh­ner von 2237 Eu­ro. Leverkusen 156 Eu­ro. Käm­me­rer Frank Stein nennt die Ein­nah­men aus der Ge­wer­be­steu­er in sei­ner Haus­halts­re­de „ho­möo­pa­thisch“. Er sagt, das liegt so­wohl an „kon­kre­ten Stand­ort­ent­schei­dun­gen der Un­ter­neh­men als auch der Nut­zung le­ga­ler Steu­er­op­ti­mie­rungs­in­stru­men­te“.

Jah­re­lang war die Ge­wer­be­steu­er die Haupt­ein­nah­me­quel­le der Stadt. Dann struk­tu­rier­te die Bay­er AG um, ver­teil­te Un­ter­neh­mens­an­tei­le und Stand­or­te neu. Im Er­geb­nis pro­fi­tiert sie von di­ver­sen Steu­er­vor­tei­len in den Nie­der­lan­den und Bel­gi­en.

Das Land springt in die Bre­sche — al­ler­dings erst spät

2013 trat die Stadt dem Stär­kungs­pakt Stadt­fi­nan­zen bei. In ei­ni­gen Ruhr­ge­biets­städ­ten ist die Fi­nanz­si­tua­ti­on zwar deut­lich schlim­mer, aber ro­sig sieht sie auch in der Hei­mat der Bay­er AG nicht aus.

Für 2014 ka­men nicht die kal­ku­lier­ten 74 Mil­lio­nen Eu­ro Ge­wer­be­steu­er zu­sam­men, son­dern nur 25,4 Mil­lio­nen.

Das ist im Prin­zip erst mal nicht so schlimm, denn grund­sätz­lich be­kommt ei­ne Kom­mu­ne bei ge­rin­ge­ren Ein­nah­men aus der Ge­wer­be­steu­er im dar­auf­fol­gen­den Jahr hö­he­re Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen des Lan­des.

Doch ge­nau da liegt auch schon das Pro­blem: erst im fol­gen­den Jahr – das heißt, die Kom­mu­ne hat erst mal ein schwar­zes Loch im ak­tu­el­len Haus­halt. Und das will ge­stopft wer­den.

Von ei­ner Si­tua­ti­on wie in Wolfs­burg kön­nen die Le­ver­ku­se­ner nur träu­men. „Wir ha­ben mit Volks­wa­gen ein Un­ter­neh­men, das re­gio­nal un­ter­stüt­zend wirkt, und eben kein an­ony­mer Welt­kon­zern ist“, sagt Wolfs­burgs Ober­bür­ger­meis­ter Klaus Mohrs. Von den

115 000 so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Be­schäf­tig­ten ar­bei­ten et­wa 80 000 im

Be­reich Au­to­mo­bil, al­so bei Volks­wa­gen und sei­nen Zu­lie­fer­be­trie­ben. Hier steht fällt al­les mit dem Un­ter­neh­mens­er­folg von In der Re­gel läuft es ziem­lich gut – von Kri­al­le paar Jahr­zehn­te mal ab­ge­se­hen. gent­lich soll­te es für Städ­te wie Wolfs­burg auch dar­um ge­hen, un­ab­hän­gi­ger vom an­gen Un­ter­neh­men zu wer­den. Denn je­des ern von VW hat di­rek­te Kon­se­quen­zen, wie ak­tu­el­le Ab­gas­skan­dal zeigt. Wie ab­hän­gig tadt wei­ter­hin von VW ist, lässt sich an der ti­on der Stadt­ver­wal­tung ab­le­sen. Ober­er­meis­ter Mohrs hat ei­ne Haus­halts­sper­re ei­nen Ein­stel­lungs­stopp an­ge­ord­net. Neue ek­te wer­den zu­nächst nicht be­gon­nen. In Kon­se­quenz wird jetzt we­ni­ger in­ves­tiert, Ge­wer­be­steu­er wird erst­mals seit 1980 wie­an­ge­passt und soll von 360 auf 380 Punk­te ho­ben wer­den. Das ist im Ver­gleich al­lers im­mer noch ein nied­ri­ger Wert. s ist gut und sinn­voll, zu­sätz­li­che Wirtfts­zwei­ge an­zu­sie­deln“, sagt Mohrs. „Wo­bei die Mo­no­struk­tur bei uns weit­ge­hend – mit kur­zen Aus­nah­men – po­si­ti­ve Aus­wir­kun­gen hat­te“, sagt Mohrs. „Hier in un­se­rer Stadt hängt vie­les an Volks­wa­gen. Vie­le Un­ter­neh­men ha­ben sich hier an­ge­sie­delt, ge­ra­de weil es Volks­wa­gen gibt.“

