Be­loh­nungs­sys­te­me

Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen - - | Inhalt - VON MAXIMILIAN PLÜCK

Bo­ni und Lohn­er­hö­hun­gen sind ein Weg, um Mit­ar­bei­ter zu mo­ti­vie­ren. Manch­mal al­ler­dings sind an­de­re Me­tho­den bes­ser – und günstiger.

Wenn Fir­men gu­te Mit­ar­bei­ter be­loh­nen oder aus schwa­chen

mehr Leis­tung her­aus­kit­zeln wol­len, den­ken sie meist an Geld: Bo­nus­zah­lun­gen oder Lohn­auf­schlä­ge wer­den es schon

rich­ten. Da­bei gibt es oft bes­se­re — und güns­ti­ge­re — Mit­tel.

Im Mär­chen sind es die Aus­si­cht auf die schö­ne Prin­zes­sin und nicht zu­letzt das sa­gen­haf­te kö­nig­li­che Ver­mö­gen, die den Hel­den der Hand­lung zu Höchst­leis­tun­gen an­sta­cheln. An­reiz­sys­te­me, um aus Men­schen das Bes­te her­aus­zu­ho­len, gibt es aber nicht nur im Mär­chen, son­dern auch im be­trieb­li­chen All­tag. Und sie be­tref­fen die obers­te Ma­nage­ment­ebe­ne ge­nau­so wie den un­ge­lern­ten Ar­bei­ter. In der Wahl ih­rer Be­loh­nun­gen und An­rei­ze lie­gen die Un­ter­neh­men al­ler­dings nicht im­mer rich­tig. Weil sie zu oft nur an ei­nes den­ken: ans Geld. Manch­mal sind an­de­re Lö­sun­gen al­ler­dings ziel­füh­ren­der – und ne­ben­bei auch günstiger.

Der Li­te­ra­tur­kri­ti­ker Mar­cel Reich-Ra­ni­cki hat ein­mal ge­sagt, Geld al­lein ma­che nicht glück­lich, aber es sei bes­ser, in ei­nem Ta­xi zu wei­nen als in der Stra­ßen­bahn. Und na­tür­lich ist es rich­tig, auf der Su­che nach Mo­ti­va­to­ren die Fi­nan­zen nicht kom­plett außen vor zu las­sen. Denn nur wer sei­ne Be­schäf­tig­ten or­dent­lich be­zahlt, be­kommt auch die ent­spre­chen­de Leis­tung.

Schon struk­tu­rell kann das Ge­halt mo­ti­vie­ren­de Kom­po­nen­ten ent­hal­ten: Ver­käu­fer be­kom­men Pro­vi­sio­nen, Fließ­band­ar­bei­ter Ak­kord- oder Stück­lohn, Schicht­ar­bei­ter Nacht­zu­schlag. Je mehr der Be­schäf­tig­te ver­kauft oder pro­du­ziert, je grö­ßer sei­ne Be­reit­schaft, zu un­at­trak­ti­ven Zei­ten zu ar­bei­ten, des­to hö­her sein Ein­kom­men. Ge­ra­de bei eher mo­no­to­nen Tä­tig­kei­ten ha­ben sich fi­nan­zi­el­le Be­loh­nungs­sys­te­me be­währt.

Das in­ne­re Feu­er zum Lo­dern brin­gen

Ex­trin­si­sche Mo­ti­va­ti­on heißt es in der Fach­spra­che, wenn der Be­schäf­tig­te ei­ne di­rek­te, meist ma­te­ri­el­le Ge­gen­leis­tung für sei­nen Ar­beits­ein­satz er­hält. In­zwi­schen be­tont die Mehr­heit der Ar­beits- und Or­ga­ni­sa­ti­ons­psy­cho­lo­gen al­ler­dings die Be­deu­tung der in­trin­si­schen Mo­ti­va­ti­on. Statt Leis­tung durch äu­ße­re An­rei­ze ge­wis­ser­ma­ßen zu kau­fen, geht es dar­um, das in­ne­re Feu­er der Mit­ar­bei­ter zum Lo­dern zu brin­gen. Der Leis­tungs­wil­le kommt in die­sem Fall aus ih­nen selbst her­aus.

Wie aber ent­zün­det man die­ses Feu­er? Und wie hält man es an­schlie­ßend am Le­ben?

Zum Bei­spiel durch ein gu­tes Be­triebs­kli­ma. Nur An­ge­stell­te, die gern zur Ar­beit kom­men, sind auch mo­tiviert. Wenn sich die Füh­rungs­rie­ge von Thys­senK­rupp bei­spiels­wei­se in ei­nem Film­stu­dio na­he Ber­lin ein­fin­det, um mit­hil­fe von Pro­fis selbst Va­ri­an­ten des haus­ei­ge­nen Image­films zu­sam­men­zu­schnei­den und zu ver­to­nen, dann klingt das zu­nächst nach ei­ner Spaß­ver­an­stal­tung. Es hat aber ei­nen erns­ten Hin­ter­grund: Es för­dert das Zu­sam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl und das Ver­ständ­nis der Ma­na­ger für­ein­an­der.

Ne­ben der Schaf­fung ei­nes gu­ten Kli­mas ist es wich­tig, den Mit­ar­bei­tern die Sinn­haf­tig­keit ih­res Tuns zu ver­mit­teln. Wird die Ar­beit als über­flüs­sig wahr­ge­nom­men, lei­det das En­ga­ge­ment. Des­halb ist die öf­fent­li­che An­er­ken­nung so wich­tig. Die Re­dens­art „Nicht ge­schimpft ist ge­nug ge­lobt“zeigt ein längst über­hol­tes Bild von gu­ter Füh­rung – ist in vie­len Un­ter­neh­men aber All­tag. Was hilft al­so da­ge­gen?

