Gär­ten

Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen - - | Inhalt - VON DAG­MAR HAAS-PILWAT

Auf­wen­dig ge­stal­te­te Par­k­land­schaf­ten sind längst Sta­tus­sym­bo­le. Ein Land­schafts­ar­chi­tekt er­zählt von den Gar­ten­träu­men sei­ner be­tuch­ten Kun­den.

Klaus Klein rea­li­siert die Träu­me be­tuch­ter Gar­ten­lieb­ha­ber. Im In­ter­view spricht der Land­schafts­ar­chi­tekt über den Reiz sel­te­ner Ro­sen, Ka­nin­chen­stäl­le im Neu­eng­land-Stil und den

neu­en Trend zum Ra­sen­mäh­ro­bo­ter.

Gut 36 Mil­lio­nen Deut­sche be­sit­zen ei­nen Gar­ten. Ei­nen Land­schafts­ar­chi­tek­ten be­schäf­ti­gen nur we­ni­ge von ih­nen. Doch der ex­klu­si­ve Kreis wächst. Denn wer heu­te zei­gen will, dass er et­was auf sich hält, tut das im­mer öf­ter, in­dem er das Grün vor sei­ner Vil­la in die Hän­de von Leu­ten wie Klaus Klein gibt. Der 63-jäh­ri­ge Land­schafts­ar­chi­tekt ge­stal­tet seit fast 25 Jah­ren die flo­ra­len Träu­me be­tuch­ter Pri­va­tiers, aber auch die Park­an­la­gen von Kon­zer­nen wie Hen­kel und der Te­le­kom. Die Kun­den­kar­tei sei­nes Bü­ros WKM in Meer­busch liest sich wie das Who’s who der deut­schen Ge­sell­schaft.

Herr Klein, das Ge­schäft scheint zu blü­hen. Geht der Trend in­zwi­schen eher zum Park als zum Por­sche?

Klaus Klein (lacht): Das ei­ne schließt das an­de­re nicht aus. Fest steht: Wir hat­ten sel­ten so vie­le Auf­trä­ge für die Gestal­tung von teu­ren Gär­ten. Die Leu­te su­chen nach Geld­an­la­gen, und der Trend geht zum präch­ti­gen in­di­vi­du­el­len grü­nen Zu­hau­se. Jüngst bat uns ein Auf­trag­ge­ber mit so­li­den fi­nan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten, der üb­ri­gens fünf Por­sche und ei­ne Ga­ra­ge im Kel­ler nur für sei­ne 40 Old­ti­mer hat, ei­nen Gar­ten zu schaf­fen, den kei­ner hat. Geld spiel­te kei­ne Rol­le.

Was hat er be­kom­men?

Klein: Ein Uni­kat. Und da­mit kei­ner sei­ner Freun­de die An­la­ge wäh­rend der Bau­pha­se ko­pie­ren konn­te, ha­ben wir hin­ter ho­hen Bau­zäu­nen ge­ar­bei­tet. Die Her­aus­for­de­rung war, dass das Grund­stück re­la­tiv klein ist und das Haus nach ei­nem viel grö­ße­ren Gar­ten ver­langt hät­te. Die Kunst war es, ihn grö­ßer wir­ken zu las­sen, so als gin­ge er ins Unend­li­che. Ent­stan­den ist ein Park mit Pool und star­ken Bäu­men – eben groß, wert­voll und im Herbst mit at­trak­ti­ver Fär­bung, al­so In­dian Sum­mer in Deutsch­land. Ne­ben Kräu­ter­gar­ten – je­der will in­zwi­schen ei­nen – und re­prä­sen­ta­tiv wir­ken­den Hoch­bee­ten, soll­te der Ra­sen so be­schaf­fen sein, dass der Haus­herr bei Par­tys die Old­ti­mer auch mal dar­auf in­sze­nie­ren kann. Das Ex­tra­va­gan­tes­te war ein Ka­nin­chen­stall, der wie ein Haus in Neu­eng­land aus­sieht, al­ler­dings mit Ram­pen, da­mit das Tier auch in den zwei­ten Stock kann.

Sind die Auf­trag­ge­ber heu­te an­spruchs­vol­ler und an­stren­gen­der?

