Con­tai­ner­ter­mi­nal

Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen - - | Inhalt - VON HEIN­RICH KLOTZ

Wie die Stadt Dort­mund ein be­deu­ten­des Dreh­kreuz für den Gü­ter­um­schlag auf­ge­baut hat.

Mit un­ter­neh­me­ri­schem Mut und Weit­sicht hat die Stadt ih­ren Bin­nen­ha­fen zu ei­nem wich­ti­gen Dreh­kreuz für den Con­tai­ner­um­schlag ge­macht. Ein zwei­tes Ter­mi­nal soll das Wachs­tum noch wei­ter be­schleu­ni­gen.

Mit ho­her Dy­na­mik hat sich Dort­mund in den ver­gan­ge­nen Jah­ren als Kom­bi­s­tand­ort pro­fi­liert. Da­hin­ter ste­hen un­ter­neh­me­ri­sche Krea­ti­vi­tät und ein kla­res Be­kennt­nis der Stadt: zur Lo­gis­tik im All­ge­mei­nen und zum Kom­bi­nier­ten Ver­kehr im Be­son­de­ren.

Con­tai­ner Ter­mi­nal Dort­mund Gm­bH: Der Na­me steht für das Ge­schäft. Doch CTD macht viel mehr als nur „he­ben und sen­ken“. Schon im Ge­sell­schaf­ter­ver­trag von 1989 ha­be ge­stan­den, „dass wir al­les ma­chen sol­len, was uns das Ge­schäfts­feld Con­tai­ner er­schließt“, sagt Ge­schäfts­füh­rer Tors­ten Schüt­te. „Wir ha­ben ei­ne klei­ne Pack­hal­le, wir be- und ent­la­den Con­tai­ner, wir la­gern auch län­ger­fris­tig zwi­schen, schla­gen Schwer­gut um, bie­ten Vor- und Nach­lauf­ver­keh­re an. Da­für ste­hen uns Su­b­un­ter­neh­mer mit 50 Lkw und 250 Chas­sis zur Ver­fü­gung.“

Ei­nen gro­ßen Teil des Ge­schäfts macht das Leer­con­tai­ner­de­pot aus. Zahl­rei­che Spe­di­teu­re tau­schen beim Di­enst­leis­ter CTD durch, der wie­der­um für ei­ne ge­bün­del­te Re­po­si­tio­nie­rung der Ein­hei­ten in den Re­gio­nen sorgt, in de­nen lee­re Bo­xen be­nö­tigt wer­den.

Ter­mi­nal­fä­che mehr als ver­dop­pelt

Doch CTD tut noch mehr: Der Ter­mi­nal­be­trei­ber wird auch als Ope­ra­teur ak­tiv. Für den Groß­kun­den Ikea steu­ert der Di­enst­leis­ter gan­ze Zü­ge vom Ter­mi­nal zum Um­schlag­platz auf dem Ge­län­de des Kun­den, den eben­falls CTD be­treibt. Bei al­len Sen­dun­gen für den Stand­ort Dort­mund dient CTD als ei­ne Art Puf­fer­la­ger. Der Kun­de setzt dann den Lkw nur noch für Ver­tei­ler­ver­keh­re auf dem ei­ge­nen Ge­län­de ein.

Ei­ne wei­te­re Zug­ver­bin­dung or­ga­ni­siert und be­treibt CTD in den Duis­bur­ger Ha­fen. Mehr­mals wö­chent­lich wird über den Bahn­dienst­leis­ter Cap­train – frü­her Dort­mun­der Ei­sen­bahn – ex­klu­siv das De­ce­te-Ter­mi­nal be­dient. Von dort aus sind dann per Bin­nen­schiff die West­hä­fen Rot­ter­dam und Ant­wer­pen an­ge­bun­den – die CTD üb­ri­gens auch di­rekt auf der Schie­ne er­reicht: dank der Zug­ver­bin­dun­gen des Ope­ra­teurs Op­ti­mo­dal. Mehr als ein Drit­tel des Vo­lu­mens kommt in­zwi­schen aus Ver­keh­ren mit den West­hä­fen.

