Os­kar Deecke

Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen - - | Inhalt - VON LAURA IH­ME

Er hat ei­nen Voll­zeit­job bei Thys­sen Krupp und trai­niert par­al­lel für Olym­pia in Rio de Janei­ro. Wie schafft der 30-Jäh­ri­ge das?

Trai­ning, Ar­beit, Trai­ning: Der St­un­den­plan von Os­kar Deecke lässt kei­ne Pau­sen zu. Mor­gens um halb sie­ben fährt er von sei­ner Woh­nung in Düsseldorf zum Olym­pia­stütz­punkt nach Köln, trai­niert dort meh­re­re Stun­den, be­vor es nach Essen zur nächs­ten Sta­ti­on geht. In der Haupt­ver­wal­tung von Thys­senK­rupp ar­bei­tet der 30-Jäh­ri­ge als Trainee in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­tei­lung, or­ga­ni­siert, te­le­fo­niert, sitzt in Be­spre­chun­gen – bis 17 Uhr. Da­nach geht es wei­ter nach Kre­feld, wo er mit sei­nem Hei­mat­ver­ein meh­re­re Stun­den trai­niert. Schla­fens­zeit: Mit­ter­nacht. Am nächs­ten Mor­gen: wei­ter­ma­chen.

Drei­mal in der Wo­che, di­ens­tags, mitt­wochs und don­ners­tags, ist das der Ta­ges­ab­lauf von Os­kar Deecke. Hin­zu kom­men noch Spie­le in der gan­zen Bun­des­re­pu­blik mit sei­ner Ver­eins­mann­schaft am Wo­che­n­en­de. Seit 2007 spielt er in der deut­schen Ho­ckey-Na­tio­nal­mann­schaft, er ist mehr­ma­li­ger Eu­ro­pa- und Welt­meis­ter, 2012 hat er so­gar olym­pi­sches Gold mit sei­nem Team in London ge­holt. Und ge­ra­de lau­fen die Vor­be­rei­tun­gen für die Spie­le im Au­gust in Rio de Janei­ro auf Hoch­tou­ren – par­al­lel zum Job. „Es ist ei­ne Her­aus­for­de­rung, Ar­beit und Sport un­ter ei­nen Hut zu brin­gen. Aber es macht mir Spaß“, sagt Deecke.

Seit fast zwei Jah­ren ar­bei­tet er bei Thys­senK­rupp. Was als Prak­ti­kum be­gann, en­de­te in ei­nem Voll­zeit­job in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­tei­lung. „Ich ha­be Sport­öko­no­mie in Köln stu­diert und woll­te im An­schluss gern ein Prak­ti­kum ma­chen, das nichts mit Sport zu tun hat“, sagt er. Über ei­nen Ho­ckey­mit­spie­ler kam er schließ­lich an die Stel­le bei Thys­senK­rupp und mach­te sei­ne Sa­che da­bei so gut, dass man ihn über­nahm – ob­wohl von An­fang an klar war, dass Deecke wei­ter­hin Leis­tungs­sport be­trei­ben wür­de.

Aus Sicht der Es­se­ner wa­ren die ab­seh­ba­ren häu­fi­gen Ab­we­sen­hei­ten des Trainees und Sport­lers kein Ein­stel­lungs­hin­der­nis. Dass Deecke we­ni­ger oder schlech­te­re Ar­beit leis­ten wür­de als sei­ne Kol­le­gen, be­fürch­te­te im Kon­zern nie­mand. Im Ge­gen­teil. „Wenn Os­kar weiß, dass er zum Bei­spiel mal nur sechs Stun­den am Tag da ist, dann tut er al­les, um in die­ser Zeit ge­nau­so viel oder viel­leicht so­gar mehr als sei­ne Kol­le­gen zu schaf­fen“, sagt sei­ne Kol­le­gin Heike Ne­u­meis­ter. Als Sport­ler brin­ge Deecke au­ßer­dem wich­ti­ge So­zi­al­kom­pe­ten­zen mit – ei­ne be­son­de­re Team­fä­hig­keit et­wa oder auch den Ehr­geiz, Ar­bei­ten un­be­dingt ab­zu­schlie­ßen.