Klein: Durch­aus. Frü­her hat­te kaum ei­ner Ah­nung, und es hieß: Der Un­ter­schied zwi­schen En­g­län­dern und Deut­schen be­steht dar­in, dass der En­g­län­der weiß, wie die Pflan­ze heißt, und der Deut­sche, wie viel sie kos­tet. In­zwi­schen sind vie­le Bau­her­ren bes­tens in­for­miert, und wenn wir ins Spiel kom­men, ha­ben sie längst sämt­li­che Pflan­zen und Ro­sen­sor­ten ge­goo­gelt. Sie ken­nen sich aus mit Har­trie­gel, Fel­sen­bir­ne, Ahorn, Am­ber, Baum­ma­gno­li­en und ja­pa­ni­scher Kats­ura – auch Ku­chen­baum ge­nannt, weil er bei Re­gen ei­nen Duft von Leb­ku­chen ver­strömt.

Ist das ein Pro­blem?

Klein: Manch­mal. Denn be­vor man ins De­tail geht und Baum­ar­ten oder Sträu­cher fest­legt, soll­te das Ge­samt­bild klar sein. Ein Gar­ten ist kei­ne mo­di­sche De­ko­ra­ti­on, an der ich mich schnell satt­se­he. Er soll im­mer schö­ner wer­den, das gan­ze Jahr gut aus­se­hen und ei­ne See­le ha­ben. Be­vor­zu­gen Män­ner an­de­re Gär­ten als Frau­en?

Klein: Män­ner mö­gen Bäu­me, die bis zu sie­ben Ton­nen schwer sein kön­nen und nicht sel­ten 10 000 und mehr Eu­ro kos­ten. Und na­tür­lich Ra­sen – das Pres­ti­ge­ob­jekt über­haupt. Egal ob gro­ße oder klei­ne Flä­che, man könn­te mei­nen, der Traum fast ei­nes je­den Man­nes ist der Auf­sitz­mä­her. Da ist kein Platz für Pflan­zen, die nur im Weg rum­ste­hen. Und seit­dem es die neu­en Ro­bo­ter­ra­sen­mä­her gibt, die übe­r­all vom Han­dy aus kon­trol­lier­bar sind, ha­ben auch Tech­nik­be­geis­ter­te ih­ren Spaß. Und sie ach­ten dar­auf, dass aus­ge­tüf­tel­te Be- wäs­se­rungs­an­la­gen für den per­fek­ten eng­li­schen Ra­sen sor­gen.

Stimmt dem­nach das Kli­schee: Frau­en pfle­gen Ro­sen und Ra­bat­ten?

Klein: Ja. Sie wol­len Pflan­zen und Stau­den, Blü­hen­des und Duf­ten­des. Sie be­geis­tern sich für Him­beer- und Brom­beer­rei­hen, die als Spa­lier vor dem Zaun wie ei­ne He­cke wir­ken, da­zwi­schen pas­sen Ro­sen. Sal­bei und Ros­ma­rin wer­den in Blu­men­ra­bat­ten in­te­griert. Klet­ter­pflan­zen wie Kle­ma­tis wach­sen in die Bäu­me hin­ein, und aus ei­ner Ei­be ra­gen me­ter­ho­he Ram­bler-Ro­sen. Auf Hoch­bee- ten sol­len ne­ben To­ma­ten, Wald- und Hän­ge­erd­bee­ren auch Schnitt­blu­men wach­sen für Tisch­de­ko­ra­tio­nen. Der Ra­sen soll für die spie­len­den Kin­der und zum Son­nen­ba­den sein, Platz für Lie­ge­stüh­le und Loun­ge­ecken bie­ten.

Wird der Gar­ten im­mer mehr als Open-AirZim­mer ent­deckt?

Klein: Frü­her zähl­te die gro­ße Li­nie, heu­te will man ihn nut­zen. Mit Klet­ter­park und Baum­haus für die Kin­der, Tram­po­lin, Beach­vol­ley­ball­feld und ei­nem Schwimm­teich. Schau­kel­ses­sel hän­gen in den Bäu­men, Feu­er­stel­len sor­gen am Abend für woh­li­ge At­mo­sphä­re.