Das Bild vom „Mit­ar­bei­ter des Mo­nats“wirkt ab­ge­dro­schen. Ein Ti­tel, der ein biss­chen Eh­re, aber am En­de wo­mög­lich auch Neid und Miss­gunst der Kol­le­gen bringt. Doch der Ge­dan­ke da­hin­ter ist rich­tig: Team­lei­ter müs­sen ih­ren Un­ter­ge­be­nen öf­fent­lich und im Mit­ar­bei­ter­ge­spräch zei­gen, wel­chen Bei­trag die­se für das gro­ße Gan­ze ge­leis­tet ha­ben. Auch der Zu­gang zu wich­ti­gen In­for­ma­tio­nen kann sich da­bei po­si­tiv aus­wir­ken.

Ent­schei­der soll­ten – auch mit Blick auf die stei­gen­den An­spruchs­hal­tung der Ge­ne­ra­ti­on Y – das The­ma in­trin­si­sche Mo­ti­va­ti­on nicht als Ho­kus­po­kus ab­tun. Die Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Gal­lup kam jüngst in der Stu­die „En­ga­ge­ment In­dex“zu alar­mie­ren­den Er­geb­nis­sen: Dem­nach sind nur 16 Pro­zent mit Herz, Hand und Ver­stand bei der Ar­beit. 68 Pro­zent er­le­di­gen Di­enst nach Vor­schrift, 16 Pro­zent ha­ben in­ner­lich ge­kün­digt. Wirk­lich vor­an bringt ein Un­ter­neh­men aber nur die Grup­pe der Hoch­mo­ti­vier­ten. „Dies ist vor al­lem dar­auf zu­rück­zu­füh­ren, dass Ar­beit­neh­mer mit ei­ner ho­hen Bin­dung we­ni­ger Fehl­zeit auf­wei­sen, dem Un­ter­neh­men län­ger treu blei­ben und als Mar­ken­bot­schaf­ter die Leis­tun­gen des Ar­beit­ge­bers eher wei­ter­emp­feh­len“, er­klär­te Mar­co Nink von Gal­lup bei der Vor­stel­lung der Stu­die.

Doch trotz al­ler Vor­zü­ge in­trin­si­scher Mo­ti­va­ti­on – kom­plett auf Bo­nus­zah­lun­gen und an­de­re ma­te­ri­el­le Gra­ti­fi­ka­tio­nen soll­ten Un­ter­neh­men na­tür­lich nicht ver­zich­ten. Sie soll­ten sie nur rich­tig einsetzen. Da­zu ge­hö­ren et­wa Son­der­zah­lun­gen. Bo­ni wer­den in der Re­gel an das Er­rei­chen von Zie­len ge­knüpft. Laut der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Wil­lis To­wers Wat­son ver­wen­den 70 Pro­zent der eu­ro­päi­schen Top­un­ter­neh­men da­für Ge­winn­grö­ßen. Doch auch die Be­rück­sich­ti­gung in­di­vi­du­el­ler Kom­po­nen­ten liegt im Trend. „So ver­ein­ba­ren be­reits 55 Pro­zent der Eu­ro­top-100-Un­ter­neh­men in­di­vi­du­el­le Zie­le, bei fast 80 Pro­zent der Un­ter­neh­men wer­den nicht fi­nan­zi­el­le Zie­le zu­min­dest mit­be­rück­sich­tigt“, schrei­ben die Au­to­ren. Bei der Deut­schen Bahn et­wa sind die Bo­ni für die Füh­rungs­rie­ge an die Pünkt­lich­keits­zie­le ge­kop­pelt. Der ent­spre­chen­de Bo­nus wird in die­sem Jahr ei­nem Be­richt des „Ma­na­ger Ma­ga­zins“zu­fol­ge zu 100 Pro­zent fäl­lig, wenn die Fern­zü­ge zu 80 Pro­zent und die Gü­ter­zü­ge zu 74 Pro­zent fahr­plan­ge­mäß an­kom­men.

Bo­ni gibt es längst nicht nur für die Vor­stands­eta­gen: VW et­wa ver­zich­te­te auch in­mit­ten des Ab­gas­skan­dals nicht dar­auf, sei­nen Be­schäf­tig­ten ei­ne Son­der­prä­mie für das zu­rück­lie­gen­de Jahr zu zah­len. Die 120 000 Mit­ar­bei­ter im VW-Haus­ta­rif be­kom­men je­weils 3950 Eu­ro.

Auch Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gungs­pro­gram­me tra­gen als Be­loh­nungs­sys­tem da­zu bei, die Bin­dung der An­ge­stell­ten ans Un­ter­neh­men zu stär­ken. Denk­bar sind auch groß­zü­gi­ge Re­ge­lun­gen beim pri­va­ten Di­enst­wa­gen­ein­satz in­klu­si­ve Tank­kar­te, die kos­ten­freie Nut­zung der Be­triebs­ki­ta, Wei­ter­bil­dungs­kur­se oder schlicht Sach­leis­tun­gen.

Haupt­sa­che, das Feu­er der Mit­ar­bei­ter hört nicht auf zu lo­dern.

Lob­kärt­chen: Ein­fach aus­schnei­den und ei­nem ver­dien­ten Kol­le­gen auf den Schreib­tisch le­gen. Ver­bes­sert das Be­triebs­kli­ma und sorgt für

ei­nen Mo­ti­va­ti­ons­schub.

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