Kei­ner weiß, was die Zu­kunft bringt. Und doch herrscht in Wolfs­burg die­ses er­lern­te Gr­und­ver­trau­en: Nach je­der Kri­se ging es wie­der berg­auf. Die Stadt kann es sich leis­ten, nicht gleich in Pa­nik aus­zu­bre­chen: Seit 2010 ist Wolfs­burg im Kern­haus­halt schul­den­frei und kann auf Rück­la­gen in Hö­he von rund 278 Mil­lio­nen Eu­ro zu­rück­grei­fen. Die könn­ten trotz­dem in drei bis vier Jah­ren auf­ge­braucht sein. Und Wolfs­burgs Glanz­jah­re könn­ten sich – soll­te VW wei­ter Pro­ble­me ha­ben – auch ne­ga­tiv im Haus­halt wi­der­spie­geln: Die Stadt er­hält erst ab 2018 wie­der Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen des Lan­des, da für den Fi­nanz­aus­gleich 2017 die Steu­er­kraft von Quar­ta­len aus den Jah­ren 2015 und 2016 her­an­ge­zo­gen wer­den. In die­sen Quar­ta­len wird noch mit Steu­er­ein­zah­lun­gen für Vor­jah­re ge­rech­net.

Bei den Aus­gleichs­rück­la­gen steht in Leverkusen da­ge­gen ei­ne Null auf dem Pa­pier. Die Tak­tik ist da­her zu­min­dest kurz­fris­tig ei­ne an­de­re. Stein will wie­der mehr vom Steu­er­ku­chen ab­be­kom­men: „Wir müs­sen ver­su­chen, den Ge­wer­be­steu­er­he­be­satz so si­gni­fi­kant zu sen­ken, dass es wie­der at­trak­tiv wird, in Leverkusen Ge­wer­be­steu­er zu zah­len.“Als Bei­spiel nennt er die Stadt Lud­wigs­ha­fen. Die ha­be mit BASF im Jahr 2002 ein sol­ches Ab­kom­men auf­ge­stellt. Ge­sprä­che mit „den ver­schie­de­nen in­so­weit re­le­van­ten Ge­wer­be­steu­er­zah­lern“hät­ten im Au­gust und Sep­tem­ber 2015 statt­ge­fun­den. Nä­he­res dür­fe er auf­grund des Steu­er­ge­heim­nis­ses nicht sa­gen. Auf Nach­fra­ge er­klär­te ei­ne Stadt­spre­che­rin, dass die Ge­sprä­che noch an­dau­ern. Die Ver­wal­tung sucht den Kom­pro­miss. Ob ein Groß­kon­zern, der al­le ihm mög­li­chen Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen aus­schöpft, das ver­dient hat? Nichts­des­to­trotz be­nö­tigt Leverkusen ei­ne schnel­le Lö­sung.

Wolfs­burg da­ge­gen weiß, wie man Kri­sen aus­sitzt. Auch die ak­tu­el­le wird vor­über­ge­hen, da ist man sich in der Stadt si­cher. Und Au­tos wer­den schließ­lich im­mer ge­braucht, oder?

Ver­mut­lich. Al­ler­dings ha­ben auch die eins­ti­gen Rie­sen RWE und Eon nicht da­mit ge­rech­net, dass ih­nen mal so et­was wie die En­er­gie­wen­de das Ge­schäfts­mo­dell zer­stö­ren wür­de.

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