Ha­ben Sie ein paar Tipps, was bei ei­ner Neu­pla­nung oder Um­ge­stal­tung zu be­ach­ten ist? Klein: Wer bei­spiels­wei­se ei­nen eng­li­schen Land­schafts­park möch­te, braucht min­des­tens 2000 Qua­drat­me­ter Flä­che, denn es geht um ein Spiel von Nä­he und Fer­ne, von Licht und Schat­ten. In­dem man die Bäu­me der Nach­bar­gär­ten ein­bin­det, ge­winnt man an Tie­fe und Grö­ße. Grün­ab­stu­fun­gen be­stim­men den Raum. Da­bei soll­te das Ver­hält­nis zwi­schen im­mer­grü­nen und som­mer­grü­nen Pflan­zen stim­men, sonst hat man ab Ju­li nur noch Spi­nat.

Was wer­tet je­den Gar­ten auf?

Klein: Ich baue gern ei­ne ar­chi­tek­to­ni­sche Was­ser­flä­che, da­mit sich dar­in der Him­mel spie­gelt. Ein gro­ßes Him­melsau­ge ist schon ein be­son­de­res Er­leb­nis.

Egal ob gro­ßes oder klei­nes Bud­get, geht der Trend zum Rück­zug in den ei­ge­nen Gar­ten? Klein: Ja. Als Re­fu­gi­um, als hei­le Ge­gen­welt zu All­tags­stress und Ter­ror ist er zu­neh­mend wich­tig. Im Gar­ten ist man ab­ge­schot­tet und hat sei­ne Ru­he. Nicht um­sonst will dort nie­mand den Nach­barn se­hen, Sicht­schutz ist ei­ner der meist­ge­nann­ten Wün­sche. Stei­gend ist die Nach­fra­ge nach schnel­len WLAN-Ver­bin­dun­gen. Vie­le wol­len un­term Baum oder im glä­ser­nen Pa­vil­lon mit dem Lap­top ar­bei­ten. In­ter­net im Park ist der neue Lu­xus.

Was macht für Sie per­sön­lich ei­nen ge­lun­ge­nen Gar­ten aus?

Klein: Es ist ei­ner, der den Men­schen durch das gan­ze Jahr trägt. Was Be­stand hat, ist doch der Na­tur­ge­nuss. Man schaut ins Grü­ne – da­von gibt es un­end­lich vie­le Schat­tie­run­gen – und kann sich ein­fach nicht satt­se­hen. Ein Gar­ten ist oft der letz­te Lu­xus, den wir uns noch gön­nen kön­nen. Man taucht ein in die­se Welt, harkt und gießt, tut den Bee­ten et­was Gu­tes, und beim Ver­las­sen sind die Al­ler­meis­ten völ­lig ent­spannt.

Das heißt, die Lei­den­schaft fürs Gärtnern stärkt auch Herz und See­le?

Klein: Un­be­dingt. Ein Gar­ten ist ei­ne Le­bens­ein­stel­lung, und sein ei­gent­li­cher, ganz und gar nicht ma­te­ri­el­ler Wert liegt dar­in, dass man den Stil ver­fei­nern kann. Ich ken­ne kei­nen, der ei­nen Gar­ten be­sitzt und trotz­dem ei­nen Psych­ia­ter braucht.

Gro­ße Flä­chen ver­schlin­gen schnell sechs­stel­li­ge Be­trä­ge, oder?

Klein: Na­tür­lich, aber wer sich ei­nen gro­ßen und da­mit zwangs­läu­fig teu­ren Baum leis­tet, der kauft sich gleich­zei­tig ein Stück Le­bens­zeit. Der Reiz liegt dar­in, et­was Be­son­de­res zu schaf­fen. Und war­um soll­te ein Gar­ten bil­li­ger als ein Kun­st­ob­jekt oder ein Au­to sein? Ein Mer­ce­des ist nach dem Kauf nur noch die Hälf­te wert. Ein Gar­ten wird je­des Jahr wert­vol­ler, da­mit steigt auch der Wert ei­nes Grund­stücks.

Der Gärt­ner und sein Werk: Die­sen von Klaus Klein ge­stal­te­ten eng­li­schen Land­schafts­park in ei­nem Vil­len­gar­ten in Meer­busch hat ein Fach­ver­lag zu ei­nem der Gär­ten des Jah­res 2016 ge­kürt.

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