Mit die­sem Kon­zept hat Ge­schäfts­füh­rer Schüt­te au­ßer­or­dent­lich viel Er­folg. Ei­ne der Kon­se­quen­zen: Die al­te Um­schlag­an­la­ge platz­te aus al­len Näh­ten. Mit drei Por­talkrä­nen und neun mo­bi­len Um­schlag­ge­rä­ten schlu­gen die rund 60 CTD-Mit­ar­bei­ter auf den 420 Me­ter lan­gen Glei­sen zu­letzt mehr als 400 000 TEU um. „Aber wir ha­ben wirk­lich im gan­zen Ha­fen Flä­chen ge­mie­tet, auf de­nen wir mit Leer­con­tai­ner­stap­lern ar­bei­ten konn­ten“, er­in­nert sich Schüt­te. Da­durch schwoll die Ter­mi­nal­flä­che von 43 000 auf fast 100 000 Qua­drat­me­ter an.

Par­al­lel op­ti­mier­te Schüt­te den Be­trieb in der An­la­ge. Weil der Groß­kun­de Ikea auch nachts Wa­re ab­nimmt, ar­bei­tet das Ter­mi­nal im Sechs­ta­ge­be­trieb rund um die Uhr. Ei­ne Si­mu­la­ti­on des Fraun­ho­fer-In­sti­tuts half, die Ab­läu­fe im Ter­mi­nal so zu straf­fen, dass die 24 Stun­den Tag für Tag auch gleich­mä­ßig ge­nutzt wer­den kön­nen.

Den­noch: Schon 2007 be­gan­nen die Pla­nun­gen für ei­ne wei­te­re Um­schlag­an­la­ge im Ha­fen. Sie ent­stand auf dem Ge­län­de des al­ten Ran­gier­bahn­hofs und ging An­fang die­ses Jah­res in Be­trieb – Be­trei­ber: CTD. Vier 720 Me­ter lan­ge Um­schlag­g­lei­se, be­dient von ei­nem Kran, brin­gen rund 60000 Um­schlä­ge an neu­er Ka­pa­zi­tät. „Mög­lichst rasch“soll ein zwei­ter Kran hin­zu­kom­men – da­mit ist die An­la­ge ge­gen Kra­n­aus­fall ab­ge­si­chert, und die Ka­pa­zi­tät steigt auf mehr als 100 000 Um­schlä­ge pro Jahr an. Für 2018 ist be­reits ein wei­te­rer Aus­bau der De­pot­flä­che ge­plant. Schüt­te: „Da­mit ha­ben wir dann ei­ne gu­te Ba­sis, um im Kon­ti­nen­tal­ver­kehr zu wach­sen – im kom­men­den Jahr soll es los­ge­hen.“

Da­mit be­tritt Schüt­te ope­ra­ti­ves Neu­land. Denn bis­her schla­gen sei­ne Krä­ne in Dort­mund aus­schließ­lich ma­ri­ti­mes Vo­lu­men um. Das De­sign des neu­en Ter­mi­nals aber ist schon auf kon­ti­nen­ta­le La­dung aus­ge­rich­tet. Vie­le Kun­den, die Sen­dun­gen Rich­tung Ost­eu­ro­pa ha­ben, müss­ten schon jetzt den teu­ren Vor­lauf „ge­gen die Fracht“und durch das chro­nisch ver­stopf­te Ruhr­ge­biet auf sich neh­men – „al­so blei­ben die meis­ten gleich auf der Stra­ße“. Schüt­te ist des­halb si­cher: „Wir lie­gen hier am Ostrand des Ruhr­ge­biets gold­rich­tig, um auch kon­ti­nen­ta­les Vo­lu­men auf die Schie­ne zu zie­hen.“Ge­steu­ert wer­den die Ab­läu­fe in der Dop­pel­an­la­ge über die CTD-Zen­tra­le auf dem Ge­län­de des al­ten Ter­mi­nals.