Den­noch ist vom Un­ter­neh­men und von den Kol­le­gen viel Fle­xi­bi­li­tät ge­fragt: Bei Lang­zeit­pro­jek­ten ist es manch­mal schwer, den Trainee ein­zu­pla­nen. Deecke be­dau­ert es, wenn er bei ei­nem Pro­jekt nicht von An­fang an da­bei sein kann oder das En­de nicht mit­be­kommt. Oft be­treut er des­halb ei­ge­ne Pro­jek­te. Er hat den Mar­ken­re­launch von Thys­senK­rupp im ver­gan­ge­nen Jahr be­glei­tet, or­ga­ni­siert Sport­tur­nie­re wie Fir­men­läu­fe und er­ar­bei­tet der­zeit ei­ne ei­ge­ne Sport­kol­lek­ti­on mit Adi­das für die Mit­ar­bei­ter des In­dus­trie­kon­zerns.

Da­bei ist der Job bei Thys­senK­rupp für den Olympioniken auch mit Blick auf das Le­ben nach der Zeit als Leis­tungs­sport­ler wich­tig: „Ein Fuß­bal­ler in Deutsch­land hat nach sei­ner Sport­ler­kar­rie­re aus­ge­sorgt. Das ist beim Ho­ckey nicht so. Wir müs­sen uns ein zwei­tes Stand­bein auf­bau­en – nach der Zeit als Leis­tungs­sport­ler oder schon wäh­rend­des­sen. Ich ha­be letz­te­ren Weg ge­wählt.“Denn ob­wohl Os­kar Deecke Leis­tungs­sport­ler, Eu­ro­pa­meis­ter, Welt­meis­ter und Olym­pia­sie­ger ist, gilt er im­mer noch als Ama­teur­sport­ler – weil er eben nicht al­lein vom Ho­ckey le­ben kann.

Trotz­dem wür­de er den Sport nie­mals auf­ge­ben. Seit 26 Jah­ren spielt der ge­bür­ti­ge Ham­bur­ger Ho­ckey. Das ist bei den Deeckes Familien­sache: Auch der Va­ter und die Schwes­tern ha­ben sich dem Sport ver­schrie­ben. Nach der Ju­gend im Ver­ein wur­de er zu­nächst Na­tio­nal­spie­ler für die U21-Mann­schaft – ob­wohl er es gar nicht dar­auf an­ge­legt hat­te, ge­gen die welt­wei­te Kon­kur­renz an­zu­tre­ten: „Zwei Spie­ler wa­ren aus­ge­fal­len, und des­halb kam ich in den Ka­der, und es ging di­rekt nach Ma­lay­sia. Da ha­be ich dann ge­merkt, dass es ganz schön span­nend ist, Na­tio­nal­spie­ler zu sein.“

Der Rest ist Ho­ckey­ge­schich­te, auf die U21-Mann­schaft folg­te die Na­tio­nal­mann­schaft, folg­te Ti­tel auf Ti­tel – und viel­leicht folgt nun das nächs­te olym­pi­sche Gold im Som­mer in Rio. Zu­zu­trau­en wä­re es Deecke und sei­ner Mann­schaft je­den­falls, sie zählt zu den Fa­vo­ri­ten des Tur­niers. Ob Me­dail­le oder nicht: Bei Thys­senK­rupp in Essen wird man dem Trainee je­den­falls die Dau­men drü­cken. Und wenn er zu­rück­kommt, heißt es dann: ab an die Ar­beit.

Für das deut­sche Ho­ckey­team kämpft er in Rio um Gold. Für Thys­senK­rupp ma­nagt er Pro­jek­te in der PR-Ab­tei­lung: Os­kar Deecke lebt ei­nen Spa­gat zwi­schen Spiel­feld und Bü­ro. Sei­ne Chefs und Kol­le­gen un­ter­stüt­zen ihn, auch wenn sie mit­un­ter zu­rück­ste­cken müs­sen. Weil der 30-Jäh­ri­ge im­mer al­les gibt.

Os­kar Deecke Der

Gold­jun­ge von Thys­senK­rupp spielt

für Deutsch­lands Ho­ckey­team in Rio

Das Sie­ger­lä­cheln hat er schon drauf: Os­kar Deecke vor der Zen­tra­le von Thys­senK­rupp in Essen. Bei den Olym­pi­schen Spie­len in Rio will der 30-Jäh­ri­ge zum zwei­ten Mal Gold ho­len. Bis da­hin be­steht sein Le­ben aus Trai­ning, Ar­beit – und sehr we­nig Schlaf.

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