Groß­in­ves­ti­ti­on macht sich be­zahlt

Dass das Gan­ze so rei­bungs­los über die Büh­ne ging, ist vor al­lem dem En­ga­ge­ment der Dort­mun­der Stadt­wer­ke (DSW21) – In­ves­tor der KV-An­la­ge – zu ver­dan­ken. Die Stadt Dort­mund und DSW21 ha­ben ein aus­ge­präg­tes In­ter­es­se dar­an, neue Per­spek­ti­ven für das vom Struk­tur­wan­del hart ge­trof­fe­ne Ha­fen­ge­biet zu schaf­fen, das 5600 Men­schen Ar­beit gibt. Die Lo­gis­tik spielt in die­sem Kon­ver­si­ons­pro­zess ei­ne ent­schei­den­de Rol­le. Un­ter dem Dy­na­mik ver­hei­ßen­den Namen DSW21 ar­bei­ten die Stadt­wer­ke eng mit Ter­mi­nal­ma­na­ger Schüt­te dar­an, dass das Ge­schäft rund um Con­tai­ner in Dort­mund zur nach­hal­ti­gen Er­folgs­ge­schich­te wird.

Pro­jekt­ma­na­ge­rin und Bau­lei­te­rin Kris­ti­na Rum­meld von DSW21 hat da­bei of­fen­bar ei­nen gu­ten Job ge­macht. In en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit der Dui­sport Con­sult Gm­bH brach­te sie die An­la­ge ans Lau­fen. Ge­neh­mi­gungs­pro­ze­de­re, För­der­mit­tel­an­trä­ge, Me­dia­ti­on im Zu­ge der Pl­an­fest­stel­lung: Die Di­plom-Bau­in­ge­nieu­rin hat­te gut zu tun – und Er­folg: „Wir sind so­gar mit den Bau­kos­ten gut vier Mil­lio­nen Eu­ro un­ter der be­an­trag­ten För­der­sum­me ge­blie­ben.“Nach­trä­ge wäh­rend der Bau­zeit gab es kaum, heut­zu­ta­ge ein sel­te­nes Phä­no­men.

Ge­lohnt hat sich die 24-Mil­lio­nen-Eu­ro-In­ves­ti­ti­on schon jetzt. „Es geht rich­tig gut los“, schwärmt Schüt­te: „End­lich ist die Ka­pa­zi­tät da, um zum Bei­spiel die Rot­ter­dam-Ver­keh­re zu ver­dich­ten. Die Zug­fre­quenz ha­ben wir jetzt schon von drei auf sechs Rund­läu­fe ge­stei­gert – und das sind Neu­ver­keh­re für die Schie­ne.“Trans­fracht hat zu­dem be­reits die Ver­bin­dun­gen mit Dort­mund ver­dich­tet, so­dass auch die deut­schen Nord­see­hä­fen nun noch bes­ser an­ge­bun­den sind.

Kun­den wie Ikea sind auch des­halb nach Dort­mund ge­kom­men, weil hier ei­ne leis­tungs­fä­hi­ge Lo­gis­tik Vor­tei­le ver­spricht, sind Rum­meld und Schüt­te si­cher. Die­sen Stand­ort­vor­teil baue die Stadt mit In­ves­ti­tio­nen wie in das neue Ter­mi­nal aus.

Wir lie­gen hier am Ostrand des Ruhr­ge­biets gold­rich­tig

Tors­ten Schüt­te, Ge­schäfts­füh­rer Con­tai­ner Ter­mi­nal Dort­mund (CTD)

Job mit Weit­blick: Nur drei Mi­nu­ten braucht ein gu­ter Kr­an­füh­rer, um ei­nen Con­tai­ner zu ver­la­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.